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Alkohol

Stadtzürcher SP soll auf Gratis-Alkohol verzichten

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Das Blaue Kreuz ist eine im Jahr 1877 gegründete Suchthilfe-Organisation.Bild: APA/APA

Stadtzürcher SP soll auf Gratis-Alkohol verzichten

08.07.2026, 16:0608.07.2026, 16:06

Die SP Stadt Zürich berät am Donnerstag über ein Verbot von Gratis-Alkohol an Versammlungen. Bürgerliche Parteien können mit dem Vorstoss nichts anfangen. Die Suchthilfe-Organisation Blaues Kreuz spricht hingegen von einer wichtigen Debatte.

Den Antrag gegen Gratis-Alkohol brachte Benjamin Kobelt von der Kreispartei 9 ein. Wie der «Tages-Anzeiger» kürzlich berichtete, konnte er seine Kreispartei bereits vom Verbot überzeugen. Dabei fordert der Politiker mit Suchtvergangenheit kein komplettes Verbot von Alkohol – der Verkauf von Bier und Wein zur Deckung der Veranstaltungskosten geht für ihn in Ordnung.

Es ist ein Kompromiss. Wie Kobelt in seinem Antrag ausführt, ist der Kauf eine zusätzliche Hemmschwelle für trockene Alkoholiker. Das sieht auch das Blaue Kreuz so. «Herr Kobelt hat eine wichtige Debatte begonnen», schreibt Mediensprecher Martin Bienlein auf Anfrage von Keystone-SDA. Der Antrag lasse über die Probleme des Alkohols und über dessen dauernde Präsenz und Verfügbarkeit nachdenken.

SVP Praesident Marco Chiesa, Mitte, spricht mit Nationalrat Gregor Rutz, links, an der Albisguetli-Tagung der SVP, am Freitag, 20. Januar 2023 in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
An der jährlichen Tagung der SVP auf dem Albisgütli wird Alkohol getrunken.Bild: KEYSTONE

Ähnlich wie der Antragssteller argumentiert auch das Blaue Kreuz mit dem Selbstschutz für Alkoholiker. «Viele Menschen mit einer früheren oder bestehenden Alkoholabhängigkeit vermeiden Orte und Veranstaltungen, an denen Alkohol angeboten wird. Dies, damit sie nicht getriggert werden», schreibt Bienlein. Orte und Veranstaltungen ohne Alkohol seien für sie wichtig.

«Keine grösseren Sorgen»

Gar nichts halten hingegen die Präsidenten der bürgerlichen Parteien von dem Antrag. «Schön, dass die SP keine grösseren Sorgen hat», antwortet FDP-Präsident Filippo Leutenegger knapp auf Anfrage. SVP-Präsident Domenik Ledergerber (SVP) schreibt, dass ein solches Anliegen bei seiner Partei kein Thema sei. «Wir setzen auf Eigenverantwortung statt Bevormundung. Erwachsene Menschen können selber entscheiden, ob sie Alkohol konsumieren möchten oder nicht», so Ledergerber. Ein generelles Verbot sei unnötig.

Auch einen Seitenhieb an die SP liefert Ledergerber: «Während die SP offenbar damit beschäftigt ist, ihren Mitgliedern vorzuschreiben, was sie an Parteiversammlungen trinken dürfen, konzentrieren wir uns auf die Sorgen unserer Schweizer Bürger und die politischen Herausforderungen in der Schweiz.»

Filippo Leutenegger, FDP, bespricht die Resultate zu den politischen Abstimmungen, am Sonntag, den 14. Juni 2026 im Konferenzzentrum Walcheturm in Zuerich. (KEYSTONE/Christian Merz)
FDP-Mann Filippo Leutenegger.Bild: keystone

Die Mitte zeigt sich skeptisch. Kantonalpräsidentin Tina Deplazes sagt: «Ein generelles Verbot halte ich nicht für den richtigen Weg.» Parteianlässe sollten Orte des respektvollen Austauschs sein, so Deplazes. Wer Alkohol trinken möchte, soll dies in einem angemessenen Rahmen tun können – und wer darauf verzichte, soll genauso selbstverständlich dazugehören.

