Skarsgård, Binoche, Colman: Diese Stars strahlen neben Luna Wedler am 22. ZFF
Tom Hiddleston & Willem Dafoe
Wie schön wäre es, wenn der coole, gediegene Brite Tom Hiddleston der nächste Bond würde? Wunderschön! Wird er aber wohl nicht. Aber wie wär's, wenn der exquisite Amerikaner Willem Dafoe ein Bond-Bösewicht würde? Auch nicht? Item: Die beiden spielen im ZFF-Eröffnungsfilm «Tenzing» von Jennifer Peedom zwei tollkühne Erstbesteiger des Mount Everest. Und natürlich liegt die Frage nahe, ob die beiden Stars die Eröffnungsgala im zu reichen Zürich nicht für einen Spendenaufruf für die von der Flutwelle Geschädigten in Nepal nutzen könnten. Just saying.
Luna Wedler
Diese Frau ist ein Phänomen: Sie ist 26, steht seit 11 Jahren vor der Kamera, hat bereits 33 Rollen verkörpert, gewinnt Preise in der Schweiz, Deutschland und am Filmfestival von Venedig und ist international so begehrt wie wohl noch nie ein schauspielernder Schweizer Mensch vor ihr. Weil sie so gut ist. Luna heisst Mond. Er ist wandelbar und strahlend. Luna Wedler ist es auch. Am ZFF-Eröffnungsabend wird sie für ihr bisheriges Werk (Lebenswerk wäre doch etwas früh) mit einem Golden Eye Award ausgezeichnet. Sie spielt am Festival in Frauke Finsterwalders «Eurotrash» und leiht ihre Stimme im Animationsfilm «De Rägebogefisch» einem Fisch. Da schliesst sich ein Kreis! Ihren Durchbruch hatte sie bekanntlich in «Blue My Mind» als Mädchen, dem ein Fischschwanz wächst.
Julianne Moore & Jesse Eisenberg
Wenn eine gute Schauspielerin wie Julianne Moore eine komplette Schauspiel-Anfängerin spielt und Drehbuch und Regie dazu auch noch vom verhühnerten Dauerschwafler Jesse Eisenberg stammen, wird das ziemlich sicher wahnsinnig lustig. Dass Eisenberg nicht nur als Schauspieler taugt, bewies er am ZFF vor zwei Jahren mit dem berührenden Holocaust-Gedenkstätten-Trip «A Real Pain». Darsteller Kieran Culkin gewann dafür einen Oscar. Mal schauen, ob es für Julianne Moore nach ihrem Oscar für «Still Alice» mit Eisenbergs «The Debut» erneut klappt. Für Moore gibts die Steigerung eines Golden Eyes, nämlich einen Golden Icon Award.
John Turturro
Er ist ein wunderbarer Schauspieler und hat dafür definitiv noch zu wenig Preise gekriegt, da ist so ein Golden Eye nur angebracht. Egal ob als dadaistische Büropflanze in «Severance», ob als Anwalt mit kaputten Socken in «The Night of» oder als ein Lieblingsschauspieler der Coen-Brüder, Turturro verleiht den melancholischsten Rollen noch eine Extraportion Weltschmerz. Nach Zürich kommt der Mann mit dem langen, traurigen Gesicht als «The Only Living Pickpocket in New York» von Noah Segan: Dass 36 anstrengende Stunden im Leben eines Taschendiebs für Turturro besonders stressig werden, kann man sich nur zu gut vorstellen.
Olivia Colman & Alexander Skarsgård
Ach, diese beiden! Leider, leider, leider startet ihr Erotikfilm «Wicker» erst im Februar 2027 bei uns. Also: Aus dem Märchen «Der Fischer und seine Frau» wissen wir ja schon, dass Fischersfrauen die abartigsten Wünsche haben (im Märchen will sie Papst werden). Fischerin Olivia Colman wünscht sich nun von einem magisch begabten Korbflechter einen, pardon, richtig geilen Mann. Sie hat Glück: Ihr Korbmann ist kein anderer als der hinreissende Schwede Alexander Skarsgård. Der Sex wird super. Man kann sich nicht annähernd ausmalen, wie amüsant der Dreh mit diesen beiden in Wirklichkeit rasend lustigen Menschen gewesen sein muss. Und sie kommen ZUSAMMEN nach Zürich! Lebensträume gehen in Erfüllung.
