Häuser aus Reisabfällen, Pilzen und Hanf: Das sind die Baustoffe der Zukunft
Früher waren sie als Abfallprodukt verschrien, nun zieren sie Häuserfassaden: Reisschalen werden mehr und mehr als vielseitiges, nachhaltiges Baumaterial genutzt. Vor allem in den USA erfreut sich das Material grosser Beliebtheit. Neben Häusern werden Reisschalen auch für Veranden oder Spielplätze verwendet. Die Vorteile des Materials sind, dass es besser vor Feuer schützt und gleichzeitig ästhetisch ist im Gegensatz zu beispielsweise Zedernholz, schreibt die BBC.
Die Welt produziert jedes Jahr rund 150 Millionen Tonnen Reisschalen, von denen ein Grossteil verbrannt wird, was sowohl die menschliche Gesundheit als auch die Umwelt gefährdet. Die neue Verwertung stellt nun einen nachhaltigeren Umgang dar.
Neben der Verwendung von Materialien aus Reisschalen in Verkleidungen und anderen Baumaterialien könnten Reisschalen laut Untersuchungen in Form von Asche eine Alternative zu Zement sein, der für 8 Prozent der weltweiten Kohlenstoffemissionen verantwortlich ist. Entweder könnte das Material durch Zugabe zu einer Zementmischung oder durch den vollständigen Ersatz von Zement, insbesondere als Bindemittel in Erdblöcken, herhalten. Dies würde die Menge an Zement reduzieren, die im Bau benötigt wird und sowohl die Kohlenstoffemissionen als auch die Materialkosten senken.
Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich der CO₂-Ausstoss deutlich senken liesse, wenn faserige Pflanzenreste wie Reis-, Weizen- und Maisstroh als Baumaterial verwendet würden, statt sie zu verbrennen. Der darin gespeicherte Kohlenstoff bliebe so über Jahrzehnte gebunden.
Weitere alternative Baumaterialien
Die Beton- und Stahlproduktion ist energieintensiv und stösst Unmengen an Treibhausgasen aus. Es wird deshalb vermehrt auf natürliche Baumaterialien wie Holz, Lehm oder Stroh gesetzt. Nachwachsende Rohstoffe verursachen weniger Treibhausgase und sie binden während ihres Wachstums CO₂ aus der Atmosphäre und speichern dieses langfristig.
Im globalen Süden wird auch Bambus zunehmend als Alternative zu Beton und teureren, langsamer wachsenden tropischen Harthölzern verwendet. Der Vorteil von Bambus gegenüber Holz ist, dass es viel schneller wächst.
Auch Pilze haben in den vergangenen Jahren als Baumaterial zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie gelten als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Baustoffen. In einem kontrollierten Prozess wachsen sie auf organischen Substraten und lassen sich zu einem festen, zugleich leichten Material verarbeiten. Dieses kann unter anderem als Alternative zu Holz oder Beton dienen und eignet sich besonders gut für Dämmungen.
Auch Hanf gilt als Baustoff der Zukunft. Ob als Hanfbeton, Dämmmaterial oder Faserverbundstoff: Hanf kann an vielen Stellen eines Gebäudes eingesetzt werden und verbessert dessen CO₂-Bilanz.
Ebenfalls umweltfreundlich ist Lehm. Noch heute lebt ein Drittel der Weltbevölkerung in solchen Häusern. Auch in Europa war Lehm lange Zeit ein gängiges Baumaterial.
Noch weiter geht man in der Baubotanik. Die Idee dahinter ist es, lebendige Bäume als tragende Bestandteile von Gebäuden einzubinden. Dieses Konzept ist nicht ganz neu: Schon das Volk der Khasi im indischen Regenwald hat Luftwurzeln des Gummibaums zu einem Geflecht gewoben und so Brücken von bis zu 50 Metern konstruiert.
