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Wer hinter den linken Parolen an den Corona-Protesten steckt

Wer hinter den linken Parolen an den Corona-Protesten steckt

An den von Rechts geprägten Coronademonstrationen sticht die Gruppe «Freie Linke» heraus. Sie ist voller Widersprüche.
30.10.2021, 07:50
Pascal Ritter / ch media
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Die Fahne der «Freien Linken» bei einer Kundgebung gegen die Corona-Massnahmen am Samstag, 23. Oktober, in Bern.
Die Fahne der «Freien Linken» bei einer Kundgebung gegen die Corona-Massnahmen am Samstag, 23. Oktober, in Bern.Bild: Peter Schneider / Keystone (Bern, 23.10.2021)

Die Coronakrise produziert neue politische Akteure. Am vergangenen Samstag trat die «Freie Linke» in den Lichtkegel der Aufmerksamkeit. Diese Gruppe gehörte zu den Mitorganisatoren einer Demonstration gegen das Covid-19-Gesetz in Bern, an der laut Schätzungen rund 30'000 Personen teilnahmen. Die roten Fahnen mit dem fünfzackigen Stern stachen unter den Schweizer- und Kantonsfahnen heraus. Wer sind die «Freien Linken», die zusammen mit Rechten demonstrieren?

Erstmals in Erscheinung trat die Gruppe laut Gründungsmitglied Melanie am 1. Mai 2021 an einer Demonstration in Lugano. Sie sagt: «Wir wollten zeigen, dass nicht nur Rechte gegen die Coronapolitik sind.» Ihren Nachnamen möchte sie nicht publik machen - aus Angst vor aggressiven Kritikern. In einem Aufruf der «Freien Linken» heisst es, sie sei «eine Stimme für alle Menschen, denen wirklich linke Politik am Herzen liegt und die dem heutigen Krisenmanagement kritisch gegenüberstehen.» Auf Stickern heisst es in Anlehnung an die 80er-Bewegung:

«Macht aus dem Zertifikat Gurkensalat.»

Kleine, noch wenig strukturierte Gruppe

Die Berner Stadträtin Simone Machado (Grün alternative Partei) ist zum Gesicht der «Freien Linken» geworden, weil sie bisher das einzige bekannte Mitglied mit einem politischen Mandat ist. Sie spricht von «einem Sack Flöhe» und lacht. Sie meint damit, dass die etwa 40 Personen umfassende Kerngruppe aus unterschiedlichen Personen mit linkem Hintergrund zusammengewürfelt und noch wenig strukturiert ist.

Simone Machado a la sortie du Tribunal Federal lors des recours contre une decision du conseil d'etat bernois et d'Uri sur les mesures de lutte contre l'epidemie de Coronavirus (Covid 1 ...
Juristin Simone Machado, 52, hier vor dem Bundesgericht in Lausanne. Sie bekämpfte Einschränkungen für Demonstrationen der Berner Regierung und erhielt Recht.Bild: keystone

Tatsächlich ist es eine heterogene, widersprüchliche Gruppe. Während Machado Verständnis für den ersten Shutdown aufbringt, demonstrierte Gründungsmitglied Melanie bereits im Frühling 2020 auf dem Zürcher Sechseläutenplatz dagegen. In einem Flyer wird behauptet, die Impfung sei nicht sicher. Spricht man mit Machado, klingt es anders. Ihr ist vor allem wichtig, dass jeder selbst abwägen kann. Gründungsmitglied Melanie ist geimpft. Machado sagt, der kleinste gemeinsame Nenner sei die Kritik am Covid-Zertifikat.

Auf die Slogans an Demonstrationen angesprochen, wo die Coronapolitik als «Diktatur» bezeichnet wird, sagt Machado: «Ich würde nicht von einer Diktatur sprechen». Die Juristin formuliert es lieber so: «Das Parlament gewährt dem Bundesrat im Covid-19-Gesetz zu weitreichende Kompetenzen.» Auf die Rechten angesprochen, welche das Bild den den Demonstrationen prägen, verweist sie auf Studien, die zeigen, dass auch ein Teil der Grünenwähler, die Coronapolitik kritisch sehen.

Inspiration und Logo kamen aus Deutschland

Machado sagt, sie wolle das Virus nicht verharmlosen, vermisse aber eine solidarische Politik im Umgang damit. Statt einer Politik «von oben nach unten», fordert sie eine «Kultur der Unterstützung». Sie kritisiert etwa, dass Arbeitgeber teilweise nicht ab dem ersten Tag Lohn zahlten, wenn jemand wegen Symptomen zuhause bleibe. Viele Prekärbeschäftigte gingen deshalb trotzdem zur Arbeit.

Namen und Logo der «Freien Linken» wurden von einer deutschen Gruppe übernommen. Laut Machado habe man aber mit der deutschen «Freien Linken» kaum Kontakt. (bzbasel.ch)

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151 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hierbabuena
30.10.2021 08:23registriert Dezember 2014
Ich verstehe es nicht. Diese Gruppe politisiert eigentlich immer für den Schutz von Minderheiten und Schwächeren (z. B. Konzernverantwortungsinitiative). Dafür sollen staatliche und reglementarische Massnahmen dienen. Aktuell wenn es um den Schutz der Minderheit der stark durch Covid Gefährdeten geht, schreien sie nach Freiheit und haben Angst vor einer Diktatur. Kann es sein, dass diese Gruppe nur Minderheiten schützen will, wenn sie sich persönlich nicht einschränken müssen dafür? Wäre ganz schäbig! Ich habe einfach keine andere Erklärung...
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flausch
30.10.2021 09:52registriert Februar 2017
Das nennt sich Queerfront und ist ein unding. "Linke" die sich rechts aussen Anbiedern können keine "Linke" sein. Es geht nicht sich links zu nennen und rechts zu marschieren.
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mrmikech
30.10.2021 09:28registriert Juni 2016
Einzige interessante Aussage in dem Artikel: "Sie kritisiert etwa, dass Arbeitgeber teilweise nicht ab dem ersten Tag Lohn zahlten, wenn jemand wegen Symptomen zuhause bleibe. Viele Prekärbeschäftigte gingen deshalb trotzdem zur Arbeit". 👍

Dafür wieder etwas schräg: "Namen und Logo der «Freien Linken» wurden von einer deutschen Gruppe übernommen. Laut Machado habe man aber mit der deutschen «Freien Linken» kaum Kontakt". Warum dann Logo übernehmen? 👎
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