Das ist der «Bluenami»: Das Wichtigste der Midterm-Nacht in 10 Punkten
Du hast geschlafen, wir haben gearbeitet. Das Wichtigste der Midterm-Wahlnacht:
Die Demokraten feiern einen gewaltigen Wahlsieg
Senate
Die Prognosen deuteten einen Wahlsieg der Demokratischen Partei bei den Midterms an – doch wieder einmal lagen die Umfragewerte daneben. Der Erfolg der Demokraten fiel wesentlich deutlicher aus, als erwartet worden war. Auch in uneinnehmbar scheinenden Hochburgen der Republikaner (Iowa, Kansas, South Carolina) setzten sich demokratische VertreterInnen durch.
In beiden Kammern wird die Demokratische Partei ab Januar über eine deutliche Mehrheit verfügen. In Anlehnung an die Monsterwelle sprechen amerikanische Medien von einem «Bluenami».
Trump akzeptiert die Wahlergebnisse
In einem Interview mit zwei New-York-Times-Journalisten erklärt Donald Trump, er werde die Wahlresultate akzeptieren. Er sei «absolut willens» mit den Demokraten zusammenzuarbeiten. Wortwörtlich sagte er: «Wissen Sie, ich freue mich, mit ihnen zusammenzuarbeiten.» («We'll, you know, look forward to working with them»).
Als Grund für die Niederlage gibt er an, dass er nicht auf den Wahlzetteln gestanden habe. Der Krieg gegen den Iran sei eine «sehr weise Entscheidung» gewesen.
Die Demokraten gewinnen den Senat
Senate
Es war die grosse Frage vor den Wahlen: Können die Demokraten mit dem Senat auch die kleine Kammer des US-Kongresses gewinnen? Früher als erwartet kam die Antwort: ja. Und man darf von einem Erdrutschsieg der Demokraten sprechen.
Die grösste Sensation glückte der Demokratin Annie Andrews. Sie holte den Senatssitz in South Carolina. Vor den Wahlen war der Bundesstaat an der Ostküste nicht einmal als «Battleground» taxiert worden. Seit über zwei Jahrzehnten besetzen die Republikaner beide Senatssitze in South Carolina.
Ebenfalls einer Sensation gleich kommt der Sieg des Demokraten Adam Hamilton in Kansas. Er drängte den Republikaner Roger Marshall aus dem Amt – und das mit dem deutlichen Vorsprung von über sechs Prozentpunkten. George McGill, der letzte demokratische Senator in Kansas, schied 1939 noch vor dem Zweiten Weltkrieg aus dem Amt.
Aus historischer Perspektive ist auch der Sieg von James Talarico in Texas eine Sensation. Seit 1993 gab es dort keinen demokratischen Senator mehr. Sein Sieg wurde aufgrund der Umfragen allerdings für möglich gehalten.
In Iowa holte sich Paralympics-Teilnehmer Josh Turek den Sieg gegen die Republikanerin Ashley Hinson. Donald Trump gewann die Wahlen hier mit 13 Prozentpunkten.
Die Umfragen hatten im extremsten Fall 53 (von 100) Senatssitze für die Demokraten vorhergesagt. Nun sieht es gar nach einem noch höheren Sieg aus. Die deutliche Mehrheit ist wichtig, weil mit John Fetterman ein Demokrat im Senat sitzt, der sich immer wieder gegen die Partei und auf die Seite von Donald Trump stellt.
Die Demokraten gewinnen das Repräsentantenhaus zurück
Es galt als beinahe sicher, und das «beinahe» konnte früh in der Nacht gestrichen werden. Noch vor 3 Uhr Schweizer Zeit vermeldete die «New York Times», dass die Demokratische Partei die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückerobern wird – und das mit einer gewaltigen Mehrheit.
CNN und die «New York Times» prognostizieren zwischen 70 und 80 Sitzgewinne für die Demokraten.
Trump kann Rekordniederlage abwenden
Senate
Den Friedensnobelpreis bekommt er nicht. Immerhin kann sich Donald Trump aber rühmen, bei den Midterms nicht so schlecht wie Barack Obama 2010 abgeschnitten zu haben.
Der erste afroamerikanische Präsident verlor 2010 69 Nettositze. 63 im Repräsentantenhaus und 6 im Senat. Trump kann höchstens 59 Sitze verlieren.
Die Demokraten besetzten vor den Wahlen 214 Sitze im House (gegenüber von 218 der Republikaner). Diese Zahl dürfte laut «New York Times» auf maximal 263 steigen – ein Plus von 49 Sitzen. Im Senat sieht es danach aus, als würden die Demokraten zehn Sitze dazugewinnen (Stand: 9 Uhr).
Erster offen homosexueller Senatskandidat gewählt
Zum ersten Mal in der Geschichte der USA wählen die Stimmberechtigten einen offen homosexuell lebenden Mann zum Senator. Der Demokrat Chris Pappas gewinnt den vakanten Sitz in New Hampshire gegen seinen Kontrahenten John E. Sununu.
Erste Afroamerikanerin als Gouverneurin von Georgia
Auch in Georgia kommt es zu einer Premiere. Die demokratische Kandidatin Keisha Lance Bottoms wurde zur ersten afroamerikanischen Gouverneurin gewählt.
Die ehemalige Bürgermeisterin von Atlanta besiegte ihren Kontrahenten mit beinahe zehn Prozentpunkten Vorsprung.
El-Sayed gewählt
Michigan
1 Sitz
Gewinner:in
Name
%
Stimmen
Abdul El-Sayed
52.2%
2'409'239
Mike Rogers
45.8%
2'115'732
Weitere
2.0%
92'446
Die dritte Premiere gab es im Bundesstaat Michigan. Der redegewandte und charismatische Abdul El-Sayed wird der erste muslimische US-Senator der Geschichte. Der teilweise weit unter der Gürtellinie attackierte Kandidat setzte sich gegen Trumps Favoriten Mike Rogers durch.
Texas erhält auch eine demokratische Gouverneurin
In Texas erleben die Demokraten ihr blaues Wunder. Im Gouverneursrennen setzt sich die Demokratin Gina Hinojosa gegen den Amtsinhaber Greg Abbott durch.
Hinojosa ist die erste demokratische Gouverneurin seit Ann Richards, die bis 1995 im Amt war.
Elon Musk verbrennt 474 Millionen Dollar
Der reichste Mann der Welt, Elon Musk, unterstützte die Republikaner mit 474 Millionen Dollar. Noch nie gab eine einzelne Person so viel Geld für eine Wahl aus. Das Geld ist nun weg – genauso wie die meisten unterstützten Kandidaten.
Wer sich in Schadenfreude suhlen will, dem sei allerdings gesagt: Elon Musk verfügt über ein Vermögen von 900 Milliarden Dollar. Wenn er 474 Millionen abschreibt, dann ist das, wie wenn ein Millionär 526 Franken ausgibt.
