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First Republic-Pleite: In den USA geht die nächste Bank unter

US-Finanzkonzern JP Morgan Chase übernimmt First Republic Bank

Es ist die zweitgrösste Pleite einer Geschäftsbank in der US-Geschichte: Die US-Behörden haben die Kontrolle über die in die Krise geratene kalifornische First Republic Bank übernommen und verkaufen sie an den Branchenriesen JPMorgan Chase.
01.05.2023, 10:4401.05.2023, 22:52
Niklaus Vontobel / ch media
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Wie der Bundeseinlagensicherungsfonds FDIC am Montag mitteilte, wird JPMorgan Chase alle Einlagen und fast alle Aktivposten der First Republic Bank übernehmen. Es ist ein neues dramatisches Kapitel in der Bankenkrise, die im März für massive Turbulenzen gesorgt hatte.

Die First Republic Bank stand unter starkem Druck, nachdem zwei Banken mit ähnlichem Profil – die Silicon Valley Bank und die Signature Bank – kurz hintereinander insolvent gegangen waren. Mitte März sprangen elf Grossbanken der kalifornischen Bank mit einer Finanzspritze von 30 Milliarden Dollar (rund 27 Milliarden Euro) bei. Das war aber nicht ausreichend.

Grösste US-Bank übernimmt

In der vergangenen Woche stürzte der Aktienkurs der First Republic Bank ab, nachdem das in San Francisco ansässige Geldinstitut bekanntgegeben hatte, dass Anleger im ersten Quartal des Jahres mehr als hundert Milliarden Dollar abgezogen hatten. Daraufhin schritten die Aufsichtsbehörden ein und baten andere US-Banken um Übernahmeangebote. Den Zuschlag erhielt schliesslich JPMorgan Chase, die grösste Bank in den USA.

Die 84 Filialen der First Republic Bank sollten am Montag als Filialen von JPMorgan Chase öffnen. «Das wird hoffentlich helfen, alles zu stabilisieren», sagte der Chef von JPMorgan Chase, Jamie Dimon. Der Aktienkurs von JPMorgan Chase stieg am Montag nach Handelsbeginn.

FILE - First Republic Bank signs and logos are displayed on a branch on April 26, 2023, in Wellesley, Mass. Regulators continued their search for a solution to First Republic Bank?s woes over the week ...
Bild: keystone

Der Bundeseinlagensicherungsfonds FDIC rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Abwicklung der First Republic Bank ihn 13 Milliarden Dollar kosten wird. Die 1985 gegründete Bank war nach Einlagen die Nummer 14 des Landes. Ihre Pleite ist abgesehen von Investmentbanken wie Lehman Brothers die zweitgrösste Bankenpleite in der US-Geschichte nach der Insolvenz von Washington Mutual während der Finanzkrise 2008.

Im März hatte die Pleite der vor allem im Technologiesektor aktiven Silicon Valley Bank (SVP) für erhebliche Turbulenzen im Bankensektor und an den Börsen gesorgt. Zahlreiche Kunden von Regionalbanken zogen ihre Depots ab, um ihr Geld bei grösseren Banken anzulegen.

Besorgte Investoren suchten nach Anzeichen für Schwächen bei anderen Banken in den USA und in Europa. In der Schweiz übernahm die Grossbank UBS auf staatlichen Druck hin die in den vergangenen Jahren von Skandalen geplagte Nummer zwei des Landes, die Credit Suisse.

Die Frage ist nun, ob die Pleite der First Republic Bank die Krise neu entfachen wird – oder ob das Eingreifen der Behörden und die Übernahme durch JPMorgan Chase ausreichend sind. Das US-Finanzministerium erklärte am Montag, das Bankensystem im Land sei nach wie vor «gesund und widerstandsfähig». US-Bürger könnten Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen und die Fähigkeit des Bankensystems haben, seine Rolle als Kreditgeber für «Unternehmen und Familien» zu erfüllen.

Hintergrund: Zinserhöhung

Die Probleme der Banken gehen unter anderem auf die starke Anhebung der Leitzinsen durch die US-Notenbank Fed im Kampf gegen die hohe Inflation zurück. Die Fed wird am Dienstag und Mittwoch über ihre Geldpolitik beraten - und dürfte dabei eine weitere Leitzinserhöhung beschliessen. Derzeit liegt der Leitzins zwischen 4,75 und 5,0 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit 2006. (sda/afp)

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87 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lowend
01.05.2023 10:54registriert Februar 2014
Jetzt soll einfach bitte nicht die UBS mit in den Strudel geraten, denn sonst hat die Schweiz ein Problem, dass sich kein Mensch mehr vorstellen kann.
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x%8Tz*3GsUf3
01.05.2023 11:09registriert Dezember 2020
Ich bin leiter kein Ökonom, aber ich erachte es als normal dass Unternehmen entstehen, leben und sterben. Bank-Unternehmen auch, schlecht geführte, mit schlechtem Angebot, mit schlechtem Image, schlechtem Service, schlechte Konditionen. Wie in jedem Geschäft in freier Marktwirtschaft, es widerspiegelt das Leben. Leben und sterben halt... Was ich eher als nicht normal empfinde ist, dass gefühlt jedes Mal ein Kollaps der Wirtschaft droht. Dass hohe Tiere absahnen, Boni, whatever, ist ihre Sache. Aber wenn ich als Steuerzahler einspringen muss um das Risiko zu decken, da hab ich ein Problem mit.
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Maya Eldorado
01.05.2023 11:46registriert Januar 2014
Nicht nur die Banken. Das ganze Geldsystem ist krank.
Die einen "verdienen" so viel, dass sie mehrere Leben bräuchten, um all ihr Geld zu brauchen.
Andere "verdienen" so wenig, dass es nicht zum leben reicht.
Es gibt sogar welche, die dara verhungern.
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