Dieter Nuhr empört mit Witz über Gewalt gegen Frauen – so reagiert die ARD
Mit der Satiresendung «Nuhr im Ersten» geht der 65-jährige Dieter Nuhr unter diesem Titel mittlerweile seit 2014 im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auf Sendung. Und während Nuhr immer mal wieder mit seinen gesellschaftskritischen Witzen aneckt, hat der Kabarettist es nun zu weit getrieben, wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer finden.
In einer seiner Sendungen machte Nuhr einen frauenverachtenden «Witz» über Femizide, die schlimmste Form der geschlechtsspezifischen Gewaltverbrechen. Und der Shitstorm auf Social Media folgte prompt. Auf Anfrage von watson reagierte die ARD nun auf die weitverbreitete Kritik.
Slutshaming im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?
In der Ausgabe vom «Nuhr im Ersten» vom 19. Juni erklärte der Kabarettist, dass die Wahrscheinlichkeit, vom eigenen Partner ermordet zu werden, «praktisch bei null» liegen würde. Immerhin würden ja «nur» 300 bis 350 Frauen jedes Jahr von ihrem Partner umgebracht.
Als wäre diese Aussage nicht schon skandalös genug, liess er sein Publikum direkt im Anschluss auch noch wissen, dass Frauen selbst schuld an ihrem Schicksal seien. Frauen sollten einfach ihre Männer besser kennenlernen, bevor sie mit einem x-beliebigen Partner ins Bett steigen.
User gehen auf die Barrikaden
Auf Social Media ist die Meinung zu diesem «Witz» eindeutig. Zahlreiche Menschen, darunter Influencerinnen und Influencer, machen deutlich, dass Nuhr damit nicht nur Frauen ihre Opferrolle abspricht und Scherze auf Kosten toter Frauen macht, sondern auch noch das gesamte weibliche Geschlecht in einem Atemzug «slutshamed».
Der Aufschrei gegen die Öffentlich-Rechtlichen ist riesig. Viele fragen sich, wie solche Aussagen unterstützt oder ausgestrahlt werden können, während täglich Frauen gegen häusliche Gewalt oder deren Folgen zu kämpfen haben.
Wie reagiert die ARD?
Auch watson fragte sich, wie die ARD zu der Aussage von Nuhr steht. Der Sender lieferte die folgende Antwort auf die Kritik der Zuschauerinnen und Zuschauer:
Weiter schrieben die ARD-Vertreter, dass es das Kerngeschäft von Satire sei, «Dinge bewusst zu verkehren. Satire funktioniert durch Polarisierung und Zuspitzung».
Weiter hiess es im Statement:
Die ARD beruft sich demnach auf die künstlerische Freiheit und die Satire als Kunstform. Sollte sich die Empörung auf Social Media weiter nach oben schaukeln, bleibt dem öffentlich-rechtlichen Sender vermutlich nichts anderes übrig, als Konsequenzen zu ziehen. Auf Instagram wurde auf jeden Fall deutlich, dass sich einige Leute schon mit einer direkten Beschwerde an den Sender gewendet haben.
