Das sind die Gebäude der Zukunft
Die Wohnsituation der Schweizerinnen und Schweizer ist heute nicht mehr dieselbe wie vor 20 oder 30 Jahren. Globale Entwicklungen wie der Klimawandel, die zunehmende Mobilität oder Migration prägen unseren Alltag und können bei der Planung von Wohnraum nicht ignoriert werden. Entsprechend gewinnen Nachhaltigkeit, Anpassungsfähigkeit, Gemeinschaft und moderne Technologien beim Planen und Bauen zunehmend an Bedeutung.
In der Zukunftsforschung, der Architektur und der Gebäudetechnik entstehen deswegen Konzepte und Szenarien, die das Leben in Schweizer Städten künftig prägen könnten.
Klimawandel
Der Klimawandel ist in vollem Gange und von Jahr zu Jahr wird es immer wärmer. Vor allem in den Städten staut sich die Hitze. Deshalb ist heute nicht nur die Energieeffizienz eines Gebäudes im Winter entscheidend, sondern auch, wie stark es sich im Sommer aufheizt und ob es angenehm kühl bleibt. Diese Faktoren beeinflussen zunehmend den Wert und die Attraktivität von Immobilien. In Zürich zeigt sich dieser Wandel bereits: Kühle Wohnungen sind besonders gefragt, berichtet das SRF.
Eine Attikawohnung mit XXL-Fensterflächen, Balkon und Seeblick kann deswegen schon mal ein Ladenhüter werden, da die Wohnung sich bei Hitzewellen, die immer öfters auftreten, stark aufheizt. Architekten, Investoren und Immobilienbesitzer müssen sich mit diesen Entwicklungen auseinandersetzen.
«Wir müssen mittelfristig überlegen, wie sich die Nachfrage entwickelt», meint Matteo Molteni von der Zürcher Immobilienberatung gegenüber dem RSI. Er fährt fort: «Es stellt sich die Frage, ob eine Attikawohnung – bislang die begehrteste Wohnung in einem Gebäude – auch in 10 oder 20 Jahren noch gleich gefragt sein wird.» Laut Molteni sind die Aussentemperaturen bereits in die Immobilienbewertungen eingeflossen.
Kühle Wohnungen sind gefragt
Der Klimawandel hat zunehmend Einfluss auf die Planung von Gebäuden. Obwohl Wärmepumpen heutzutage auch oft zum Heizen wie auch zum Kühlen eingesetzt werden können, reicht dies nicht aus und es müssen weitere Lösungen her.
Elia Zuccheddu von der Tessiner Sektion des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) sagt dazu gegenüber dem italienischsprachigen Fernsehen: «Das Gesetz schreibt vor, dass vor dem Einbau einer Kühlanlage zunächst bauliche Massnahmen geprüft oder umgesetzt werden müssen.» Gemeint sind damit zum Beispiel Sonnenschutzsysteme, leistungsfähige Fenster, eine gute Wärmedämmung sowie eine smarte Steuerung der Haustechnik. Architektinnen, Ingenieure und Gebäudetechnikerinnen müssen sich demnach miteinander absprechen.
Nachhaltigkeit
Ein wichtiges Thema beim Wohn- und Immobilienmarkt ist die Nachhaltigkeit. Nachhaltiges Wohnen beinhaltet Bauweisen und Technologien, die möglichst wenig Energie verbrauchen, umweltfreundlich sind und Ressourcen effizient nutzen.
Energieeffizientes Bauen benötigt nachhaltige Baumaterialien, denn Stahl oder Beton sind zwar günstig, aber CO2-intensiv. Dafür werden recycelte, wiederverwertbare und natürliche Materialien wie Holz, Lehm und Stein genutzt. Aber auch neue Materialien wie Hanfbeton sind auf dem Vormarsch. Zur energieeffizienten Gebäudetechnologie gehören zudem Isolierung, Dreifachverglasung und effiziente Heiz- und Kühlsysteme.
Umweltschonend sind zudem erneuerbare Energien wie Solaranlagen, Geothermie und Windenergie. Ein Konzept, um energieeffizient und umweltfreundlich zu bauen, sind beispielsweise Passivhäuser. Häuser werden dabei mit ökologischen Bau- und Dämmstoffen errichtet. Effizient ist ein Haus zudem mit einer Photovoltaikanlage. Diese kann mit einem Stromspeicher und einer Wärmepumpe kombiniert werden. Eine Steigerung der Ökobilanz gibt es auch durch die Nutzung von Regenwasser per Zisterne. Mit Hilfe von Solarthermie kann zudem Sonnenlicht in Wärme umgewandelt werden, um das Haus ganztägig zu heizen und Warmwasser zu erzeugen.
