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Staatlich verordnete Funkstille

Green Bank, West Virginia: Wo das Handy niemals klingelt



With AFP Story by Fabienne FAUR: US-Technology-Health-Recreation
The Green Bank Telescope operated by the National Radio Astronomy Observatory is seen in Green Bank, West Virginia on October 29, 2014. The Green Bank Telescope, or GBT, is the world’s premiere single-dish radio telescope operating at meter to millimeter wavelengths. Its enormous 100-meter diameter collecting area, its unblocked aperture, and its excellent surface accuracy provide unprecedented sensitivity across the telescope's full 0.1 - 116 GHz (3.0m - 2.6mm) operating range. To protect the GBT from interference, a national quiet zone was established in 1958, where cell phones, Wifi, antennas,  and other electronic devices are restricted. AFP PHOTO / Fabienne FAUR

Die Funkstille hat einen Grund: Das Green-Bank-Teleskop reagiert hochempfindlich auf Störquellen wie Handy- oder Internetnetze.  Bild: AFP

Kein Handy klingelt, niemand starrt auf sein Smartphone und WLAN gibt es auch nicht. Am Dorf Green Bank in den USA scheint das Informationszeitalter spurlos vorbeigegangen zu sein. Doch für das riesige Funkloch 350 Kilometer von der Hauptstadt Washington entfernt gibt es einen guten Grund.

Hier steht das empfindlichste Radioteleskop der Welt. Damit die Wissenschaftler ungestört ins Weltall lauschen können, herrscht im Umkreis von 16 Kilometern staatlich verordnete Funkstille.

Als diese so genannte National Radio Quiet Zone 1958 eingerichtet wurde, gab es noch keine Handys und kein drahtloses Internet. Heute hat ein Ort ohne mobilen Empfang in der westlichen Welt Seltenheitswert. Und genau deshalb hat sich das 143-Einwohner Dorf in West Virginia zu einem Zufluchtsort für all jene entwickelt, die unter der allgegenwärtigen elektromagnetischen Strahlung leiden.

Charles Meckna ist einer dieser Flüchtlinge, seit Juli lebt der 53-Jährige mit seiner Frau in Green Bank. «Hier fühle ich mich viel besser, ich habe wieder ein Leben», sagt Meckna. Hinter ihm liegt eine lange Zeit des Leidens: Seit 1990 fühlte er sich krank, litt unter Übelkeit und Migräne, und immer wenn er in die Nähe eines WLAN-Routers kam, begann sein Herz zu stolpern.

Der Arzt verschrieb Antidepressiva. Auf die Idee, dass seine Krankheit etwas mit elektromagnetischer Strahlung zu tun haben könnte, seien zunächst weder die Mediziner noch er selbst gekommen, erzählt der ehemalige Polier.

«Elektromagnetische Überempfindlichkeit»

Aber nach zwei Wochen in Green Bank waren die Kopfschmerzen Mecknas verschwunden. Die Weltgesundheitsorganisation erkennt elektromagnetische Überempfindlichkeit formal nicht als Krankheit an, bestreitet aber nicht, dass es sie gibt.

«Ich hatte keine Wahl – hier zu leben oder anderswo mit Kopfschmerzen», sagt Diane Schou. Sie suchte 2007 in Green Bank Zuflucht, nachdem in der Nähe ihres Bauernhofes in Iowa ein Funkmast aufgestellt worden war.

Ihre Schmerzen seien so unerträglich gewesen, dass ihr Mann aus Aluminium einen abgeschirmten Raum gebaut habe, in dem Schou die meiste Zeit verbrachte. «Hier habe ich zumindest das Gefühl, eine Zukunft zu haben. Und ich kann Leute einladen», sagt sie.

Ihr schmerzfreies Leben haben Meckna und Schou dem 150 Meter hohen Teleskop zu verdanken, das mit seiner 100 Meter breiten Schüssel rund um die Uhr Signale aus dem Weltraum einfängt. «Wir können die Geburt und den Tod von Sternen beobachten», sagt Michael Holstine, der für das Observatorium arbeitet.

Energie einer Schneeflocke

Das Teleskop sei so empfindlich, dass es die Energie einer Schneeflocke messen könnte, die den Boden berührt, erklärt er. Damit das gelingt, müssten Störquellen so weit wie möglich ausgeschlossen werden.

Wenn Wissenschaftler beispielsweise einen Quasar beobachten – den Kern einer aktiven Galaxie –, dann sei bereits ein Handysignal äusserst störend, sagt Holstine. «Ein Quasar sendet typischerweise ein Signal mit einem Milliardstel eines Milliardstel eines Milliardstel Watt. Ein Handy hat rund zwei Watt.»

Auf ein Mobiltelefon verzichten die zugezogenen Elektrosensiblen in Green Bank gerne. Und auch den Einheimischen fehlt nichts. «Ich habe nie ein Handy gehabt», sagt die Kassiererin im Dorfladen, Betty Mullenax. «Also habe ich auch nie eines vermisst.» (sda/afp)

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