«Alkohol gehört in unserer Kultur für viele Menschen dazu, aber er sollte nie im Mittelpunkt stehen. Mir ist wichtig, dass immer alkoholfreie Alternativen angeboten werden und dass verantwortungsvoll mit Alkohol umgegangen wird», sagt die Präsidentin der Mitte.

Geschäftsleitung will Arbeitsgruppe

Ob der Antrag durchkommt, ist übrigens offen. Die Geschäftsleitung der SP Stadt Zürich stellt einen Gegenantrag. Sie will eine Arbeitsgruppe einsetzen, die Parteianlässe inklusiver gestalten soll. Den Antrag, sofort Gratis-Alkohol abzuschaffen, lehnt sie ab.

In der Begründung zeigt die Geschäftsleitung Verständnis für den Antrag. «SP-Veranstaltungen sollen für alle Mitglieder zugänglich sein, einen Raum bilden, in welchem sich alle wohl fühlen», heisst es.

ARCHIV - 12.05.2016, Brandenburg, Sieversdorf: ILLUSTRATION - Ein Glas mit alkoholfreiem Wei�bier steht auf einem Tisch. (zu dpa "Alkoholfreies Bier l�uft: Produktion fast verdoppelt") Foto: ...
Die beliebte Alternative zu Wasser und Orangensaft: Alkoholfreies Bier.Bild: DPA zb

Doch: «Die Geschäftsleitung der SP Stadt Zürich ist der Meinung, dass die Thematik der Inklusion mit einer umfassenden und tiefgreifenden Auseinandersetzung behandelt und ganzheitlich betrachtet werden muss. Dementsprechend erachtet sie ein pauschales Verbot von zur Verfügung gestellten oder verkauften Getränken an Parteiveranstaltungen als den falschen Weg.»

Es müsse darum gehen, die Situation grundlegend zu betrachten, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und die SP im Umgang mit Inklusion vorwärts zu bringen, schreibt die Geschäftsleitung.

Kein normales Konsumgut

Es mache keinen Sinn, überall Alkohol anzubieten, findet der Mediensprecher des Blauen Kreuzes. Die Organisation setze sich aber nicht für ein allgemeines Alkoholverbot ein. «Weniger ist besser», sei die Empfehlung. Er erinnert aber auch daran, dass «Alkohol kein normales Konsumgut» sei.

Und er gibt Empfehlungen für genussvollen Konsum von alkoholfreien Getränken ab: «Es muss nicht Orangensaft und Wasser sein. Es gibt genügend alkoholfreie Alternativen wie alkoholfreies Bier oder fermentierte Getränke, die keinen Alkohol enthalten, etwa Kombucha oder Sparkling Tea. Der Markt von alkoholfreien fermentierten Getränken ist in den letzten Jahren explodiert.» (sda)

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Die beliebtesten Kommentare
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Roli_G
08.07.2026 16:20registriert Januar 2021
Versteht jemand was jetzt genau die Forderung ist? Versammlung kann vieles bedeuten. Kein Alk an politischen Partei-Versammlungen könnte nicht schaden - manchmal hat man schon das Gefühl, dass unsere Politiker besoffen waren beim Entscheiden.

im übrigen: Herren Leutenegger und Ledergerber - wie sieht es denn aus mit einem kleinen Jointchen an der Versammlung? Eigenverantwortung oder Verbot? Die Antwort dürfte klar beim Verbot liegen - Leute die von Freiheit schwärmen meinen nie die Freiheit der anderen, nur die eigene Freiheit.
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Karl33
08.07.2026 16:26registriert April 2015
Es gibt nichts "gratis".
Gratis heisst einfach, jemand anderes hats bezahlt.
Gerade die SP sollte das wissen.
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