Leben
Rassismus

Kritik an Bradley Cooper in «Maestro» wegen Nasen-Prothese: «Jewfacing»

«Es bricht unser Herz» – Bernsteins Kinder verteidigen Bradley Cooper nach Nasen-Kritik

17.08.2023, 10:0417.08.2023, 11:05

Hollywood-Star Bradley Cooper verkörpert im Film «Maestro» den berühmten Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein, der 1990 verstorben ist. Um Bernstein akkurater darzustellen, trägt Cooper bei den Dreharbeiten zum Netflix-Film eine Nasenprothese.

RECORD DATE NOT STATED Portrait of Leonard Bernstein in his apartment, New York, N.Y., between 1946 and 1948 . 1062_16_M_-1857-
Porträt von Leonard Bernstein in seinem Apartment in New York, zwischen 1946 und 1948. Bild: imago

Ebendiese Nase wird für Cooper nun, nachdem der Trailer zum Film erschienen ist, zum «Problem». Im Netz wird ihm vorgeworfen, sogenanntes «Jewfacing» zu betreiben. Ähnlich wie beim «Blackfacing» lautet der Vorwurf, dass sich Nicht-Juden zur Verkörperung von Juden stereotypischer Merkmale bedienten.

«Ethnisches Cosplay»

Leonard Bernstein war Sohn jüdisch-ukrainischer Einwanderer in den USA. Er ist unter anderem für die Musik zum Musical «West Side Story» bekannt und war Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra. Cooper führte in der Biografie «Maestro» Regie, hat das Drehbuch mitverfasst und spielt die Hauptrolle.

Seine Darstellung wird jetzt im Netz heftig diskutiert. So schreibt die britische Schauspielerin und Aktivistin Tracy-Ann Obermann auf Instagram: «Wenn [Cooper] eine Nasenprothese tragen muss, dann ist das für mich und viele andere das Äquivalent zu Black-Face oder Yellow-Face ... Wenn Bradley Cooper die Rolle nicht allein durch Kraft oder Schauspielerei spielen kann, dann besetzt ihn nicht – nehmt einen jüdischen Schauspieler.»

Maestro. (L to R) Carey Mulligan as Felicia Montealegre and Bradley Cooper as Leonard Bernstein (Director/Writer) in Maestro. Cr. Jason McDonald/Netflix © 2023.
Carey Mulligan als Felicia Montealegre und Bradley Cooper als Leonard Bernstein in «Maestro».Bild: Jason McDonald/Netflix

Auch der leitende Filmkritiker des «Hollywood Reporter», Daniel Fienberg, nannte die Prothesen «problematisch», als im Mai Fotos vom Set auftauchten. Er bezeichnete den Film anschliessend als «ethnisches Cosplay». Für ihn kommt hinzu, dass auch Bernsteins erste Ehefrau, gespielt von Carey Mulligan (ebenfalls keine Jüdin), eine chilenische Jüdin war.

Schützenhilfe von Bernsteins Kindern

Nun erhält Bradley Cooper Unterstützung, und zwar von Leonard Bernsteins Kindern. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) posteten sie ein Statement: «Es bricht uns das Herz, wenn wir sehen, dass [Coopers] Bemühungen falsch dargestellt oder missverstanden werden», schreiben die drei Nachkommen.

Ihr Vater habe tatsächlich eine «schöne, grosse Nase» gehabt. Und weiter: «Bradley hat sich entschieden, Make-up zu benutzen, um seine Ähnlichkeit zu verstärken, und wir sind damit völlig einverstanden. Wir sind auch sicher, dass unser Vater damit einverstanden gewesen wäre.»

Cooper habe sie in jedem Schritt des Filmprozesses eingebunden. «Während der Dreharbeiten zu diesem Film konnten wir jederzeit den tiefen Respekt und ja, auch die Liebe spüren, mit der Bradley sein Porträt von Leonard Bernstein und seiner Frau, unserer Mutter Felicia, gestaltete», schreiben sie zum Schluss.

Der Trailer von «Maestro»

«Maestro» zeigt die turbulente Beziehung von Leonard Bernstein zu seiner ersten Ehefrau Felicia, die auch von Bernsteins Beziehungen mit Männern geprägt war. Der Film wird erstmals bei den Filmfestspielen in Cannes im September der Öffentlichkeit vorgestellt. Ab November soll er dann in den Kinos laufen und ab Dezember bei uns auf Netflix zu sehen sein.

(lak, mit Material der SDA)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Hier sind zwei bekannte Filmszenen zu einer kombiniert
1 / 29
Hier sind zwei bekannte Filmszenen zu einer kombiniert
quelle: instagram
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
An Liam Paynes Todestag wird Harry Styles bei Auftritt emotional
Mit einem bisher unveröffentlichten Song hat Harry Styles mehreren Medienberichten zufolge an seinen verstorbenen «One Direction»-Bandkollegen Liam Payne erinnert. Am zweiten Todestag seines Freundes präsentierte der Popstar das Lied «What Is Enough» bei einem Konzert im Madison Square Garden in New York. Den Song habe er «vor etwa zwei Jahren für meinen Freund» geschrieben, sagte Styles demnach am Freitag.
Zur Story