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FILE - In this Jan. 27, 2021, file photo, a Nepalese health worker, right, instructs another on administering COVID-19 vaccine at Teaching Hospital in Kathmandu, Nepal. Neighboring India gifted Nepal 1 million doses of the AstraZeneca-Oxford University vaccine manufactured under license by the Serum Institute of India. (AP Photo/Niranjan Shrestha, File)

Die Impfstoffhersteller machen viel Geld mit den Vakzinen (Archivbild). Bild: keystone

Impfen ist ein Milliardengeschäft – so viel verdienen die grossen Hersteller damit

Alleine die beiden Firmen Pfizer und Moderna gehen von Umsätzen für die Coronavakzine von knapp 27 Milliarden Dollar aus. Derweil werden in ärmeren Ländern bis im Sommer nur gerade 3 Prozent der Bevölkerung geimpft.

Andreas Möckli / ch media



Viele wundern sich noch immer. In weniger als einem Jahr wurden mehrere Impfstoffe gegen Corona entwickelt. Der bisherige Rekord in der Herstellung eines Impfstoffs beträgt vier Jahre. Dabei geht vergessen, wie viel staatliche Gelder in die Entwicklung gesteckt wurden. Schätzungen gehen von 86.5 Milliarden Euro aus, wie eine Studie der Kenup Foundation zeigt, einer europäischen Nichtregierungsorganisation.

Unterschiedliche Preispolitik bei den Herstellern

Allein die USA haben über 13 Milliarden Dollar investiert, die EU und Grossbritannien jeweils über 4 Milliarden. Die Vereinigten Staaten haben einerseits gezielt die Entwicklung der Vakzine unterstützt, andererseits über die garantierte Abnahme von 800 Millionen Dosen das Ausfallrisiko der Hersteller weiter gesenkt.

Trotz der massiven Unterstützung verschiedener Länder fällt die Preispolitik der einzelnen Hersteller sehr unterschiedlich aus. Die US-Biotechfirma Moderna etwa hat rund 2,5 Milliarden Dollar von der amerikanischen Regierung erhalten – und damit am meisten unter allen Herstellern. Moderna ist gleichzeitig jenes Unternehmen, das am meisten verlangt: bis zu 37 Dollar pro Dosis.

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Die Schweiz hat sich von Moderna 13,5 Millionen Dosen gesichert, so viel wie von keinem anderen Hersteller. Das Unternehmen kündigte vergangenen August an, für kleinere Volumen zwischen 32 und 37 Dollar pro Dosis zu verlangen. Damit würde für den Bund Kosten zwischen 430 und 500 Millionen Dollar fällig. Wie viel Geld die Schweiz tatsächlich bezahlt, ist unbekannt. Ein Gesuch um Einsicht in den Vertrag basierend auf dem Öffentlichkeitsgesetz wurde vom Bundesamt für Gesundheit abgelehnt.

Am anderen Ende des Spektrums befindet sich der britische Pharmakonzern Astrazeneca. Er verlangt zwischen vier und acht Dollar pro Dosis. Die 5,3 Millionen Dosen, die der Bund bestellt hat, würden somit maximal rund 42 Millionen Dollar kosten. Astrazeneca bekräftigt, den Impfstoff während der Pandemie zum Selbstkostenpreis abzugeben.

Und so wird die Entwicklung und Herstellung von Corona-Impfstoffen für einzelne Hersteller zum veritablen Geschäft. Der US-Pharmakonzern Pfizer etwa rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatz von 15 Milliarden Dollar durch die Vakzine. Moderna geht von Verkäufen in der Höhe von 11,7 Milliarden Dollar aus. Die Firma stützt die Schätzung vor allem auf die Vorkaufsverträge zahlreicher Länder ab.

