Kultur
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Aus der Serie «Die Masochisten» des Pariser Künstlers Roland Topor. bild: hayquevivirla

«Ein Maul weniger zu stopfen»

Auch die Literatur kennt Listicles: Roland Topors 24 Gründe, warum er sich auf der Stelle hätte umbringen sollen

Roland Topor hätte eigentlich 100 Gründe gehabt, einen Schlussstrich zu ziehen. Gemacht hat er es allerdings nicht. Tot ist er inzwischen trotzdem. Wir wollen ihm aber mit diesem Listicle ein bisschen huldigen und euch 24 seiner 100 Gründe vorstellen.



Ein vielseitiger Mensch war das, dieser Roland Topor. Für Fellinis «Casanova» (1976) hat er Zeichnungen gemacht, seinen Roman «Der Mieter» hat Polański 1976 verfilmt, für die bayrische Staatsoper entwarf er Bühnenbilder, und vor allem verdanken wir ihm den Film «Marquis» (1989). 

Bild

Roland Topor (1938-1997). bild: forbiddenplanet

Eine sehr schmuddelige Satire über das Leben des ebenso schmuddeligen Schriftstellers Marquis de Sade: Hier führt dieser in Ungnade gefallene Adlige mit seinem überdimensionalen Penis einen Haufen tiefgründiger Dialoge, alle Schauspieler tragen Tiermasken. Und der schwule Bastille-Wärter Ambert will so gerne mit dem Marquis schlafen, doch stattdessen kriegt er nur eine Prostata-Massage mit einem Hummer. 

Animiertes GIF GIF abspielen

Vorhang auf für Colin, den sprechenden Penis, hier in Verkleidung. gif: watson

An diesem Film sieht man schon ein bisschen, was für eine Art Humor Topor hatte. Und das trotz seiner nicht ganz einfachen Geschichte als polnisch-jüdischer Einwanderer in Paris. Sein Vater wurde während der nationalsozialistischen Besatzung Frankreichs in Pithiviers interniert, einem Durchgangslager für jüdische Franzosen, 6000 von ihnen wurden weiter nach Auschwitz deportiert. Abraham Topor gehörte nicht dazu. Er konnte fliehen. 

Wolfram Siebenbeck fragte seinen Freund Roland Topor einmal, ob er wohl eines Tages mit grossem Pomp auf dem Friedhof Père-Lachaise beerdigt werden würde. Neben Cocteau und Sartre vielleicht. Topors Antwort:

«Sartre liegt auf dem Friedhof von Montparnasse. Und ich lande wahrscheinlich in einem Sack auf dem Müll.»

Das tat er nicht. Er liegt auch auf dem Friedhof von Montparnasse. Aber nicht ganz neben Sartre.

Und umgebracht hat er sich auch nicht. Aber er hätte 100 Gründe dafür gehabt. Hier sind 24 davon:

1. Um meinen Psychoanalytiker zu ruinieren. 

Bild

bild: wikipedia, bearbeitung watson

2. Ich bringe so rasch wie möglich in Erfahrung, ob ich unsterblich bin.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

3. Die letzte Volkszählung wird dann nicht mehr stimmen.

Die Volkszählung 1987 löste eine massive Protestwelle aus.

Die Volkszählung 1987 löste in Deutschland eine massive Protestwelle aus.   bild: taz

4. Ein unfehlbares Mittel gegen meine Glatze.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

5. Um mein Horoskop Lügen zu strafen.

Bild

bild. imgur

6. Ich werde dazu beitragen, dass der Rasen grün wird.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

7. Um die erhabenen Wonnen der Seelenwanderung auszukosten.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

8. Weil ich von den Wetterberichten enttäuscht bin.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

9. Ich werde das letzte Wort haben.

Animiertes GIF GIF abspielen

GIF: GIPHY, BEARBEITUNG WATSON

10. Ich habe nichts mehr anzuziehen.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

11. Ich kann nicht mehr mit der Angst leben, von meinem Körperspray im Stich gelassen zu werden.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

12. Ich will unbedingt dazu beitragen, dass die Strassen bei Ferienbeginn nicht mehr so verstopft sind.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

13. Um mich an den Wahlen vorbeizudrücken. 

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

14. Ein Maul weniger zu stopfen.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

15. Um die zu zählen, die an meinem Begräbnis weinen.

16. Um nachts nicht mehr zu schnarchen. 

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

17. Um als Gespenst zu erscheinen und meine Feinde an den Beinen zu ziehen. 

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

18. Mit dem Revolver werde ich nach zehn die Ruhe stören.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

19. Weil ich eine im Aussterben befindliche Gattung bin, die niemand schützt.

Bild

Tadaaa: Das ist Nasikabatrachus sahyadrensis – eine Art der Froschlurche, die hässlichste eigentlich. Vom Aussterben ist sie allerdings nicht bedroht, nur würde sie, selbst wenn sie es wäre, vielleicht niemand schützen.  bild: qldaf

20. Damit man mich schön macht, wenn ich kalt bin.

21. Um zu sehen, ob die Lahmen auf meinem Grabe geheilt werden.

Bild

bild: watson

22. Weil ich alle Abenteuer von Sherlock Holmes gelesen habe.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

23. Um meine Revolution zu machen.

Bild

bild: imgur

24. Um meinen Freundeskreis zu erneuern.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

60 Jahre «Psycho» – 25 scary facts zu Hitchcocks Meisterwerk des Grauens

Welcher ist der beste Hitchcock-Film? «Vertigo» ist ein Favorit. «Notorious», vielleicht. «Spellbound» wird auch oft angeführt. Aber eigentlich ist und bleibt «Psycho» der beste Film des Regie-Genies.

Wenn es sowas wie den ‹perfekten Film› gibt, dann ist «Psycho» einer der Anwärter. Eine Meisterleistung der Regiekunst, der Dramaturgie und des Schnitts. Und ein Meilenstein der Kinogeschichte, Kinokassenhit und Schock zugleich. Nach «Psycho» änderte sich alles.

Am 16. Juni 2020 jährt sich die …

Artikel lesen
Link zum Artikel