Danny Boyle
Die «Trainspotting»- und «28 Days/Years Later»-Legende (nicht zu vergessen die von ihm designte, sensationelle Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2012 in London, an der auch die Queen mitmachte) kommt mit einem etwas delikaten Projekt nach Zürich, nämlich mit «Ink» einem Film über den Aufstieg des jungen Rupert Murdoch zum rechten Medienmogul. Der Film soll, so hört man, so seine Beisshemmungen haben. Aber Boyle einmal zu begegnen, steht für Filmfreaks schon auf der Bucket List.
Naomi Watts
Die richtig grossen Filme von Golden-Eye-Gewinnerin Naomi Watts mit David Lynch («Mulholland Drive»), David Cronenberg («Eastern Promises») oder Peter Jackson («King Kong») liegen schon etwas zurück. Neuere Projekte wie das «Emmanuelle»-Remake oder Ryan Murphys Serien-Verbrechen «All's Fair» sind bodenlose Katastrophen. Aber wer weiss, vielleicht ist ja «The Housewife», der Spielfilm-Erstling von Ben Shirinian, ein neues Juwel? Watts spielt da die berückende Gattin eines vermeintlichen Nazi-Offiziers in New York. Vielleicht ist es aber auch nur Kitsch mit Nazis. Zu erzählen hat die in Australien aufgewachsene Britin auf jeden Fall unendlich viel, auf den Master-Talk mit ihr kann man sich freuen.
Martin McDonagh
Unter uns – das Interessanteste an Martin McDonagh ist ja, dass er der Mann an der Seite von Phoebe Waller-Bridge («Fleabag») ist. Aber wer gerne knorrige, schwarzhumorige Männer-Duette sieht, ist nach McDonaghs «In Bruges» und «The Banshees of Inisherin» mit «Wild Horse Nine» gewiss wieder bestens bedient. John Malkovich und Sam Rockwell werden da nämlich im Jahr 1973 auf der Osterinsel über Politik, ihren Arbeitgeber (den CIA), und dunkle Schatten aus der Vergangenheit chifeln. Und all das zwischen diesen trotzigen, stummen Steinmannli auf der Osterinsel. Für McDonagh gibts den A Tribute To ...-Award.
Juliette Binoche
Die Oscar-Preisträgerin ist ein Wunder aus Frankreich und liebt das ZFF über alles, sie ist nämlich bereits zum dritten Mal hier, jetzt mit dem britisch-amerikanischen Demenz-Drama «Queen at Sea» von Lance Hammer. Binoche ist eine wandelnde, von allen Leinwänden überirdisch leuchtende Protagonistin der Filmgeschichte. Ist die Frau aus «The Unbearable Lightness of Being», «Les amants du pont-neuf», «Trois couleurs: Bleu», «Le hussard sur le toit», «The English Patient» (für den sie einen Oscar gewann), «Chocolat» (mit Johnny Depp), «Clouds of Sils Maria» (mit Kristen Stewart), «Cosmopolis», «High Life» (beide mit Robert Pattinson) und, und, und. Und sie glaubt an Engel.
Richard Linklater
Der Texaner muss ein ungemein liebenswerter Typ sein, denn einige Schauspielerinnen und Schauspieler kehren gerne immer wieder zu ihm zurück, obwohl seine Dreharbeiten sich nicht nur über Wochen oder Monate, sondern über Jahre erstrecken können. Seine Filme bestehen oft nur aus Gesprächssituationen («Before Sunrise», «Before Sunset», «Before Midnight» und nein, das ist keine Vampir-Trilogie), aus denen sich Liebes- und Lebensgeschichten entwickeln. Das braucht etwas Geduld, doch wenn man sich erst einmal auf ihn eingelassen hat, macht Linklater ungemein glücklich. Am ZFF erhält er einen Career Achievement Award.
(sme)
Das 22. ZFF läuft vom 24. September bis zum 4. Oktober. Tickets sind ab dem 14. September erhältlich. Zum ganzen Programm gehts hier.
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