Verhandlungen mit Deutschland zu Patriot gescheitert – jetzt steigen die Kosten
Die Lieferung von Patriot-Luftabwehrsystemen an die Schweiz verzögert sich laut dem Schweizer Radio und Fernsehen weiter. «Die mit Deutschland geprüfte Lösungen werden nicht weiterverfolgt», bestätigte ein Sprecher des Bundesamts für Rüstung (Armasuisse) gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Die USA wollen Deutschland Patriot-Systeme ausliefern, die ursprünglich für die Schweiz vorgesehen waren. Das hatte Rüstungschef Urs Loher Ende Juni zur «NZZ am Sonntag» gesagt. Da die Systeme ihm zufolge nicht der Wunschkonfiguration der Bundeswehr entsprechen, hatte die Schweiz gehofft, möglicherweise Komponenten zu erhalten. Daraus wird nun nichts.
Deutschland habe sich für eine schnelle Lieferung entschieden. «Sie wollen die Systeme, die sie an die Ukraine abgegeben haben, raschmöglichst aufgefüllt haben, damit Deutschland geschützt ist», sagte Loher am Freitag im Schweizer Radio und Fernsehen. Damit stünden die mit der Schweiz besprochenen Alternativen nicht mehr zur Verfügung, so der Armasuisse-Sprecher gegenüber Keystone-SDA.
Als Folge der Verzögerung steigen auch die Kosten. Die bisherigen Schätzungen der Mehrkosten würden sich je nach Variante in einer Grössenordnung von rund 1,7 bis 4,3 Milliarden Franken bewegen. «Es handelt es sich um zusätzliche Kosten für die Patriot-Beschaffung, was nahezu zu einer Verdoppelung respektive Verdreifachung der Gesamtkosten führen könnte», so die Auskunft von Armasuisse.
Liefertermin bis 2032
Das Bundesamt erachtet einen neuen Liefertermin des Abwehrsystems bis 2032 als realistisch. Währenddessen würden die im Sommer wieder aufgenommenen Zahlungen an die USA weitergeführt.
Neben Patriot will der Bund ein weiteres Abwehrsystem mit grosser Reichweite erwerben. Entsprechende Verhandlungen mit Herstellern aus Frankreich, Israel und Südkorea sind am Laufen. Die erhaltenen Unterlagen seien ausgewertet worden, heisst es auf Anfrage.
Die Beschaffung eines zweiten Systems sei aber eine politische Entscheidung und werde durch die fallengelassene Deutschland-Option nicht tangiert, so der Armasuisse-Sprecher. Sie unterstreiche die Dringlichkeit der Beschaffung, um die Schweiz raschmöglichst gegen Angriffe aus Distanz zu schützen. (sda)
