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Burnout beim BAG: Corona brachte auch das Kader ans Limit

Die verbreitete psychische Belastung aufgrund der Pandemie hat auch ein wichtiges Kadermitglied beim BAG getroffen. Der Digitalisierungs-Chef konnte nach einer Auszeit seine Arbeit wieder aufnehmen.



Der undankbarste Job der Schweiz: Immer dann, wenn irgendwo eine Krise herrscht, fällt dieser Begriff. So etwa beim Bundesamt für Gesundheit (BAG): Die Behörde im Departement von Bundesrat Alain Berset hatte während der Pandemie einen unvorstellbar schweren Stand.

Dies nicht nur wegen hausgemachten Problemen: Es war auch die föderalistische Planung der Gesundheitspolitik, die den Kantonen viel Verantwortung übergab. Das BAG war in dieser Vorstellung eine Art Schnittstelle, wo übergeordnet koordiniert werden soll – was zwingendermassen zu Reibereien und Problemen während der Pandemie führte.

Pascal Strupler, Direktor BAG, links, und Daniel Koch, Leiter Abteilung uebertragbare Krankheiten, BAG, rechts, sprechen vor einer Medienkonferenz ueber die Situation des neuen Coronavirus (2019-nCoV) im Medienzentrum Bundeshaus in Bern, am Dienstag, 25. Februar 2020. Erster bestaetigter Fall in der Schweiz. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Sie waren zu Beginn der Pandemie die Gesichter des BAG: Der damalige Amtsdirektor Pascal Strupler und Daniel Koch, ehemaliger Leiter der Abteilung «Übertragbare Krankheiten». Bild: KEYSTONE

Die personelle Fluktuation war beachtlich. So verliessen der damalige BAG-Chef Pascal Strupler und der als «Mr. Corona» bekannt gewordene Daniel Koch mitten in der Krise ihre Posten. Beide Abgänge waren schon vor dem Ausbruch der Pandemie angekündigt worden. Kim Sang Il, der im April des «Corona-Jahrs» zum BAG als Digitalisierer dazustiess, blieb jedoch, und erlebte den massiven Druck, dem das BAG tagtäglich ausgesetzt war – mit gesundheitlichen Folgen.

Riesiger Druck wegen Digitalisierung

Wie watson aus informierten Kreisen erfahren hat, erlitt der Kadermitarbeiter im Frühling dieses Jahres ein Burnout. Vier Politikerinnen und Politiker aus der Gesundheits- und der Geschäftsprüfungskommission bestätigen dies, ohne namentlich genannt werden zu wollen. «Der Druck auf ihn war enorm. Das Bundesamt musste riesige Altschulden in der Informatik nachholen, ohne dass entsprechende Entscheidungskompetenzen oder Mittel zentral gesprochen waren», sagt ein informierter Gesundheitspolitiker.

Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation im BAG, spricht waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates ueber die Situation des Coronavirus, am Mittwoch, 24. Juni 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kim Sang Il trat im Sommer 2020 zunehmend in Erscheinung, als das BAG die SwissCovid-App zwecks einfacheren Contact Tracings entwickelte. Bild: keystone

Die Informantinnen und Informanten erzählen, dass sie sich schon länger gewundert hätten, wo Kim sei. «Der BAG-Kader fehlte an einer wichtigen Kommissionssitzung im April, wo es darum ging, das Parlament über die Fortschritte beim Impfzertifikat zu informieren», berichtet ein FDP-Politiker. Das sei zunächst nicht gut angekommen, als noch Unklarheit über den Abwesenheits-Grund herrschte.

