DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
bild: watson / shutterstock
Emma Amour

«Er wirft mir vor, dass ich keine Kinder kriegen kann ...»

15.06.2020, 10:4116.06.2020, 08:04
Liebe Emma

Ich weiblich, 24, bin seit rund zwei Jahren mit meinem Freund zusammen. Wir hatten letztens einen ziemlich grossen Streit. Er wollte sich sogar von mir trennen. Wir haben lange geredet und sind zum Entschluss gekommen, es nochmal zu probieren.

Er nannte mir während des Streits einige Gründe, die ihn an mir stören, unter anderem, dass wir nie eine Familie gründen können.

Zur Erklärung: Kurz nachdem mein Freund und ich zusammen kamen, habe ich erfahren, dass ich nie Kinder bekommen kann. Trotz grossem Kinderwunsch meines Freundes stand er hinter mir und sagte mir, dass es ihm wichtiger sei, ein Leben an meiner Seite zu führen, anstatt Kinder zu haben.

Doch nun über ein Jahr später wirft er mir dies als Grund für eine Trennung vor.

Ich fühle mich verletzt und bin traurig, da es sich um ein Problem handelt, für das ich überhaupt nichts kann.

Hast du einen Tipp für unsere Beziehung?

Liebe Grüsse,
Julia

Hoi Julia,

in allererster Linie tut es mir wahnsinnig leid, dass du keine Kinder bekommen kannst. Ich kann mir vorstellen, dass es ein schwieriger und emotionaler Prozess war, mit solch einer Diagnose Frieden zu schliessen.

Es freut mich enorm, dass dir damals dein Freund zur Seite stand, dich unterstützte und bei dir blieb, ja, sogar sagte, es sei ihm wichtiger dich statt Kinder zu haben.

Dass er dir aber im Streit vorwirft, dass du keine Kinder bekommen kannst, finde ich wahnsinnig gemein und enorm rücksichtslos. Er trifft dich an deinem wundesten Punkt, für den du, wie du sehr richtig schreibst, absolut nichts dafür kannst.

Ich halte es für sehr wichtig, dass du ihm sagst, wie sehr dich diese Aussage beelendet, verletzt und wütend macht. Führe ihm unbeschönigt vor Augen, warum seine Worte so deplatziert sind und warum du sie so nicht annehmen kannst.

Er hat sich nach der Diagnose entschieden, trotzdem bei dir zu bleiben. Mag ja sein, dass sich seine Gefühle in der Zwischenzeit verändert haben oder er aus anderen Gründen unzufrieden ist in eurer Beziehung.

Sollte das der Fall sein, soll er dir unbedingt mitteilen, was ihn warum stört. Was aber nicht geht, ist, in deiner Wunde zu stochern. Ich halte es für sehr wichtig, dass ihm bewusst wird, was er damit in dir auslöst.

Ich hoffe, dass es sich bei diesem Fauxpas um einen einmaligen Ausrutscher handelt, für den er sich adäquat entschuldigt, und ihr schnell wieder zu einer Basis findet, auf der ihr euch auf Augenhöhe begegnet.

Alles Liebe für euch beide,

deine

Und was würdest du Julia antworten?

Wie es für lesbische Paare ist, in der Schweiz Kinder zu kriegen

Video: watson/lea bloch
Emma Amour ist ...
… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die sich gerade einen Sommer lang eine Auszeit gönnt. In der Zwischenzeit gibts donnerstags jeweils Cleos Storys. Cleo ist Emmas BFF. Montags bleibt alles wie gehabt. Emma hat nämlich fleissig vorgearbeitet und sich vor ihrer Pause euren Fragen angenommen. Apropos Fragen: Die könnt ihr weiterhin an emma.amour@watson.ch schicken. Antwort gibts ab November.

Ach ja, damit sich Emma voll und ganz ins Abenteuer Leben stürzen kann, schwänzt sie während ihres Sabbaticals die Kommentarspalte. Natürlich wird sie hie und da heimlich mitlesen, weil: «Ich kann es nicht abstreiten, ich vermiss die Userschaft. Ist Userschaft ein gebräuchliches Wort?»
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.bild: watson
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Abonniere unseren Newsletter

100 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Jay888
15.06.2020 10:55registriert Dezember 2018
Es wird jetzt sehr hart klingen, was ich sage aber:
Wenn er sich so sehr eine Familie wünscht, wie du schreibst, wird er dich irgendwann verlassen. Schon nur, dass er es dir jetzt nach einem Jahr vorgeworfen hat spricht dafür.
Ich würde ein langes und ehrliches Gespräch führen, wo ihr darüber sprecht, was ihr machen könnt.
Möchtest du denn eine Familie? Denn es gibt heutzutags viele Alternativen. Adoptieren, künstliche Befruchtung, Leihmutter im Ausland, usw.
Wenn du aber keine Familie möchtest, muss er sich entscheiden, ob er nun wirklich damit auskommt oder nicht...
59610
Melden
Zum Kommentar
avatar
Wolk
15.06.2020 10:55registriert September 2016
Wow, jetzt gehts ans Eingemachte. Ich bin inzwischen 40 und habe sowohl bei mir als auch bei meinen Freundinnen ähnliches erlebt. Ich kann aus Erfahrung sagen, dass so eine Beziehung vielleicht einige Jahre funktionieren kann, aber in dieser Zeit viel Streit und Schmerzen auf beiden Seiten provozieren kann. Wäre ich nochmal jung, würde ich sowas beenden. Das Leben ist zu kurz.
4059
Melden
Zum Kommentar
avatar
Whats Son
15.06.2020 10:57registriert Januar 2020
Trenn dich von ihm. Sry, er hat sich bewusst für dich (mit deinen "Problemen") entschieden. Jetzt die Kindersache als Trennungsgrund zu bringen ist einfach feige. Klar, für ihn eine pfannenfertige Ausrede und den Kinderwunsch kann man ihm nicht verübeln. Aber ich glaube nicht dass es nur daran liegt, der möchte einfach weiterziehen. So hart das auch klingt, aber ohne solch einen ignoranten Freund bist du besser dran. Wünsche dir alles Gute!
29844
Melden
Zum Kommentar
100
«Digitales Münchhausen» – Wenn Jugendliche sich selbst im Netz beleidigen
«Die ist so hässlich», «Der ist so überflüssig», «Gibt's dich auch in witzig?» – Was nach typischen Mobbing-Sätzen klingt, kann auch einen ganz anderen Hintergrund haben. Denn nicht immer sind es andere, die über einen Jugendlichen verletzende Sätze im Internet verbreiten.

Manchmal ist es das vermeintliche Mobbing-Opfer selbst, das die Gemeinheiten verfasst. Dieses Phänomen wird als digitales Selbstmobbing bezeichnet, im amerikanischen Sprachraum heisst es «cyber self-harm». Dabei posten Jugendliche gemeine Dinge über sich selbst in sozialen Netzwerken.

Zur Story