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Sandoz-Chef: «Lichter der europäischen Antibiotika-Produktion gehen aus»

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Sandoz-Chef: «Lichter der europäischen Antibiotika-Produktion gehen aus»

Der Generikariese spricht vor einer Billig-Schwemme aus Asien – und will bald die US-Armee mit Antibiotika beliefern.
26.02.2026, 04:4426.02.2026, 04:44
Pascal Michel / ch media

Richard Saynor ist bekannt für klare Ansagen. Bei der Präsentation der Jahreszahlen folgte der Sandoz-Chef seinem Ruf. Er warnte davor, dass «die Lichter der europäischen Antibiotika-Produktion langsam ausgehen». Dabei nahm er Bezug auf den jüngsten Entscheid von Roche, sein Antibiotika-Werk in Kaiseraugst AG zu verkaufen. «Das ist ein Frühwarnzeichen», so Saynor. Roche hatte erklärt, dass sich eine Antibiotika-Fabrik in der Schweiz schlicht nicht mehr rentiere.

Sandoz-Chef Richard Saynor
Bild: Roland Schmid/chmedia

Der Basler Generikariese Sandoz ist mit seiner Fabrik im österreichischen Kundl eine der letzten Firmen in Europa, die das lebenswichtige Penicillin noch von Grund auf herstellen. Penicillin ist eines der wichtigsten Antibiotika. Man sei sich der Verantwortung bewusst, sagte Saynor. Doch längerfristig könne man kein Produkt fertigen, bei dem man Geld drauflege. «Es braucht deshalb eine ehrliche Debatte über die Preisgestaltung, um die Versorgung in Europa zu sichern.»

Dumping-Welle aus Asien

Das Geschäft mit Antibiotika steht schon länger unter Druck. Das liegt an tiefen Preisen und der Konkurrenz aus Asien. Jüngst hat sich die Situation weiter zugespitzt. Denn die chinesischen Produzenten überschwemmen gerade den europäischen Markt mit Antibiotika zu Dumpingpreisen. Dies ist eine Folge der US-Zölle auf chinesische Produkte.

Seither lenkt China seine Warenströme um und wirft insbesondere den wichtigen Penicillin-Grundwirkstoff zu massiv tieferen Preisen auf den europäischen Markt. Das trifft Sandoz direkt, weil die Firma auch dieses Grundprodukt an Firmenkunden verkauft. Den Verlust im vergangenen Jahr bezifferte Sandoz-Finanzchef Remco Steenbergen auf 100 Millionen Dollar oder 1 Prozent des Umsatzes.

Während Europa hier aus Sicht der Industrie schläft, scheint die Trump-Regierung die Dringlichkeit erkannt zu haben. Das hat einen handfesten Grund: Die US-Streitkräfte beziehen einen Grossteil ihrer Antibiotika aus Asien. Stellt etwa China die Lieferungen wegen eines Konflikts ein, fehlt der US-Armee ein lebenswichtiges Medikament.

Deshalb prüfen die USA nun Alternativen, auch aus Europa. Wie Saynor sagte, bietet Sandoz den Amerikanern an, die Penicillin-Grundwirkstoffe aus dem österreichischen Werk zu liefern. So könnte das US-Militär seine Abhängigkeit von China und Indien verringern. «Wir führen gute Gespräche», sagte Saynor, ohne weitere Details zu nennen.

Abseits der Penicillin-Probleme blickt der Sandoz-Chef auf ein erfreuliches Jahr zurück. Der Generikariese erzielte einen Umsatz von 11,08 Milliarden Dollar. Das entspricht währungsbereinigt einem Plus von 5 Prozent. Der Hauptteil der Einnahmen entfiel auf Generika. Ein immer wichtigerer Teil sind für Sandoz Biosimilars. Dort wuchsen die Verkäufe um 13 Prozent. Biosimilars sind Kopien von biotechnologisch hergestellten Medikamenten. Den Gewinn vor Steuern (Ebitda) beziffert Sandoz auf 2,4 Milliarden Dollar (+13 Prozent). Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich und einer weiteren Ebitda-Margenverbesserung von einem Prozentpunkt. (aargauerzeitung.ch)

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