Um die Luftqualität insbesondere in Städten zu verbessern, werden in Hochhäusern natürliche Belüftungsstrategien realisiert. In der Schweiz wird schon vermehrt nach Minergie-Standard gebaut, was eine besonders energieeffiziente Bauweise und den Einsatz erneuerbarer Energien ausmacht.
Technik
Bei neuen Wohnprojekten wird vermehrt die neueste Technik angewendet. Die sogenannten Smart Homes werden mit vernetzten Geräten und Systemen ausgestattet, welche mit dem Smartphone oder Tablet (automatisch) über das Internet bedient werden können. Gesteuert werden können etwa Beleuchtung, Heizungs- und Klimaanlagen, Sicherheitssysteme, Kaffeemaschine oder TV.
Die intelligenten Systeme erkennen selbstständig, wenn ein Hausbewohner beispielsweise das Licht angelassen hat. Auch der Energieverbrauch kann angepasst und optimiert werden. Dafür häufiger genutzt wird künstliche Intelligenz, etwa für autonome Mähroboter oder Bewässerungssysteme.
Begrünung
Besonders in grossen Städten wie New York oder Singapur sind sogenannte Green Buildings beliebt. Dabei werden Gebäude mittels Dachgärten oder Fassadenbepflanzung begrünt. Neben verbesserter Lebensqualität sind die Konzepte auch nachhaltig. Zusätzlich wird Wärme gedämmt und werden die Energiekosten gesenkt.
Wohnkonzepte
In der Schweiz gibt es immer mehr Haushalte. Vor allem die Einpersonenhaushalte stiegen im vergangenen Jahrzehnt um 21 Prozent an, schreibt «Die Volkswirtschaft». Dieser Trend ist in ganz Europa zu beobachten. Grund dafür sind die Migration und der demografische Wandel.
Auch zukünftig dürfte die Zahl der Haushalte weiter steigen. Laut des Magazins werden so 2055 40 Prozent der Schweizer Haushalte aus einer Person bestehen. Vorwiegend handelt es sich bei diesen Personen um ältere Menschen und junge Erwachsene. Gründe sind dabei die höhere Lebenserwartung und momentan die hohe Anzahl an Babyboomern. Durch längere Ausbildungen und hohe berufliche Mobilität bleibt die Geburtenhäufigkeit niedrig, weshalb auch jüngere Menschen die Kleinhaushalte ansteigen lassen.
Diese Entwicklung wirft jedoch Fragen nach sozialer Isolation und dem verfügbaren Wohnraum auf.
Micro Living
Ein Konzept, dass dem fehlenden Platz entgegenwirken will, ist das Micro Living. Vor allem junge Menschen bevorzugen das Leben in der Stadt. Bei immer weniger Fläche und höheren Kosten liegt es nahe, den vorhandenen Platz möglichst gut zu nutzen. Dabei wird beispielsweise eine 1-Zimmer-Wohnung möglichst optimal eingerichtet. Bei Neubauten kann bereits in der Grundrissplanung darauf geachtet werden, schreibt Infina. Die kleinen Wohnungen verfügen oft über multifunktionale Möbel. Als Ergänzung zum Ersatzneubau bieten sich auch Tiny-Häuser an. Momentan braucht es dafür aber wie bei gängigen Häusern ein geeignetes Baugrundstück und eine Baubewilligung.
Flexible Räume
Zukünftiger Wohnraum wird so geplant, dass sich ganze Bereiche oder sogar Etagen verändern lassen. Ein Spielzimmer kann beispielsweise später in ein Homeoffice oder einen separaten Bereich für Pflegepersonal umgewandelt werden.
Zum heutigen Standard gehört weiter das barrierefreie Wohnen. Ein Vorteil für Eigentümer ist dabei die Aufwertung der Immobilie.
Co-Living
Wer nicht alleine wohnen möchte oder kann oder keine passende Wohnung findet, hat die Möglichkeit, in einer Wohngemeinschaft zu leben. Neben der klassischen Studenten-WG entstehen zunehmend Wohngemeinschaften für Berufstätige sowie Mehrgenerationen-WGs. Dabei profitieren die verschiedenen Generationen voneinander – etwa wenn ältere Menschen ihre Lebenserfahrung einbringen und gleichzeitig Unterstützung im Alltag erhalten. Auch Senioren-WGs erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
Neben traditionellen WGs werden für das Co-Living speziell dafür konzipierte Wohnräume geschaffen. Während jede Bewohnerin oder jeder Bewohner ein eigenes Zimmer oder Apartment besitzt, werden Gemeinschaftsbereiche wie Küchen, Wohnzimmer oder Terrassen geteilt. Dies bietet auch Vorteile für digitale Nomaden, die nicht langfristig an einem Ort wohnen möchten.
