Pfister über Ruag-Bericht: «Es ist unglaublich, was hier geschehen ist»
Der bundeseigene Rüstungsbetrieb Ruag MRO hat geschäftliche Ungereimtheiten untersuchen lassen. Im dazu veröffentlichten Bericht werden diverse strafrechtlich relevante Vorfälle publik – eine Übersicht.
Was ist passiert?
Die Ruag MRO hat am Freitag den in ihrem Auftrag von der Anwaltskanzlei Niederer Kraft Frey erstellten Untersuchungsbericht veröffentlicht. Darin kommen happige Vorwürfe zum Vorschein.
Die Rede ist von teilweise schwerwiegenden Compliance-Verstössen und strukturellen Kontrollschwächen und einer «Business-First»-Kultur. Kontrollen seien missachtet worden, und Whistleblower-Hinweisen sei nicht ausreichend nachgegangen worden.
Gemäss der Untersuchung könnten etwa von nicht zugelassenen Herstellern produzierte Teile in Leopard-2-Panzer der Schweizer Armee oder in Ruag-Werkstätten Werkhallen gelangt sein. Das VBS liess deshalb alle Ersatzteile sperren, die von nicht zugelassenen Herstellern stammen könnten. Ebenso wurde die Einsatzfähigkeit der Panzer sichergestellt.
Wie reagiert die Ruag?
Nach dem Bekanntwerden der Vorfälle sind bereits mehrere Strafanzeigen eingereicht worden. Dies unter anderem wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Verletzung des Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnisses. Die Verfahren seien mehrfach ergänzt worden, hiess es.
Zudem fordert Ruag MRO von zehn Personen Schadenersatz in Höhe von insgesamt 51 Millionen Euro, plus Zinsen. Durch den Weiterverkauf von niederländischen Panzerteilen unter Marktwert entstand ihr gemäss Bericht ein finanzieller Schaden von 46,9 Millionen Euro. Hinzu kommen 4 Millionen Euro Verlust durch den Verkauf von 22 Panzergetrieben an Firmen aus dem Umfeld eines Mitarbeiters.
Verantwortlichkeitsklagen gegen frühere Ruag-Organe, zum Beispiel den Verwaltungsrat, seien aufgrund der aktuell vorliegenden Erkenntnisse nicht geplant, heisst es im Bericht. Dass sich das aufgrund der Erkenntnisse aus den laufenden Straf- und Zivilverfahren noch ändert, wird aber nicht ausgeschlossen.
Um welche Geschäfte geht es?
Die untersuchten Geschäfte gingen teilweise in die Zeit vor der Entflechtung der Ruag in eine Rüstungssparte (Ruag MRO) und eine Technologiesparte (Ruag International) 2020 zurück. Das schreibt Verwaltungsratspräsident Jürg Rötheli in seiner im Bericht enthaltenen Stellungnahme.
Die danach neu konstituierte Ruag MRO habe wesentliche Konzernfunktionen wie Governance, Risikomanagement und Compliance neu aufbauen müssen. Problematische Geschäftsbeziehungen und involvierte Mitarbeitende und die Unternehmenskultur des früheren Ruag-Konzerns seien auf «noch wenig ausgereifte Prozesse» getroffen.
Was sagt der Bundesrat dazu?
Verteidigungsminister Martin Pfister verurteilt die ans Licht gebrachten Verfehlungen bei der Ruag MRO gemäss einer Mitteilung aufs Schärfste. Die Vorkommnisse seien nicht akzeptabel und schadeten dem Vertrauen der Öffentlichkeit in das Unternehmen, das für die Stärkung der Schweizer Verteidigungsfähigkeit eine wichtige Rolle spiele.
Pfister will über die Abklärungen der Justiz hinaus Verantwortlichkeiten klären. Eine von seinem Departement eingesetzte Arbeitsgruppe soll den Untersuchungsbericht deshalb vertieft auswerten.