Ärzte ohne Grenzen kritisiert Preispolitik von Pfizer und Moderna

Die Frage stellt sich, weshalb die USA oder die EU bei den Verhandlungen nicht stärker auf einen tieferen Preis gepocht haben. Schliesslich ist die Spanne zwischen 4 und 37 Dollar pro Dosis enorm. Gerade der US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump konnte es offenbar nicht schnell genug gehen. Das Beschaffungsprogramm nennt sich schliesslich «Operation Warp Speed». Es ist eine Anspielung auf die Fernseh- und Filmsaga Star Trek. Dank des Warp-Antriebs können die Raumschiffe schneller als Lichtgeschwindigkeit fliegen.

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Elisabeth Massute von den Ärzten ohne Grenzen. bild: zvg

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert die Preispolitik von Firmen wie Pfizer und Moderna scharf. «Angesichts einer globalen Pandemie kann es nicht sein, dass die Profite einzelner Unternehmen über dem Wohl der Menschheit steht», sagt Elisabeth Massute von den Ärzten ohne Grenzen. Wenn massiv öffentliche Gelder geflossen seien, müsse die Allgemeinheit im Gegenzug von bezahlbaren Preisen profitieren. Sonst zahle der Steuerzahler zweimal: Sowohl bei der Investition in die Entwicklung als auch bei der Beschaffung der Vakzine.

Schweiz: Bis im Sommer sollen Impfwillige ihre Dosis erhalten haben

Ärzte ohne Grenzen setzt sich seit vielen Jahren für einen gerechten und bezahlbaren Zugang von Medikamenten und Impfstoffen in ärmeren Ländern ein. Doch genau hier harzt es auch während der Coronapandemie.

Zwar gibt es eine Initiative namens Covax, mit welcher der weltweite Zugang zu Corona-Impfstoffen gesichert werden soll. Unter der Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation arbeitet die internationale Impfallianz Gavi, die Koalition Cepi und weitere Organisationen mit. Alle Teilnehmer der Initiative, 75 reichere Länder und 90 ärmere Nationen, sollen im Verhältnis zur Bevölkerungsgrösse bei der Beschaffung gleich behandelt werden.

Doch davon sind wir weit entfernt. Vergangene Woche hat Covax bekanntgegeben, wie viele Impfstoffe die ärmeren Länder bis Ende Juni erhalten sollen. Die in Aussicht gestellten 337 Millionen Dosen reichen für gut 168 Millionen Menschen. Damit können im Schnitt gerade mal 3,3 Prozent der Bevölkerung der teilnehmenden Staaten geimpft werden. Zum Vergleich: In der Schweiz sollen bis im Sommer alle impfwilligen Personen immunisiert sein. Das wäre vermutlich mindestens die Hälfte der Bevölkerung. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl höher liegt.

Kein effizientes Vorgehen zum Eindämmen der Pandemie

Die Ärzte ohne Grenzen bezeichnet die weltweite Verteilung als hochgradig ungerecht, wie Elisabeth Massute sagt. Reiche Länder hätten mit Einzelverträgen die Strategie von Covax unterlaufen. Die Industriestaaten hätten sich die Impfstoffe gesichert, während in armen Ländern so gut wie gar nichts ankomme. Massute sagt:

«Das ist sicher kein effizientes Vorgehen zum Eindämmen der Pandemie.»

Skeptisch ist die Organisation auch bezüglich jener Firmen, die ihren Impfstoff zum Selbstkostenpreis anbieten. «Wir wollen uns nicht auf die Aussagen der Hersteller verlassen müssen, die Lieferverträge sollten transparent einsehbar sein», sagt die Deutsche. Die Forderungen richten sich vor allem an die Regierungen. Seien Lieferbedingungen transparent, so könne künftig mit den Herstellern einfacher verhandelt werden.

Die grössten Hersteller haben für das laufende Jahr über 9 Milliarden Dosen in Aussicht gestellt. Damit könnten rund 5 Milliarden Menschen geimpft werden. Das reicht längst nicht für alle.

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