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Trump nennt Putins Vorgehen «genial» und bringt Fox News in Verlegenheit

Trump nennt Putins Vorgehen «genial» – und bringt damit sogar «Fox News» in Verlegenheit

In einem Radio-Interview schwärmt Donald Trump über das Vorgehen des russischen Präsidenten. Putin sei «genial» und «klug» und die Unabhängigkeit der zwei ukrainischen Provinzen sei «wunderbar». Seine Aussagen sorgen für Fassungslosigkeit und bringen «Fox News» in Erklärungsnot.
23.02.2022, 05:3323.02.2022, 14:48

Während die ganze Welt besorgt auf die Entwicklungen in der Ukraine schaut, bezeichnet Donald Trump das Vorgehen des russischen Präsidenten als «genial» und «klug.» Trump unterhielt sich gestern mit den konservativen Radio- und Podcast-Moderatoren Buck Sexton und Clay Davis, wo er unter anderem zur Lage in der Ukraine befragt wurde.

«Herr Präsident, in den letzten 24 Stunden hat Russland mitgeteilt, zwei Separatisten-Regionen in der Ukraine als unabhängig anzuerkennen. Das Weisse Haus bezeichnet dies als Invasion. Das ist ein starkes Wort. Was lief hier falsch? Was hat der derzeitige Besetzer des Oval Office anders machen müssen?»

Trump kann es nicht unterlassen, zuerst auf die vergangenen, «manipulierten» Präsidentschaftswahlen hinzuweisen. Es sei nun ein Kandidat im Amt, der eigentlich nicht dort sein sollte und keine Ahnung habe, was er tue, so Trump.

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Dann kommt er zur eigentlichen Frage zurück. Er habe gestern Putins Rede am Fernsehen mitverfolgt. Seine Reaktion?

«Ich habe gesagt, ‹das ist genial›. Putin erklärt einen grossen Teil der Ukraine als unabhängig. Oh, das ist wunderbar.»

Am Tag zuvor hat Putin die selbsternannten «Volksrepubliken» Luhansk und Donezk in der Ostukraine als unabhängig anerkannt. Zudem ordnete er eine Entsendung russischer Soldaten an. Er plant damit zum zweiten Mal nach 2014 einen Einmarsch in die Ukraine. Der Westen wirft ihm vor, damit gegen das Völkerrecht zu verstossen, und hat unverzüglich mit einer Welle von Sanktionen reagiert. Trump findet derweil nur lobende Worte für die jüngsten Entscheidungen des Kremlchefs:

«Jetzt sagt Putin, sie sind unabhängig, eine grosse Sektion der Ukraine. Ich sagte, ‹wie klug ist das?› Und er wird hingehen und ein Friedenswächter sein.»

Beeindruckend und beneidenswert findet er vor allem die Stärke von Putins «Friedenstruppen».

«Das ist die stärkste Friedenstruppe ... wir können so eine an unserer südlichen Grenze brauchen. »

Er selbst, der während seiner Amtszeit eine harte Flüchtlings- und Migrationspolitik verfolgte, hätte gerne solche Truppen an der Grenze zu Mexiko. Putins Truppen seien stark und sie werden Frieden in die Ostukraine bringen, so Trump:

«Das ist die stärkste Friedensmacht, die ich je gesehen habe. Es gab mehr Panzer, als ich je gesehen habe. Sie werden den Frieden gut halten können. Nein, wirklich, denk drüber nach. Wir haben hier einen Typen, der sehr gewieft ist ... Ich kenne ihn sehr gut. Sehr, sehr gut.»

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Weiter behauptet er, dass es mit ihm als Präsidenten nie zu einer solchen Eskalation gekommen wäre:

«Das wäre mir übrigens nie passiert. Wäre ich im Amt gewesen – undenkbar. Das wäre nie passiert.»

Im nächsten Atemzug lobt er aber wieder das Vorgehen Putins:

«Aber da gibt's einen Typen, der sagt, ‹ich werde einen grossen Teil der Ukraine als unabhängig erklären› – er hat das Wort ‹unabhängig› gebraucht – ‹und wir werden rausgehen, hineingehen und werden helfen, den Frieden aufrecht zu erhalten.› Du musst zugeben, das ist ziemlich gewieft.»

Seinem Amtsnachfolger Joe Biden warf er vor, im Umgang mit Russland zu versagen. Dieser habe keine Antwort auf Putins Vorgehen gehabt, was «sehr, sehr traurig» sei.

In Wahrheit hat Biden allerdings unverzüglich Sanktionen angekündigt. Gestern liess er verlauten, Sanktionen gegen zwei russische Banken, gegen den Handel mit russischen Staatsanleihen und gegen drei Unterstützer Putins und deren Angehörige einzuführen.

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Video: watson/een

«Fox News» in Erklärungsnot

Im Netz sorgen Trumps Aussagen für Fassungslosigkeit, lobt er damit ja einen historischen Rivalen der USA. Die republikanische Abgeordnete Liz Cheney wirft Trump vor, dem Feind mit seinen Aussagen zu helfen. Daraus schliesst sie, dass seine Interessen nicht mit den Vereinigten Staaten von Amerika übereinzustimmen schienen.

Donald Trump bringt seine Sympathien gegenüber Putin und dessen Vorhaben unmissverständlich zum Ausdruck. Das Pro-Trump Medium «Fox News» sieht deshalb nur einen Ausweg aus der Misere: Trump habe diese Aussagen natürlich nicht ernst gemeint. Er wolle damit lediglich die Medien trollen, zeigt sich Fox-Moderator Pete Hegseth überzeugt.

Die Sprecherin des Weissen Hauses, Jen Psaki, ist sich im Kern sogar mit den Fox-Moderatoren einig: Auch sie nimmt Donald Trump nicht ernst. Sie machte am Dienstagabend (Ortszeit) auf Nachfrage klar, was sie von seinen Kommentaren hält: «Wir versuchen grundsätzlich, keine Ratschläge von jemandem anzunehmen, der Präsident Putin und dessen Militärstrategie lobt.»

Dass sich Trump gegenüber Putin so wohlwollend äussert, kommt nicht überraschend. Bereits während seiner Amtszeit wurde ihm von Kritikern vorgeworfen, den Kremlchef mit Samthandschuhen anzufassen. US-Ermittlungsbehörden zufolge hatte sich die russische Regierung «in umfassender und systematischer Weise» in die US-Präsidentenwahl 2016 eingemischt, aus der Trump damals als Sieger hervorging.

Mit Material der Nachrichtenganturen sda und dpa.

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