Es geht um die Klärung der Verantwortlichkeiten bei der Ruag und ebenso um die Rolle des Bundes als Eigner des Unternehmens, dessen Hauptkundin die Schweizer Armee ist. Zudem lässt das VBS prüfen, ob die von der Ruag selber ergriffenen Massnahmen ausreichen. Falls nötig, will es selbst eingreifen.
Der Bundesrat will die Ruag MRO zudem in eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft umwandeln. Die Vorlage dazu liegt beim Parlament, wird aber auf Antrag des VBS erst beraten, wenn die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe in zwei bis drei Monaten vorliegen. Falls erforderlich, könnte die Vorlage noch angepasst werden.
Wie geht es weiter?
Bis auf ein erstinstanzliches Urteil gegen einen ehemaligen Ruag-Mitarbeiter wegen Vorteilsgewährung in Deutschland sind die Strafverfahren noch hängig. Dass diese Verurteilung noch nicht rechtskräftig ist, liegt an der Berufung der zuständigen Staatsanwaltschaft gegen das Urteil.
Die im Bericht festgestellten Verstösse gegen die Compliance und Kontrollschwächen anerkenne der Verwaltungsrat von Ruag MRO ohne Vorbehalt, schreibt Rötheli. Aufgrund der Untersuchung seien umfassende Massnahmen beschlossen worden. Diese seien in Umsetzung.
Das war die Pressekonferenz
Die Medienkonferenz ist beendet
Wann kann das Vertrauen wiederhergestellt werden?
In diesem Fall sei es Ausdruck von Bemühungen, Transparenz herzustellen und kulturelle sowie strukturelle Verbesserungen zu erreichen. «Es ist unglaublich, was hier geschehen ist.» Auf der anderen Seite müsse man aufzeigen, dass das nicht mehr möglich sei. Es sei damit auch eine «Chance».
Er könne nicht sagen, wann und ob das Vertrauen wiederhergestellt werden könne. «Sie spüren, ich bin auch enttäuscht über das, was vorfällt, und gleichzeitig entschlossen, möglichst alles zu tun, damit das Vertrauen trotzdem hergestellt ist», sagt Pfister.
Ist es denkbar, dass man die Ruag ganz auflöst?
Könnte der Skandal die Armee-Finanzierung gefährden?
Totalrevision des Bundesgesetzes über Rüstungsunternehmen wird aufgeschoben
Bleibt Pfister VBS-Chef?
Die Fragerunde zum Ruag-Bericht beginnt
Pfister stimmt zu, dass es «sehr viel kriminelle Energie bei einzelnen Mitarbeiter» gegeben habe. Das sei unentschuldbar. Kriminelle Energie werde es generell weiterhin geben, aber man müsse alles unternehmen, dass sie nicht zu diesen Schäden und diesen Vorkommnissen führen kann. Auch die eigene Rolle werde untersucht.
Ergebnisse der Arbeitsgruppe in 2 bis 3 Monaten
Pfister: Ruag-Führung soll Massnahmen schnell umsetzen
Er verlangt von der Ruag, dass die Führung die getroffenen Massnahmen schnellstmöglichst umsetzt.
Pfister bedauert, dass Vertrauen verloren geht
Nun geht es um die Untersuchung bei der Ruag
Wann kommt Munition?
Unklarheiten bezüglich restlichen Systemen
Fragerunde zu Patriot-Systemen
Patriot-Systeme: Direkte Beschaffung beim Hersteller
Angesichts der Verzögerungen habe das VBS auf verschiedenen Ebenen das Gespräch mit den USA gesucht. Das Ziel war es, Möglichkeiten auszuloten, damit die Schweiz zumindest einen Teil der Systeme gemäss dem ursprünglichen Zeitplan bekommt.
Die Medienkonferenz beginnt
Ruag MRO kommuniziert Untersuchungs-Ergebnisse
Zunächst wird die Ruag die Ergebnisse der Untersuchung kommunizieren. Im Anschluss daran wird Bundesrat Martin Pfister darüber informieren, welche Massnahmen seitens Bund er eingeleitet hat.
