Schweiz
Armee

Armee-Chef soll wegen seines Charmes gewählt worden sein

Der Bundesrat ernennt den obersten Cyberkrieger zum Chef der Armee. Bevor Thomas Süssli Chef der Führungsunterstützungsbasis wurde, war er als Informatiker und Bankmanager tätig.
Soll mit seinem Charme alle um den Finger wickeln: Der neue Armee-Chef Thomas Süssli. Bild: KEYSTONE

Thomas ist so Süss(li)😍 – Offiziere überzeugt: «Er wurde wegen seines Charmes gewählt»

Hohe Offiziere fielen aus allen Wolken, als Quereinsteiger Thomas Süssli zum neuen Armeechef gekürt wurde. Jetzt führen sie die Wahl des Aussenseiters auf dessen unwiderstehlichen Charme zurück.
16.09.2019, 22:2216.09.2019, 22:52
Henry Habegger / ch media

Es galt als ausgemacht. Der Fall war klar. Claude Meier, Divisionär, drahtig und verdient, Chef des Armeestabs, würde Nachfolger von Philippe Rebord, dem abtretenden Chef der Armee.

Aber weil Offiziere aber auch das Undenkbare denken, existierte in ihren Köpfen ein Plan B. Dieser lautete: Sollte Meier es wider Erwarten nicht werden, dann sicher Hans-Peter Walser, Divisionär, Kommandant der Territorialdivision 2.

«Wir waren uns sicher, dass es einer von diesen zwei wird.»
Ein wichtiger Offizier zur Wahl des neuen Armeechefs.

Doch dann passierte weder das Erwartete noch das Undenkbare, es passierte das nie Gedachte. Als die neue Verteidigungsministerin Viola Amherd Anfang September vor den Medien den neuen Armeechef vorstellte, sass neben ihr einer, den die Offiziere und Generäle nicht auf der Rechnung hatten. Thomas Süssli, 52, Divisionär, Chef der Führungsunterstützungsbasis, der erst seit 2015 Berufsoffizier ist und vorher vorwiegend für Banken tätig war.

Das ist der neue Chef der Schweizer Armee: Thomas Süssli im Interview

Video: © sda-Video

Der Schock war gross, doch man bemühte sich um Haltung und gute Miene. Aber es nagten Fragen, in gewisser Weise existenzielle Fragen: Wie konnte das kommen? Wie konnten die Platzhirsche derart überrumpelt werden? Wo war ihr Einfluss geblieben?

Süsslis Wirkung auf Frauen

In den Köpfen von massgebenden Offizieren hat sich mittlerweile eine Vermutung zur Gewissheit verdichtet. Einer sagt, wobei er nicht zitiert werden will: Thomas Süssli komme «bei Frauen gut an». Der Quereinsteiger, der von den Banken kam, könne gut und schön reden. Besser und schöner als manch ein altgedienter, knorriger Berufsoffizier, gross geworden mit Kasernenton. Dank «seiner Wirkung auf das weibliche Geschlecht» habe «dieser Aussenseiter» den entscheidenden Vorsprung herausgeholt, vermutet man.

«Süssli kann schön und gut reden»
Offizier der Armee, der jedoch nicht zitiert werden will

Beispielsweise in der Findungskommission, sagt einer. Drei Männer sassen in dieser Kommission, aber auch zwei Frauen: die ehemalige freisinnige Nationalrätin Gabi Huber sowie die Grüne Waadtländer Staatsrätin Béatrice Métraux. «Im VBS sind sie überzeugt, dass Süssli bei den Frauen seinen Charme spielen liess», berichtet ein Kenner der Armee-Innereien, der als Lobbyist mit den Leuten vertraut ist.

Thomas Suessli, neuer Chef der Armee, spricht waehrend einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 4. September 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Die Schweiz im Rücken...und den Schalk im Nacken? Armee-Chef Thomas Süssli.Bild: KEYSTONE
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Aber nicht nur die Findungskommission habe der smarte Divisionär und ehemalige Banker im Sturm erobert, sondern danach auch die Departementsspitze. Nicht nur Bundesrätin Viola Amherd sei mutmasslich Süsslis Charme erlegen, mutmassen Offiziere, sondern auch ihre engste Beraterin Brigitte Hauser-Süess. «Er hat alle um den Finger gewickelt», lautet die im Brustton der Überzeugung vorgetragene Diagnose eines Offiziers.

Das VBS schweigt

Der neue Armeechef, Charmebolzen und Frauenversteher? Beim VBS mag sich offiziell niemand zur These der hohen Soldaten äussern, man hält sie für völlig abwegig. Süssli, so ist zu hören, habe nicht nur bei den Frauen in der Findungskommission gepunktet, sondern auch bei Männern, die in der Mehrzahl waren. Er habe schlicht und einfach das beste Assessment, die überzeugendste Vorstellung abgeliefert.

Aber zweifellos ging es der Bundesrätin auch darum, alten Seilschaften, die traditionell den Armeechef stellen und sich auch dieses Mal wieder sicher waren, zu zeigen, wer das Sagen hat.

Bundesraetin Viola Amherd, rechts, und der neue Chef der Armee, Thomas Suessli, am Beginn einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 4. September 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Knistert da was? Süssli mit Bundesrätin Viola Amherd, Vorsteherin des Verteidigungsdepartements. Bild: KEYSTONE

Frischer Wind dank Amherd

Jetzt bangen Platzhirsche um ihren Einfluss. Sie müssen erst mal damit klar kommen, dass eine Frau am Ruder sitzt, und dass diese Frau etwas bewegen will. Und seit Viola Amherd das Departement übernommen hat, ist Verschiedenes nicht mehr wie früher. So dürfen Offiziere nicht mehr an Buffets und Apéros von Kampfjetfirmen teilnehmen, die der Schweiz ihre Vehikel verkaufen wollen.

Und eben erst nahm Amherd sich die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) zur Brust, weil diese sich ihren kommenden Kampfjet-Abstimmungskampf von Herstellerfirmen mitfinanzieren lassen wollte. Solche Aktionen gefährdeten ein Volks-Ja zu Kampfjets, gab die Ministerin den Offizieren streng zu verstehen.

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