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USA Midterms: watson berichtet von Trumps Wahlveranstaltung in Texas

Trump hielt am Dienstagabend in Lubbock (Texas) vor Tausenden Anhängern eine fast zweistündige Rede. Auch watson war vor Ort.
Trump hielt am Dienstagabend in Lubbock (Texas) vor Tausenden Anhängern eine fast zweistündige Rede. Auch watson war vor Ort.watson

Fleisch, Waffen und «Verrückte»: Wir waren bei Trumps Show in Texas

Eine Woche vor den Zwischenwahlen hält Donald Trump eine Wahlkampfveranstaltung nach der anderen ab, um die republikanischen Kandidaten zu unterstützen. In Lubbock (Texas) erlebte watson einen kämpferischen Präsidenten, der sich wie gewohnt über seine Gegner lustig machte und vor seinen Anhängern scheinbar unermüdlich auftrat.
28.10.2026, 19:5728.10.2026, 19:57
Marine Brunner
Fred Valet
Fred Valet
Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Wer sein Idol nicht persönlich zu Gesicht bekommt, muss sich mit einer Leinwand begnügen. Sie steht vor dem Lubbock Memorial Civic Center. Die Stimmung ist ausgelassen. Seit Stunden stehen die Anhängerinnen und Anhänger, die keinen Platz im Saal ergattern konnten, auf den Beinen. Manche haben sogar die Nacht vor dem Gebäude verbracht. Nun warten sie gespannt auf ihren Präsidenten. Die gute Laune ist ungebrochen.

watson était à Lubbock, Texas.
watson unterwegs zu den Midterms 🇺🇸
Wie ist die Stimmung in den USA? Um besser zu verstehen, was die Menschen in den Vereinigten Staaten von Amerika bewegt, ist watson unterwegs von Seattle nach Austin.

Die USA wählen am kommenden 3. November ihr Repräsentantenhaus neu – in einem angespannten politischen Klima und mit einem Präsidenten Trump, den die Midterms zum Stolpern bringen könnten.

Mit kleinen Geschichten, die die politische Landschaft der USA verständlicher machen sollen, reist watson durch ein Land, das man zu kennen glaubt: ein aufgewühltes, ungeliebtes Land, das sich um seine Zukunft sorgt. Auch seine unterhaltsamen kulturellen Eigenheiten kommen dabei nicht zu kurz. Willkommen an Bord!

Um uns herum ist die Menge vereint, fröhlich und voller Energie. Unter Gleichgesinnten zu sein, dürfte das Selbstbewusstsein stärken. Zumal sich die Demonstranten, die Donald Trump auf der gegenüberliegenden Strassenseite protestierend empfangen, an einer Hand abzählen lassen.

Zwei Demonstranten, nur wenige Schritte vom Veranstaltungsort entfernt.
Zwei Demonstranten, nur wenige Schritte vom Veranstaltungsort entfernt.watson

Es ist 18.22 Uhr. Nach stundenlangem Anstehen macht sich unser Rücken langsam bemerkbar, als ein Werbevideo, das den Präsidenten in den höchsten Tönen lobt, endlich den Beginn der Veranstaltung ankündigt. Der Jubel wird noch lauter.

Dann erscheint Donald Trump auf der Bühne. Er wirft einige Mützen ins Publikum und geniesst seinen Auftritt zu den Klängen von «God Bless the USA». «Danke, vielen Dank. Hello, Texas!»

«USA! USA!», skandiert die Menge lautstark und begeistert.

Sobald der US-Präsident erscheint, gehen Hände und Handys in die Höhe.
Sobald der US-Präsident erscheint, gehen Hände und Handys in die Höhe.watson

Der Präsident ist gekommen, um die Texanerinnen und Texaner aufzufordern, republikanisch zu wählen, ihren Gouverneur Greg Abbott im Amt zu bestätigen und Ken Paxton nach Washington zu schicken. Der derzeitige Generalstaatsanwalt von Texas kandidiert in einem hart umkämpften Rennen gegen den Demokraten James Talarico für einen Sitz im Senat.

James Talarico. Er ist wohl die Hauptfigur des Abends – nach Trump. Wie so oft hat der Präsident ihm einen Spitznamen verpasst: «Tala-freak-o», eine Mischung aus seinem Nachnamen und dem englischen Wort «freak» («Verrückter»). Im Laufe der Rede wird der Mittdreissiger, der im Wahlkampf gut dasteht, zur Bedrohung für so ziemlich alles, was diesem texanischen Publikum angeblich lieb und teuer ist.

«Dieser Typ will euch euer Öl und euer Fleisch wegnehmen.»
Donald Trump über den Demokraten James Talarico

Anschliessend wird ein zusammengeschnittenes Video gezeigt. Darin sind Ausschnitte mit den Positionen des Demokraten zu Geschlechterfragen, Einwanderung und der «Nichtbinarität von Jesus» zu sehen. Die Forderung, weniger Fleisch zu essen, löst die lautesten Pfiffe aus.

