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Freispruch im Vergewaltigungsvorwurf in Basel: Prostituierte wollte nicht reden

Ein Mann soll eine Frau vergewaltigt haben. Er wird aber freigesprochen. Denn der Vergewaltigungsvorwurf gegen ihn konnte nicht mehr geklärt werden.

Patrick Rudin / ch media



Archivbild vom 11. Maerz 2008 zeigt eine Prostituierte im Bordell 'Luxor' in Hamburg St. Pauli. Nach 60 Jahren muss das aelteste Hamburger Bordell schliessen. Das

Der Mann konnte anhand eines Fingerabdrucks auf einem Bierglas ausfindig gemacht werden. Bild: AP

Fast sieben Jahre nach dem Vorfall erhielt ein 42-jähriger Mann diese Woche vor dem Basler Strafgericht einen Freispruch: Die Beweise reichten nach Ansicht der drei Richter nicht aus für einen Schuldspruch wegen Vergewaltigung.

Der Vorwurf datiert vom Silvesterabend 2012: Der heute 42-Jährige ging in der Basler Markgräflerstrasse in einen Sexclub und landete nach einem Vorgeplänkel mit einer Prostituierten im Zimmer. Ob er vorher danach gefragt hatte, ob auch Sex ohne Kondom drinliege, blieb unklar. Die Prostituierte sowie ihre Chefin erzählten dies so, er hingegen sprach von einem Missverständnis. Abgemacht waren laut ihm ungeschützter Oralverkehr sowie geschützter Geschlechtsverkehr, dafür zahlte er 100 Franken. Als der Mann wieder weg war, berichtete die sichtlich aufgelöste Frau allerdings ihrer Chefin, der Mann habe sie mit Gewalt zu ungeschütztem Sex gezwungen.

Nur wegen Fingerabdruck auf Bierglas vor Gericht

Die Polizei konnte damals den Fingerabdruck des Mannes von einem Bierglas kratzen, doch die Fahndung blieb vorerst erfolglos. Erstaunlicherweise gab es bei einem erneuten Suchlauf im März 2018 einen Treffer: Der Fingerabdruck des 42-Jährigen war wegen einer Schlägerei im Jahr 1998 noch im System. «Ohne diesen Treffer hätte man gar kein Strafverfahren gegen meinen Mandanten eröffnen können», kritisierte Verteidiger Steven Hürlimann diese Woche. «Die Daten hätten längst gelöscht werden müssen.» Das sah nicht nur die Staatsanwaltschaft, sondern auch das Gericht anders. Tatsächlich sieht die Verordnung über die Bearbeitung biometrischer Daten kürzere Löschungsfristen vor. Sie ist aber erst seit 2014 in Kraft. Was vorher gespeichert wurde, wird nur auf expliziten Antrag der betroffenen Personen gelöscht. Der Mann gab indes zu, an jenem Silvesterabend im Club gewesen zu sein.

Für einen Schuldspruch reichten die Anschuldigungen aber nicht. Bereits im Mai 2019 wurde die Verhandlung vorläufig ausgestellt, weil auch das Opfer nicht vor Gericht aussagen wollte oder konnte. Diese Woche nun betonte Gerichtspräsidentin Marcia Stucki, es lägen drei Arztberichte über einen längeren Zeitraum vor, wonach die Frau nicht vernehmungsfähig sei.

Aussagen des Opfers waren nicht verwertbar

Die Frau hatte sich auch geweigert, an einer indirekten Konfrontation teilzunehmen, bei der der Angeklagte im Nebenzimmer warten müsste und lediglich sein Verteidiger Fragen stellen dürfte. Ohne eine solche Konfrontation sind aber die Aussagen des Opfers nicht verwertbar, da sie die eigentlichen Hauptbeweise im gesamten Verfahren wären. Damit blieb für einen Schuldspruch nichts mehr übrig.

Der Verteidiger betonte diese Woche mehrmals, die Prostituierte habe widersprüchliche Angaben zum Ablauf der Tat gemacht. Doch auch Staatsanwältin Alexandra Frank wies auf unglaubhafte Aussagen des Angeklagten hin und hatte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten für den Mann gefordert. «Er hat den Sex mit Gewalt erzwungen», so Frank. «Die langfristigen Folgen für das Opfer waren verheerend.» Sie kann den Freispruch noch weiterziehen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • HugiHans 27.11.2019 18:34
    Highlight Highlight Täterschutz oder im Zweifel für den Angeklagten? Schwierige Frage, sicher ist nur das Opfer hat sowieso verloren bei der aktuellen Rechtslage ... und das ist nicht korrekt.
    • Henzo 28.11.2019 01:58
      Highlight Highlight Jetzt ist die Frage, wer das Opfer ist. Für uns nicht zu erkennen. Wenn man unschuldig angeklagt wird und mit einem mlglichen Leben im Gefängnis konfrontiert ist, von der Polizei abgeführt wird, Termine wahrnehmen muss, etc. ...selbst wenn am Ende der Freispruch kommt, muss das Leben die Hölle sein ...die Ungewissheit ob man im Knast landet oder nicht ...evtl. noch Untersuchungshaft, so dass man die Vorkommnisse auch auf der Arbeit schildern muss und darauf hoffen muss, dass man nicht entlassen wird ....stell ich mir ganz schön krass vor.
    • HugiHans 28.11.2019 07:03
      Highlight Highlight @Henzo
      Interessant, dass du dich in deiner Aussage auch nur auf den mutmasslichen Täter beziehst. Das Leben des mutmasslichen Opfers ist ebenfalls die Hölle, und dass ist egal?
      Sorry, hier ist klar das diese Person vor Ort war und etwas traumatisches Vorgefallen ist.
      Und unser Rechtsystem verlangt eine direkte Konfrontation für die Beweiskette?
      Das meine ich mit Täterschutz. Die ertragbare Schwelle für die Opfer ist viel zu hoch!
    • Henzo 28.11.2019 07:46
      Highlight Highlight Die fälschliche Freisprechung des Täters oder die fälschliche Verurteilung einer Person die nichts getan hat? Ich persönlich glaube, dass die Genugtuung aus einem Schuldspruch weniger gross ist als das Leid bei einer fälschlichen Verurteilung. Ich nehme den Mann nicht in Schutz, ermahne aber zur Objektivität. Wir wissen nicht, was vorgefallen war. Ein Gerichtsgang ist nie einfach ...für keinen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Asmodeus 27.11.2019 17:13
    Highlight Highlight Eine Vergewaltigung ist ein traumatisches Erlebnis. Sich dann Jahre später von einem Anwalt auseinander nehmen zu lassen, alle Erfahrungen wieder durchleben und am Schluss wird der Täter eh freigesprochen...

    Wundert mich nicht, daß sie dazu nicht fähig ist.
    Ich wäre es auch nicht.

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