Kultur
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Ausstellung «15 Seconds of Fame»

«Wer die Technik verändert, verändert die Kunst»

Der Berner Künstler Ata Bozaci hat sich als Street-Artist einen Namen gemacht, die Wände von Gunter Sachs Villa bepinselt und eine Ausstellung übers Boxen gemacht. Mit seiner neusten Arbeit wagt er sich in digitiale Gefilde.



Ata Bozaci, ist man automatisch Narzisst, wenn man sich auf Facebook bewegt?
Bozaci: Darin ein Automatismus zu sehen, wäre übertrieben. Dass viele auf den Plattformen, welche Ihnen Social Media bieten, ihre narzisstische Seite entdecken und auch ausleben, ist eine Tatsache. Wie viel Narzissmus in jedem Einzelnen selbst steckt, lässt sich dort gut beobachten. 

Ata Bozaci

Ata «Toast» Bozaci. thetrace/atabozaci

Ata Bozaci

«Narcissus Swimmer» (2015). Bild: Ata Bozaci

Der Titel ihrer Portraitserie «Fifteen Seconds of Fame» leitet sich von Warhols Ausspruch «15 Minutes of Fame» ab. Durch Social Media – so die Überlegung – wird unsere Aufmerksamkeitsspanne drastisch verkürzt: von 15 Minuten auf 15 Sekunden.
Genau, in meiner kommenden Ausstellung in der Trace Galerie nehme ich direkten Bezug auf die Prophezeiung von Andy Warhol: «Jeder wird in naher Zukunft für 15 Minuten berühmt sein». Andy hat wohl damals nicht mit Facebook gerechnet. In den 70er hätte niemand sich vorstellen können, dass diese Aussage bereits nach wenigen Dekaden schon überholt sein wird. 

« Das Internet ist eine wichtige Quelle für Informationen, wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es noch andere Quellen für den geistigen Durst gibt.»

Und wie sieht es heute aus?
Die Tatsache, dass sich alles viel schneller bewegt, verbirgt Gefahren. Die grösste Schwierigkeit in unserem Leben ist die fehlende Zeit, unsere Tätigkeiten zu reflektieren und sinnvolle zu selektieren. Durch die Verkümmerung unserer Aufmerksamkeitsspanne werden begangene Fehler immer wieder wiederholt, bis sie zu unsichtbaren Automatismen werden. Social Media hilft uns schön dabei.  

Ata Bozaci

Hizir Demircan (2014). Bild: Ata Bozaci

Und wie verändern Facebook und die sozialen Medien die Kunst und die Arbeit des Künstlers?
Die Frage kann ich nur persönlich beantworten: Es hängt vom eigenen Umgang mit den sozialen Medien ab, also wie stark ich mich exponiere und wie sehr ich mich damit auseinandersetze. Zudem ist die Beeinflussung subtil und auch nicht linear, denn die sozialen Medien sind nur ein Puzzle-Stück unseres sozialen Kontextes und Kunst reflektiert diese nicht nur, sondern beeinflusst sie wiederum. Wie mein Umfeld damit umgeht ist Teil der Ausstellung und so auch Teil meiner Auseinandersetzung damit.

Eines Ihrer Bilder zeigt ein Neugeborenes, dessen Nabelschnur durch ein Aufladekabel ersetzt wurde. Am Ende der Ladekabels ein Handy. Die Nabelschnur wird nach der Geburt getrennt – ist es heute noch möglich, sich von der digitalen Welt abzukoppeln?
Möglich ist alles, nicht die ganze Welt ist vernetzt. Aber eine simple Trennung wäre sinnlos. Das Internet ist eine wichtige Quelle für Informationen, wir sollten jedoch nicht vergessen, dass es noch andere Quellen für den geistigen Durst gibt, zum Beispiel die eigene Grossmutter. 

Ata Bozaci

«Online» (2015). bild: Ata Bozaci

Ein weiteres Portrait zeigt den Schweizer Künstler H.R. Giger digital entfremdet. Was hat Sie dazu bewogen, Giger als Sujet zu wählen?
Während meiner Studienzeit hatte ich die Ehre, mit H.R. Giger an einer Kunstmesse in Frankfurt teilzunehmen. Unsere Bekanntschaft damals war für mich prägend. Das Bild habe ich für mich selbst angefertigt. Einfach so, aus Respekt.

Sie haben sich mit Streetart einen Namen in der Kunstwelt gemacht. Wieso der Schwenk zu digitalen Arbeiten?
Wieso nicht? Wer die Technik verändert, verändert die Kunst.  

Trailer zur Ausstellung: «15 Seconds of Fame»

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video: youtube/1TOASTONE1

Ata «Toast» Bozaci: Dokumentation

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video: youtube/FAKT -KUNST UND MUSIK

Können Sie den Entstehungsprozess ihrer Portraits kurz erläutern?
Vor einigen Jahren konnte ich das Berner Fasnachts-Plakat gestalten. Dafür hatte ich einige Entwürfe angefertigt, unter anderem ein Gesicht, welches nur mit Konfettis aufgebaut war. Durch die Reduktion auf eine Grundform, also den Kreis, konnte ich das Gesicht durch das richtige Anordnen der Konfettis modellieren. Diese Idee habe ich über die nachfolgenden Jahre ausgebaut, quasi ein «Rezept» dafür entwickelt und perfektioniert. Bei den aktuellen Portraits wird der Kreis als Stilmittel für die Darstellung der jeweiligen Charakter und ihre Ausstrahlung eingesetzt.

Ata Bozaci

«H.R. Giger» (2014). Bild: Ata Bozaci

Die Ausstellung «Fifteen Seconds of Fame» ist von 28. Februar 16 Uhr bis 14. März in der Galerie The Trace an der Miliitärstrasse 76 in Zürich zu sehen. 

«15 Seconds of Fame»: Ata Bozaci

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