Drohnen, Gott und «patriotische Cowboys»: So will Hegseth das US-Militär revolutionieren
Vor etwas mehr als zwei Jahren veröffentlichte der damalige «Fox & Friends»-Moderator Pete Hegseth ein Buch mit dem Titel «The War on Warriors». Darin kritisierte er «woke Generäle» und bezeichnete die Führungsschicht des Pentagons als aufgebläht, politisiert und verweichlicht. Heute ist Hegseth Verteidigungsminister – und, wie sich herausstellt, meinte er jedes Wort.
Bei einer 52-minütigen Rede vor Soldatinnen und Soldaten – und einer riesigen USA‑Flagge in Quantico kündigte der selbsternannte Kriegsminister diese Woche den nächsten grossen Umbau der US-Streitkräfte an. Dazu zählt die Entlassung von 20 Prozent der Generäle und Admiräle. Aktuell bekleiden mehr als 800 Personen diese Ränge. «Die ideologischen Clowns sind raus. Die patriotischen Cowboys sind drin – und obendrauf gibt es noch Testosterontests. Vielfalt ist nicht unsere Stärke. Einigkeit ist unsere Stärke», sagte Hegseth.
Doch die Entlassungswelle ist nur der Anfang. Mit sechs Initiativen will Hegseth das US-Militär technologisch, strukturell und ideologisch umbauen. Nicht alle sind gleich sinnvoll – und nicht alle gleich realistisch.
No fatties.
— Pete Hegseth (@PeteHegseth) October 1, 2026
No trannies.
No beardos.
No weirdoes.
No wimps.
No radicals — JUST WARRIORS. pic.twitter.com/mDktwOmn6F
Die sechs Vorhaben
Den ersten grossen Plan hält «Washington Post»-Kolumnist David Ignatius für den vernünftigsten: Das neue «Autonomous Warfare Command», ein Vier-Sterne-Kommando, soll Drohnen, Robotik und andere autonome Waffensysteme über die Teilstreitkräfte hinweg bündeln. Beschaffung und Einsatz sollen enger verzahnt, die Entwicklungszyklen durch die Zusammenarbeit von Soldaten, Ingenieuren und Rüstungsfirmen verkürzt werden. Bis Oktober 2027 soll das Kommando stehen – vorausgesetzt, der Kongress stimmt zu. Ignatius argumentiert, das Pentagon sei tatsächlich zu langsam und zu stark auf teure traditionelle Waffensysteme ausgerichtet. Die jüngsten Drohnenkriege hätten dagegen gezeigt, wie wichtig grosse Mengen billiger Systeme geworden sind.
Mit «Fortress America» will Hegseth die Streitkräfte besser gegen Cyberangriffe und Sabotage wappnen. Grosse Militärstützpunkte sollen unabhängig vom zivilen Stromnetz funktionieren. Kritische Lieferketten für seltene Erden, Spezialmetalle, Halbleiter und Treibstoffe sollen zurück in die USA geholt, strategische Reserven an Munition, Treibstoff, Medikamenten und Blut aufgebaut werden. Auch Satelliten und Kommunikationsfrequenzen sollen stärker geschützt werden. Das Ziel: kampffähig bleiben, selbst wenn globale Lieferketten zusammenbrechen. Sein Ministerium werde damit zur «Versicherung für die gesamte Nation», so Hegseth.
Noch gebaut werden muss die «Next Great American Base». Auf dem riesigen neuen Militärstützpunkt sollen dereinst 15'000 bis 25'000 Soldatinnen und Soldaten stationiert sein. Wo er entsteht, ist offen: Die Gouverneure der Bundesstaaten sollen sich um den Zuschlag bewerben.
Um auch in Zukunft militärisch mithalten zu können, ruft Hegseth zudem das «Project Meridian» ins Leben. SpaceX-Chef Elon Musk, Rüstungsunternehmer Palmer Luckey und der frühere republikanische Speaker Newt Gingrich sollen untersuchen, wie Kriege in mehreren Jahrzehnten aussehen könnten. Die Idee, Expertise von ausserhalb des schwerfälligen Pentagon-Apparats einzubeziehen, ist nachvollziehbar. Dass dabei zwei Unternehmer mit erheblichen Geschäftsinteressen im Verteidigungsbereich eine derart prominente Rolle erhalten, wirft allerdings Fragen nach Interessenkonflikten auf.
Unter «America's Corps of Cadets» sollen fünf Hochschulen – zwei davon mit konservativ-religiöser Ausrichtung – neu als ausgezeichnete Militäruniversitäten stärker in die Ausbildung künftiger Offiziere eingebunden werden. Hegseth präsentierte sie ausdrücklich als Gegenmodell zu den aus seiner Sicht «woken» Hochschulen des Landes. Ob das Ausschliessen von renommierten Universitäten wie dem MIT aus diesem Programm dem Militär bei seiner künftigen Vormachtstellung helfen wird, ist fraglich.
Am deutlichsten wird der Kulturkampf jedoch bei seiner letzten Initiative. Das neu geschaffene «Office of Religious Affairs» soll direkt an Hegseth berichten und Soldatinnen und Soldaten «erstklassige religiöse Unterstützung» garantieren, egal wo sie stationiert sind. «Die Kapellen auf unseren Stützpunkten verfielen», sagte Hegseth. «Entscheidungen über Glaube und Religion wurden von säkularen Berufsbürokraten in ihren Büros und von Anwälten getroffen, die mit rotem Klebeband herumliefen.»
Bereits zuvor hatte Hegseth monatliche christliche Gottesdienste im Pentagon etabliert und bei öffentlichen Auftritten wiederholt aus der Bibel zitiert. Anfang Jahr kündigte er zudem an, dass Angehörige des Militärseelsorgekorps statt ihrer Rangabzeichen künftig ihre jeweilige Religionszugehörigkeit sichtbar machen sollen.
Hegseth stösst mit den geplanten durchaus Reformen an, über die das Pentagon seit Jahren diskutiert: weniger Bürokratie, mehr Drohnen, widerstandsfähigere Stützpunkte. Gleichzeitig verspricht er, das Militär von Ideologie zu befreien, bringt aber seine eigene mit. Schon vor seinen grossen, neuen Plänen, entliess Hegseth viele schwarze und weibliche Offiziere. Zudem hat er mehrere Beförderungen von Generälen gestoppt.
Seine Abneigung gegenüber der bisherigen Führung sieht der demokratische Senator und ehemalige Navy-Offizier Mark Kelly in einer persönlichen Frustration: «Er hegt eine Art Groll gegen hochrangige Militärs – vielleicht, weil er selbst keiner von ihnen war.» Wie das neue Pentagon aussehen soll, fasst Pete Hegseth ohnehin einfacher zusammen: «Keine Dicken, keine Transen, keine Bärtigen, keine Spinner. Nur Krieger.» (schweizheute.ch)