Riesige Belastung beim BAG

Anne Levy, Direktorin des Bundesamts fuer Gesundheit (BAG), portraitiert mit Hygienemaske am 19. Oktober 2020 beim BAG in Bern-Liebefeld. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Anne Lévy übernahm im Oktober 2020 «den härtesten Job in Bundesbern». Sie ist Chefin des BAG. Bild: KEYSTONE

«Ich finde es gut, dass er sich die Auszeit genommen hat und der Bund zu seinen Mitarbeitenden schaut. Wir hätten uns aber im Bundeshaus zumindest ein bisschen mehr Transparenz gewünscht, damit solche Fragen nicht aufkommen», sagt ein FDP-Politiker und ergänzt: «Damit hätte der Bund auch signalisiert: ‹Die Krise powert uns alle aus. Es ist nichts Schlimmes, wenn man sich eine Auszeit nehmen muss›. Das hätte der Diskussion über mentale Gesundheit gut getan.»

Dies ist aber ausgerechnet beim Bundesamt für Gesundheit nicht erwünscht. watson führte in den vergangenen Monaten mehrere Hintergrundgespräche mit Mediensprecherinnen und Mediensprechern, wo auch über die Arbeitsbelastung diskutiert wurde.

Der Grundtenor war gleich: Es herrschte eine enorme Belastung – nicht von innen, sondern von aussen. Ein Pressesprecher erklärt: «Geholfen hat uns vor allem die Fehlerkultur und die Tatsache, dass wir den Zweck unserer Arbeit am eigenen Leib und Leben erkennen: Auch bei uns erkrankten Leute, Freunde und Verwandte. Wir verstanden sehr rasch, dass wir uns in einer solchen Phase gegenseitig unterstützen müssen.»

«Wir verstanden sehr rasch, dass wir uns in einer solchen Phase gegenseitig unterstützen müssen.»

Mitarbeiter BAG-Medienstelle

Persönliches wird als Angestellter des Bundes irrelevant

Ein namentliches Zitat wollte aber keine Person geben. Die Gespräche wurden stets «off-the-record», also namentlich unzitierbar, geführt. Nach dem Motto: Wenn man als BAG-Sprecherin oder -Sprecher auftritt, dann spricht man für eine öffentliche Institution. Die eigene Person wird irrelevant.

Das BAG bestätigte in einer kurzen Stellungnahme, dass Kim Sang Il «nach einer krankheitsbedingten Abwesenheit Anfang Mai seine Arbeit wieder aufgenommen» hat. Über weitere Fragen zu Personalthemen wollte sich das Bundesamt nicht äussern.

Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation im BAG, telfoniert am Ene einer Medienkonferenz des Bundesrates ueber die Situation des Coronavirus, am Mittwoch, 24. Juni 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kim Sang Il ist seit Mai wieder im Dienst. Bild: KEYSTONE

Kim wurde ursprünglich von der Post ins BAG geholt, um die Einführung des elektronischen Patientendossiers zu forcieren. Das Mammutprojekt kam in den Jahren zuvor schleppend voran.

Als die Pandemie ausbrach, wurde der Leiter der Abteilung zur digitalen Transformation beim BAG zuständig für den Aufbau der SwissCovid-App.

Gleichzeitig wurde etwa die Meldung und Bereitstellung von Pandemie-Statistiken modernisiert. In wenigen Tagen will das BAG zudem in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Informatik und Telekommunikation ein digitales Covid-Zertifikat bereitstellen. Begleitet wird dieses Projekt von Organisationen aus der Medizinbranche sowie von der zivilgesellschaftlichen Lobbyorganisation CH++, bei der unter anderem der bekannte Epidemiologie Marcel Salathé nach seinem Rücktritt aus der wissenschaftlichen Covid-Taskforce mitwirkt.

Hilfe für Betroffene

Menschen, die unter Depressionen leiden, finden etwa bei der Schweizer Gesellschaft für Angst und Depression Hilfe. Auch das Berner Bündnis gegen Depression führt Listen mit Anlaufstellen.

Bei Suizidgedanken soll man beim Spitalnotfall einer psychiatrischen Klinik oder bei der allgemeinen Notfallnummer 112 anrufen.

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