Tod von Epstein-Whistleblower: Britische Abgeordnete fordern Untersuchung
Der Tod eines britischen Whistleblowers sorgt in Grossbritannien für politische Diskussionen. Simon Andriesz, ein ehemaliger leitender Mitarbeiter des Finanzdienstleisters BGC Partners, starb im September in Thailand. Seine Familie teilte mit, dass er sich das Leben genommen habe. Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht.
Andriesz hatte zuvor die britische Finanzaufsicht FCA, das FBI und weitere Behörden über mutmassliche geschäftliche Verbindungen zwischen Jeffrey Epstein und dem heutigen US-Handelsminister Howard Lutnick informiert. Darüber berichtet die BBC.
Lutnick hatte BGC Partners gegründet und lange geführt, bevor ihn US-Präsident Donald Trump in seine Regierung berief. Die von Andriesz vorgelegten Informationen warfen laut BBC Fragen zu früheren öffentlichen Aussagen Lutnicks über seine Kontakte zum verurteilten Sexualstraftäter Epstein auf.
Kritik am Umgang mit Whistleblowern
Eine Gruppe britischer Abgeordneter verlangt nun eine unabhängige Untersuchung darüber, wie die FCA mit Hinweisgebern umgeht. Der Tod von Andriesz werfe «zutiefst beunruhigende Fragen» auf, erklärten die Politiker.
Andriesz hatte der FCA auch Vorwürfe über mögliche Missstände bei BGC Partners vorgelegt. Unter anderem behauptete er, Gelder aus einem für Bonuszahlungen bestimmten Topf seien zweckentfremdet worden. BGC bestreitet diesen Vorwurf.
Zudem warf Andriesz seinem früheren Arbeitgeber und dessen Anwälten Vergeltungsmassnahmen gegen ihn vor. Die FCA kam jedoch zum Schluss, es gebe nicht genügend Beweise dafür. BGC erklärte gegenüber der BBC, das Unternehmen verfüge über klare Regeln zum Schutz von Whistleblowern und habe Andriesz nicht benachteiligt.
Wenige Wochen vor seinem Tod sagte Andriesz bei einer Veranstaltung von Abgeordneten und Aktivisten, er fühle sich von der Finanzaufsicht im Stich gelassen. Er warf der Behörde vor, Hinweisgeber nicht ausreichend zu schützen.
Hinweise zu Lutnick und früherem Prinzen Andrew
Zu den von Andriesz zusammengetragenen Informationen gehörte auch ein geplantes Geschäft aus dem Jahr 2013. Lutnick soll dem früheren Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor eine Zusammenarbeit angeboten haben. Dabei sollten dessen Kontakte genutzt werden, um Investoren anzuziehen. Im Gegenzug war laut BBC ein Darlehen über eine Million Pfund vorgesehen.
BGC bestätigte gegenüber dem Sender, dass es entsprechende Gespräche gegeben habe. Das gemeinsame Geschäft sei jedoch nie zustande gekommen.
FCA kündigt eigene Überprüfung an
Der Labour-Abgeordnete John McDonnell bezeichnete Andriesz' Tod als «tiefgreifende und vermeidbare Tragödie». Whistleblower seien ein wichtiger Bestandteil der Finanzaufsicht. Wenn sie nicht darauf vertrauen könnten, geschützt und ernst genommen zu werden, gefährde dies die Integrität des gesamten Systems.
Die FCA hat inzwischen angekündigt, ihren Umgang mit Andriesz überprüfen zu lassen. Die frühere Direktorin der Bank of England, Lea Paterson, soll untersuchen, wie die Behörde mit ihm und seinen Vorwürfen umging und welche Lehren daraus gezogen werden können.
Die Abgeordnetengruppe fordert allerdings eine vollständig unabhängige Untersuchung durch eine externe Stelle. (mke)
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