Schweiz
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AKW Gösgen in der Morgendämmerung. Bild: Userinput/Robert Jäggi

Drei von vier Stimmbürgern möchten eine Schweiz ohne AKW



«Möchten Sie eine Schweiz mit Atomenergie oder eine Schweiz ohne Atomenergie?» Dreiviertel der Stimmbevölkerung haben geantwortet: Ohne Atomenergie. Dies ist eines der Ergebnisse der VOTO-Umfrage unter 1578 stimmberechtigten Personen in der ganzen Schweiz im Nachgang zur Abstimmung am 27. November 2016. Die Studie wurde am Donnerstag publiziert.

Trotzdem ist die Atomausstiegsinitiative im November beim Volk durchgefallen. Grund: Der Zeitplan für den Ausstieg war zu ehrgeizig, wie die VOTO-Studie zur Abstimmung aufzeigt. 82 Prozent der Nein-Stimmenden fanden, der Zeitplan sei unrealistisch.

60 Prozent der FDP- und SVP-Sympathisanten möchten die AKW abstellen

Dennoch wollen 63 Prozent, die gegen die Ausstiegsinitiative gestimmt haben, eine Schweiz ohne Atomenergie. Die Ablehnung der Atomenergie geht durch sämtliche Lager, selbst über 60 Prozent der FDP- und SVP-Sympathisanten möchten die AKW abstellen.

An den klaren Mehrheitsverhältnissen zur Frage der Atomenergie, die es seit Fukushima gebe, habe sich nichts verändert, folgern die Autoren der Studie, Georg Lutz und Florence Lebert vom FORS in Lausanne.

Angst vor Stromlücke

Bei einem Ja zur Initiative hätten die AKW Beznau I und II sowie Mühleberg bereits in diesem Jahr abgeschaltet werden müssen, Gösgen 2024 und Leibstadt 2029. Die Initiative, die mit 54,2 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt wurde, wollte die Laufzeit der AKW auf 45 Jahre begrenzen.

Neben dem Zeitplan spielte auch die Angst vor einer Stromlücke eine entscheidende Rolle: 81 Prozent der Nein-Stimmenden meinten, dass ein rascher Ausstieg die Versorgungssicherheit gefährden könnte.

Die Frage der AKW-Sicherheit spielte bei den Befürwortern die Hauptrolle: 85 Prozent der Ja-Stimmenden meinten, ein Ausstieg würde die Sicherheit erhöhen.

Dies sah die Gegenseite anders: Nur 25 Prozent davon stimmten dem zu. «Die Frage der Sicherheit, die seit jeher eine Glaubensfrage pro beziehungsweise kontra Atomkraftwerke ist, spaltete auch in diesem Fall die Stimmenden», heisst es in der Studie. Sie habe den Entscheid stark geprägt.

Atomausstieg machbar

64 Prozent der Befragten hielten den Atomausstieg für machbar. Allerdings waren im Ja-Lager 86 Prozent dieser Meinung, im Nein-Lager aber nur 45 Prozent.

Dem Argument der Befürworter, ein verbindliches Ausstiegsdatum schaffe die Grundlage für Investitionen in erneuerbare Energien, stimmten dagegen sowohl 77 Prozent aller Befragten als auch 66 Prozent der Nein-Stimmenden zu.

Die Bevölkerung ist «mehrheitlich der Meinung, dass es Alternativen zur Atomenergie gäbe, was stimmig ist mit der Einstellung, dass eine Mehrheit eine Schweiz ohne Atomenergie befürwortet», schliessen die Autoren.

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Frauen zögerten

Das forsche Tempo, das die Initiative vorgab, scheint vor allem Frauen verunsichert zu haben, weshalb mehr als sonst den Urnen ferngeblieben waren: Während 51 Prozent der Männer an der Abstimmung zum Atomausstieg teilnahmen, lag die Beteiligung der Frauen bei nur 40 Prozent.

Auffallend viele abstinente Frauen gaben an, sie seien zu Hause geblieben, weil sie sich nicht hatten entscheiden können, oder weil das Thema zu kompliziert gewesen sei.

