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Kanye West angeklagt: Er soll bei Videodreh ein Model gewürgt haben

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Model Jennifer An war 2009 Kandidatin bei «America's Next Top Model». Ein Jahr später kam es zum mutmasslichen Vorfall mit Kanye West.bild: instagram / thejennan

Kanye West angeklagt: Er soll bei Videodreh ein Model gewürgt haben

Jennifer An erhebt heftige Vorwürfe: Kanye West soll sie bei einem Videodreh angegriffen haben. Seine Anwälte streiten das nicht ab – aber sie haben eine andere Erklärung.
11.06.2026, 10:4511.06.2026, 10:45
Nadja Zeindler
Nadja Zeindler

Sie dachte, sie ersticke, und fühlte sich verängstigt. Das erzählt Jennifer An im BBC-Podcast Fame Under Fire. Die ehemalige «America’s Next Top Model»-Kandidatin, die als Model und Schauspielerin arbeitet, verklagt Kanye West. Der Grund: Als sie 2010 einen Gastauftritt in seinem Musikvideo hatte, soll der Rapper sie am Set gewürgt und ihr die Finger in den Mund gesteckt haben, um Oralsex zu simulieren.

Das Kuriose: Wests Anwälte bestreiten den Vorfall nicht. Stattdessen argumentieren sie, der Angriff sei Teil einer «intensiven und provokanten Theaterperformance» gewesen. West habe versucht, eine Szene aus dem Film «American Psycho» nachzustellen.

«Das ist Kunst, ich bin Picasso»

An erzählt, dass sie zunächst gar nicht wusste, dass West bei dem Shooting anwesend sein würde. Die damals 24-Jährige wurde für das Musikvideo zu La Roux’ Hit In For The Kill engagiert. Plötzlich sei der Rapper aufgetaucht, und sie habe sich mit anderen Models im Flur aufreihen müssen. Daraufhin habe West sie und zwei andere Frauen für die Szene mit ihm ausgewählt.

FILE - Ye, the rapper formerly known as Kanye West, leaves federal court during the trial of Sean "Diddy" Combs in New York, Friday, June 13, 2025. (AP Photo/Larry Neumeister, File)
Sexual M ...
Kanye Wests Anwälte bezeichnen den Vorfall als «künstlerische Darbietung».Bild: keystone

West habe sie vor der Kamera auf einen Stuhl gesetzt und sei hinter ihr gestanden. «Ich wusste nicht, was passieren würde. Mir wurden keinerlei Anweisungen gegeben», erzählt An.

«Plötzlich streckte er eine Hand aus und würgte mich. Ich wusste überhaupt nicht, was los war», sagt sie. «Dann zog er seine andere Hand heraus und würgte mich mit beiden Händen, verschmierte mir mein Make-up im ganzen Gesicht und steckte mir seine Hände in den Mund.» Es habe sich angefühlt, als würde er Oralsex simulieren. Wie er ihr Make-up verschmierte, habe sich «einfach falsch» angefühlt.

Crewmitglieder hätten nicht eingegriffen, sondern «ganz still dagestanden und mich angestarrt». Als West fertig war, habe er abrupt gesagt: «Das ist Kunst, ich bin Picasso.» Dann sei er gegangen. Auch sie habe sich nicht gewehrt: «Ich war wie gelähmt, ich dachte: ‹Ich könnte meinen Job verlieren.›» Es sei beängstigend gewesen. Auch, weil West weder davor noch danach mit ihr geredet habe.

An erzählt im Podcast, sie habe nach dem mutmasslichen Vorfall mit der Sängerin La Roux gesprochen, und diese habe sich entschuldigt. An bat sie, die Szenen nicht zu veröffentlichen, weil «meine Mutter das auf keinen Fall sehen darf». Die Sängerin habe ihr versichert, das nicht zu tun. Im veröffentlichten Video sind weder An noch Kanye West zu sehen. Der Sänger war allerdings an einer Remix-Version von «In For The Kill» beteiligt.

Bildnummer: 54904145 Datum: 13.02.2011 Copyright: imago/UPI Photo
Elly Jackson (L) and Ben Langmaid of British group La Roux pose with their awards for Best Electronic/Dance Album La Roux at the 53rd ...
La Roux, alias Elly Jackson, und ihr damaliger Produzent Ben Langmaid bei den Grammys 2011. Die Nachrichten der Sängerin sind Teil der Beweismittel.imago/UPI Photo

«Einwilligende Teilnehmerin der Bühnenperformance»?

Das Model reichte 2024 Klage ein. Damals kontaktierte sie La Roux erneut auf Instagram und fragte sie, ob sie sich an den Vorfall erinnere. Die Sängerin antwortete: «Ich könnte das nie vergessen, es war furchtbar.» West habe gewusst, was er tat, und es «lustig» gefunden. Diese Nachrichten wurden dem Gericht als Beweismittel vorgelegt.

Anlaufstellen für Opfer von sexueller Gewalt

Sexuelle Übergriffe können in den unterschiedlichsten Kontexten stattfinden. Hilfe im Verdachtsfall oder bei erlebter sexueller Gewalt bieten etwa die kantonalen Opferhilfestellen oder die Frauenberatung Sexuelle Gewalt. Die Opferhilfe ist auch über die nationale Nummer 142 erreichbar. Für Jugendliche oder in der Kindheit sexuell ausgebeutete Erwachsene gibt es in Zürich die Stelle Castagna. Betroffene Männer können sich an das Männerbüro Zürich wenden. Wenn du dich sexuell zu Kindern hingezogen fühlst oder jemanden kennst, der diese Neigung hat, kann dir diese Stelle weiterhelfen.

Der Prozess steht noch aus. Wests Anwälte reichten Anfang 2026 einen Antrag auf Abweisung der Klage ein, weil die Begegnung «im Rahmen der Produktion künstlerischer Darbietungen stattgefunden» habe. Ausserdem habe An zu keinem Zeitpunkt Einspruch erhoben, ihre Teilnahme verweigert oder versucht, die Aufführung zu verlassen. Sie sei «eine einwilligende Teilnehmerin der Bühnenperformance» gewesen.

Ans Anwalt sagte gegenüber der BBC, es wäre ein «wirklich gefährlicher Präzedenzfall», wenn Künstler das Gefühl hätten, sie könnten «im Grunde tun, was sie wollen, mit wem sie wollen, in kreativen Bereichen, und damit durchkommen, solange sie es Kunst nennen». (schweizheute.ch)

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