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Das Kollektiv besetzte die Häuserzeile Hardstrasse 112 bis 116, die seit Jahren leer steht. bild: Google Maps

Speed-Besetzung in Basel: Aktivisten rücken nach wenigen Stunden im Gellert schon wieder ab

Ein «Kollektiv» von «kulturell aktiven Personen» besetzte gestern drei Häuser im Gellert. Bereits nach wenigen Stunden mussten sie wieder abziehen.

Nicolas Drechsler / bz



Sie nennen sich «Familie Falke». Und sie wollten in den Häusern Hardstrasse 112, 114 und 116 ihr Ziel verwirklichen, «zusammen zu leben und zu arbeiten». Doch sie haben die Liegenschaften nicht gemietet, sondern gestern Morgen besetzt. Damit wollen sie so einiges erreichen, schenkt man der Medienmitteilung Glauben, die sie verschickt haben. Die «Familie Falke» wolle damit gegen die Aufwertung der Stadt protestieren, gegen die «Verdrängung» der Jungen sowie der Alternativen an den Stadtrand und in die Vororte. Die «Familie» ist gemäss eigener Aussage «eine Gruppe von jungen Erwachsenen zwischen 20 und 30 Jahren, bestehend aus «Künstlern, Musikern und Handwerkern».

Polizeieinsatz ohne Zwang

Doch die kollektive Idylle währte nicht lange. Die Polizei rückte an, forderte die Besetzer zum Abzug auf und setzte ihnen eine Frist von 15 Minuten, um das Haus zu verlassen. An diese Frist hielten sich die Besetzer und zogen von dannen. Die Polizei habe «aus taktischen Gründen» keine Personenkontrollen vorgenommen. Wer die Besetzer im Einzelnen genau sind, entzieht sich also ihrer Kenntnis. Die Besetzer wollten nach eigenen Angaben an der Hardstrasse «ihr Lebensmodell verwirklichen».

Dass die Häuser schon länger leer standen und dies auch vom Quartierverein Gellert bemängelt worden war, nutzten sie als Argument für ihre Straftat. Sie hängen dem Communiqué gar einen Ausschnitt aus der Quartierzeitung an. Dort werde ja «eine Belebung gewünscht». Zuspruch fanden die Besetzer unverzüglich am linken Rand der Sozialdemokratischen Partei: Der ehemalige Chef der Basler Jungsozialisten und SP-Grossratskandidat Beda Baumgartner zeigt Verständnis. Und fordert über den Kurznachrichtendienst Twitter:

Häuser seit längerem ungenutzt

Die angesprochenen Besitzer sind die Spaini Bau AG in Basel und ihr Chef, Benno Büchel-Spaini, persönlich. Büchel ist gemäss Auskunft seines Sekretariats erst Mitte Woche wieder zu erreichen, in der Firma mochte auf Anfrage der «bz» niemand Auskunft geben, wann die Häuser neu genutzt oder abgerissen werden. Allerdings hat Spaini nach Polizeiangaben Strafanzeige eingereicht. Ohne eine solche wird die Polizei bei Besetzungen normalerweise nicht tätig.

Älteren Informationen ist aber zu entnehmen, dass Spaini in den drei Häusern Mietwohnungen errichten wollen. Allerdings würden noch keine genaueren Pläne für die Neunutzung vorliegen. Der Quartierverein hatte sich in seiner Zeitung bereits 2013 Sorgen darüber gemacht, dass hier Liegenschaften ungenutzt herumstehen und langsam aber sicher verlottern würden. Von einer «Verslumung» war die Rede. Die Eingänge zu den Häusern an der Hardstrasse und ums Eck in die Wartenbergstrasse waren immer wieder als Abfalldeponien missbraucht worden.

Die letzte Besetzung, die in Basel für Schlagzeilen gesorgt hatte, war jene der alten Poststelle im St.Johann. Dort war in der Nacht auf den 3. Januar 2016 eine Party ausgeartet. Die Feuerwehr, die anrückte, um ein Feuer auf offener Strasse zu löschen, wurde angegriffen. Danach entspannten sich Scharmützel zwischen der Polizei und den Demonstranten. Dabei kam es zu diversen Sachbeschädigungen. Und im Nachgang folgten Vorwürfe aus der Polizei, der Vorsteher des Sicherheitsdepartements, Baschi Dürr, fahre gegenüber Hausbesitzern eine zu lasche Linie. (bzbasel.ch)

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