Auch die Jungen brachte die Initiative nicht an die Urne: Während die Stimmbeteiligung bei den 18- bis 29-Jährigen bei nur 31 Prozent lag, gingen 57 Prozent der über 69-Jährigen zur Abstimmung.

Fazit: Den Grünen und Linken war es nicht gelungen, die Frauen in genügendem Masse zu überzeugen und die Jungen in grossem Stil zu mobilisieren.

VOX-Nachfolger

Die repräsentative VOTO-Umfrage wurde innerhalb von drei Wochen nach der Volksabstimmung vom Befragungsinstitut LINK durchgeführt. Die Studie erstellt hat die Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften FORS in Lausanne in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Demokratie Aarau. Die VOTO-Studien lösten im letzten November VOX-Analysen ab. (whr/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • koalabear 19.01.2017 16:24
    Highlight Highlight Ich habe die Vorlage auch abgelehnt. Es gab einfach zu viele Ungereimtheiten. Erneuerbare Energien, allen voran die Wasserkraft werden zu wenig gefördert. Ebenso finde ich es verlogen unsere AKWs abzustellen und dann Strom zu importieren, der aus anderen AKWs kommt oder aus fossilen Stoffen gewonnen wird
  • Walter F. Sobchak 19.01.2017 13:24
    Highlight Highlight Jaja so Umfragen sind schon ziemlich vertrauenserweckend..
    • Stoupe 19.01.2017 14:02
      Highlight Highlight Bei 1578 Befragten Stimmbürgern ist dies aber keind gewagte Prognose ;)
  • Pathfinder 19.01.2017 12:43
    Highlight Highlight .... und warum stimmen denn die 3 von 4 Stimmbürgern nicht entsprechend wenn es um diese Entscheidung geht?
    • 7immi 19.01.2017 14:41
      Highlight Highlight Weil es nicht um diese entscheidung ging, sondern um einen total überstürzten zeitplan. Alleine dieses jahr wären 3 abgeschaltet worden, während die infrastruktur noch nicht bereit ist. Das war bei mir-und gemäss artikel auch bei vielen anderen- der grund fürs nein. Die initiative war ein aus praktischer und technischer sicht nicht durchdachte, populistische initiative. Solche gravierende veränderungen müssen geplant und sorgfältig erfolgen.
  • Tom B. 19.01.2017 11:37
    Highlight Highlight Bandenergie? Woher nehmen bei Nebel&Windstille im Mittelland von Oktober bis Februar?
    Alle Subventionen der erneuerbaren Energien sind zu streichen. Dann wird sich weisen, was sich am "Markt" hält und was nicht.
    • Lowend 19.01.2017 12:49
      Highlight Highlight Voll einverstanden, wenn die AKW Betreiber zuerst die Milliarden, die über 50 Jahre in die Erforschung der Atomkraft flossen zurückzahlen und dann ihre AKW's genau gleich versichern, wie dass jede Firma tun muss.
      Im Moment sind diese Beträge lächerlich gering und wenn einer dieser Meiler in die Luft fliegt, zahlt die Allgemeinheit den entstandenen Schaden.
      Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann man ruhig die Subventionen für erneuerbare Energien streichen, weil dann der Atomstrom so teuer wäre, dass jede Form der Stromerzeugung billiger wäre, als der hochsubventionierte Atomstrom!
    • Tilman Fliegel 19.01.2017 12:57
      Highlight Highlight Ja dann streichen wir der Atomkraft aber auch die Subventionen. Mal abgesehen davon, das Geld nicht immer das einzige Kriterium sein kann. Ausserdem haben wir Pumpspeicherkraftwerke , die kann man auch mit erneuerbarer Energie betreiben.
    • fcsg 19.01.2017 13:13
      Highlight Highlight Welcher Markt denn? Es gibt gar keinen. AKW werden auch massivst subventioniert bei der Versicherung, bei der Entsorgung, bei der Risikotragung etc. Woher die Bandenergie kommt? Aus Pumpspeicherkraftwerken, welche in der CH zur genüge zur Verfügung stehen. Andere Speichermethoden zur langfristigen Speicherung über den Winter sind bald marktreif z.B. die Speicherung durch Wasserstoff oder Power-to-Gas.

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