Stars zeigen graue Haare – warum Normalos noch färben
Immer mehr Stars präsentieren ihre Haare in einem natürlichen Zustand. Neueste im Bunde ist die britische Schauspielerin Olivia Colman, die beim Zurich Film Festival statt ihres dunklen, charakteristischen Pixie-Schnitts mit einer grauen, lockigen Mähne auftauchte. Die graue Mähne entstand mithilfe von Extensions und vier verschiedenen Grautönen. Online wird sie dafür gefeiert und die «Vogue» bezeichnete sie als «Silberhaarmuse».
Colman folgt damit Prominenten wie Lisa Bonet, Sarah Jessica Parker oder Andie MacDowell, die schon länger zu ihren grauen Haaren stehen.
Frauen mit grauen Haaren haben es schwerer
Für Frauen ausserhalb von Hollywood ist es jedoch nicht immer so einfach, der Tyrannei der Haarfärbemittelflasche zu entkommen. Der Guardian zitiert eine Betroffene, die es mit grauen Haaren schwer hat, auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu bekommen: «Frauen, die versuchen, wieder an den Arbeitsplatz zu kommen, zögern, grau zu werden». Wer dies tut, sei wahrscheinlich, bereits in einer leitenden Position.
Eine kurze Zeit lang konnten die Frauen aufatmen. Während der Corona-Pandemie waren die Friseursalons geschlossen, und viele Menschen sassen zu Hause fest. Die Haare blieben grau. Doch mit dem Ende der Pandemie kehrte auch der Drang nach Farbe zurück.
Gemäss Untersuchungen fängt die Altersdiskriminierung bei der Rekrutierung von Frauen mindestens zehn Jahre früher an als bei Männern. Sobald eine Frau 40 Jahre alt wird, beginnen ihre Chancen, zu einem Vorstellungsgespräch gerufen zu werden, zu sinken. Bei Männern beginnt der Rückgang erst mit 50 Jahren.
Normalos greifen zum Farbtopf
Graue Haare treten im Durchschnitt in der Mitte der 30er Jahre für Weisse und Asiaten und um die Mitte der 40er Jahre für Schwarze auf. Viele beginnen bei dann, ihre Haare zu färben.
Sarah Bower, Spezialistin für graue Mischungen und Farben im Larry King Salon in London, sagt, dass Kunden, die graue Haare in Betracht ziehen, am meisten darüber besorgt sind, älter auszusehen.
Graue Haare sind zudem schwieriger hinzubekommen als vielleicht gedacht. Laut der Haarspezialistin liegt die Kunst darin, den Übergang von grauem und gefärbtem Haar so aussehen zu lassen, als hätte sie bereits ihre natürliche Haarfarbe. Es könne bis zu drei Jahre dauern, bis graue Haare vollständig wachsen.
Modewelt setzt auf Farbe
Auch wenn einige Stars mit ihren grauen Mähnen dem ewigen Jugendwahn trotzen, ist offenbar auch die Modewelt noch nicht so weit, das Altern zu akzeptieren. Während vereinzelte Models wie die 50-jährige Stephanie Cavalli mit grauem Schopf über den Laufsteg schreiten, färben sich viele weiterhin die Haare. Die 70-jährige Jerry Hall bleibt ebenso blond wie Pamela Anderson, die zwar schon länger auf Make-up verzichtet, ihre Haare aber weiterhin blond trägt.
Trotzdem könnten Vorbilder wie Sarah Jessica Parker einen gesellschaftlichen Wandel ankündigen. Die Schauspielerin reagierte einst in der Vogue auf Kritik und Häme wegen ihrer grauen Strähnen: «Ich habe keine Wahl. Was soll ich dagegen machen? Aufhören zu altern? Verschwinden?» Zudem bemerkte sie, dass Männern solche Kommentare wohl kaum begegnen würden. Bei ihnen gelten graumelierte Haare schliesslich als attraktiv – Stichwort «Silberfuchs». Bestes Beispiel: George Clooney.
(kek)
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