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Schlammlawine überrascht Kolumbianer im Schlaf – Opferzahl steigt auf über 250 Tote

Die Zahl der Todesopfer nach der verheerenden Schlammlawine im Süden Kolumbiens ist auf mindestens 254 gestiegen. 400 weitere Menschen seien verletzt worden, etwa 200 würden noch vermisst, teilte die Armee am Samstag mit.



Rund 300 Familien seien von der Katastrophe betroffen, in 17 Vierteln der Stadt Mocoa habe es schwere Schäden gegeben, 25 Wohnhäuser seien zerstört worden. Die Verbindung auf dem Landweg nach Mocoa ist unterbrochen, da zwei Brücken zerstört wurden.

Sintflutartige Regenfälle hatten die Erdrutsche ausgelöst. Betroffen war vor allem die 40'000-Einwohner-Stadt Mocoa: Die Schlamm-Massen wälzten sich durch die Strassen und rissen ganze Häuser, zwei Brücken, Autos und Bäume fort. Es handle sich um eine Tragödie von unvorstellbarem Ausmass, sagte die Gouverneurin der Region Putumayo, Sorrel Aroca. «Ganze Wohnviertel» seien im Katastrophengebiet verschwunden.

Angesichts der hohen Zahl an Verletzten könne die Versorgung nicht ausreichend gewährleistet werden, sagte Aroca. «Uns fehlt Personal, um den Opfern der Tragödie zu helfen.»

Kuba-Reise abgesagt

Luftbilder zeigten schwere Schäden. Mocoa liegt in der Nähe der Grenze zu Ecuador, rund 630 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá. Präsident Juan Manuel Santos sagte eine Kuba-Reise ab, um in die Katastrophenregion zu fahren. «Diese Tragödie lässt alle Kolumbianer trauern», betonte er.

Er beorderte Einheiten der Streitkräfte in die Region, Soldaten nahmen teilweise alte Menschen Huckepack, um sie zu retten. Erst zuletzt wurden bei Überschwemmungen in Peru rund 100 Menschen getötet - aber dort hatte es nicht ein so katastrophales Einzelereignis gegeben.

Als Santos am Samstag in Mocoa eintraf, betonte er mit Blick auf die Opfer: «Wir wissen nicht wie viele es werden.» Er verhängte den Katastrophenzustand, um die Hilfsmassnahmen zu beschleunigen. Rund 2500 Helfer sind im Einsatz. Die Menschen wurden in der Nacht zum Samstag gegen 23 Uhr von dem Unwetter überrascht.

Erinnerung an Armero-Katastrophe

Der Direktor der nationalen Katastrophenschutzbehörde, Carlos Iván Márquez, sagte, es habe ein Zusammentreffen mehrerer Ereignisse durch das Unwetter gegeben. Viele Menschen harrten wegen der Wassermassen auf Dächern aus, um gerettet zu werden. Erst langsam sanken die Pegel wieder und gaben das Ausmass der Zerstörung in Mocoa frei.

In Kolumbien ereignete sich vor 31 Jahren auch die weltweit bisher schlimmste Katastrophe durch eine Schlammlawine. Nach dem Ausbruch des Vulkans Nevado del Ruiz brachte die Lava die Eiskappe des 5390 Meter hohen Vulkans zum Schmelzen und löste damit im November 1985 eine Schlamm- und Gerölllawine aus, die die Stadt Armero auslöschte, 25'000 Menschen starben. Heute ist der Ort ein riesiger Friedhof. 

(cma/oli/sda/dpa/reu/afp)

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