Danach kommt Donald Trump auf die Abwesenheit des Kandidaten während eines Teils des Wahlkampfs zu sprechen. Glaubt man Trump, soll ein psychisches Problem oder vielmehr ein Magenproblem dahinterstecken: James Talarico sei ein Veganer, der «Fleisch essen muss, um gewählt zu werden». Die Buhrufe werden lauter.

Dann holt der MAGA-Guru zum nächsten Schlag aus. Er wirft seinem Gegner vor, den zweiten Verfassungszusatz abschaffen zu wollen, der das Recht auf den Besitz und das Tragen von Schusswaffen schützt. Seine Botschaft an das Publikum ist kurz: «Go take a hike.»

Mit anderen Worten: Der soll sich zum Teufel scheren.

Zwischen seinen Angriffen präsentiert der 47. US-Präsident seine Bilanz und reiht einen Superlativ an den nächsten. Die USA erlebten nun ihr «goldenes Zeitalter». Die Grenze sei gesichert. Die Beschäftigung erreiche Rekordwerte. Ebenso der Wohlstand. Die Industrie floriere, die Zahl der Tötungsdelikte und die Armut seien auf einem Tiefstand. Der Republikaner rühmt sich damit, die seiner Meinung nach «schlimmste Inflation in der Geschichte des Landes» beendet zu haben. Zahlen und Studien widersprechen ihm allerdings.

Trump versucht in Lubbock, seinem republikanischen Senatskandidaten zum Sieg zu verhelfen.
Trump versucht in Lubbock, seinem republikanischen Senatskandidaten zum Sieg zu verhelfen.watson

Was seine Versprechen betrifft, kündigt er zusätzliche Investitionen an, lobt seine Zollpolitik und stellt ein baldiges Ende des Krieges im Iran in Aussicht. Doch schon bald nehmen seine Gegner wieder mehr Raum ein als seine Erfolge.

Biden bleibt eine beliebte Zielscheibe

Auch die ehemalige Vizepräsidentin bekommt ihr Fett weg. «Erinnert ihr euch an Kamala?», fragt Trump. «Niemand erinnert sich mehr an ihren Nachnamen.» Dann ist Abdul El-Sayed an der Reihe, der demokratische Senatskandidat in Michigan, den Trump lieber persönlich in «Mohammed» umbenennt.

Doch schon bald kommt er auf einen bewährten Bestandteil seines Repertoires zurück: Joe Biden. «Sleepy Joe» oder «Crooked Joe» – je nach Laune wechselt der Spitzname. «Vor zwei Jahren», erklärt Donald Trump, «war das Land tot und der Mann an der Spitze hatte seinen Namen vergessen und war nicht in der Lage, den Ausgang einer Bühne zu finden.»

Der Spott wird zu einer eigenen kleinen Showeinlage. Nach einer Rede «vor einer riesigen Menschenmenge» habe er seine Frau Melania gefragt, wie sie seinen Auftritt gefunden habe. Er behauptet, sie auch privat «First Lady» zu nennen. In dem Dialog, den Trump seiner Frau in den Mund legt, hat diese nur einen einzigen Kritikpunkt:

«Warum bist du beim Verlassen des Saals nicht gegen die Wände gelaufen?»

Barack Obama wiederum wird wegen seiner Wirtschaftspolitik angegriffen. Elizabeth Warren bekommt erneut ihren Spitznamen «Pocahontas» ab, mit dem Trump ihre früheren Behauptungen über ihre indigene Abstammung ins Lächerliche zieht. Die Personen wechseln, das Muster bleibt gleich.

Ein Name. Eine Imitation. Eine Spitze.

Dann folgt die Reaktion des Publikums.

Je länger die Rede dauert, desto stärker reduziert sich die Wahl, vor die Trump die Wählerinnen und Wähler stellt, auf zwei Möglichkeiten: republikanisch wählen oder zulassen, dass das Land mit den Demokraten und ihrer «traurigen und kranken» Politik erneut «in der Hölle» landet. Dann folgt die nächste Versicherung: Texas werde den Republikanern einen grossen Sieg bescheren.

«Wir können es uns nicht leisten, auch nur eine einzige Stimme an einen Verrückten zu verlieren.»

Nach fast zwei Stunden Show bleibt vor allem ein Eindruck: Donald Trump hat mit seinen 80 Jahren Energie im Überfluss. Er scherzt, greift seine Gegner an und setzt auf seine bewährten Effekte. Kein einziges Mal scheint er seine Notizen zu konsultieren. Dabei hatte er bereits am Mittag eine Wahlkampfveranstaltung in Corpus Christi abgehalten. Sein Auftritt in Lubbock dauerte fast zwei Stunden.

Die Beliebtheitswerte des Präsidenten befinden sich auf einem historischen Tiefstand, doch das Publikum zieht weiterhin mit. Trump vermittelt kaum den Eindruck eines Mannes, den dieser Wahlkampf ermüdet. Offen bleibt, ob das am 3. November ausreichen wird, um seinem Lager zum Sieg zu verhelfen.

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quelle: wikimedia
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