Schweiz
Digital

Schweizer Armee verbietet WhatsApp – und befiehlt Threema-Nutzung

Das Schweizer Armee Aufklaerungsdetachement (AAD 10) praesentiert sich am Donnerstag, 16. August 2007 waehrend einer Uebung auf dem Grenadier Waffenplatz von Isone erstmals den Medien. Zu den Aufgaben ...
Mitglieder des Aufklärungsdetachements 10 (AAD 10) bei einer Übung auf dem Waffenplatz von Isone. Neu sollen alle Armeeangehörigen per Threema-App kommunizieren.Bild: keystone

Schweizer Armee verbietet WhatsApp – und befiehlt Threema-Nutzung

Funkgeräte sollen aber nicht abgeschafft werden.
05.01.2022, 08:3605.01.2022, 09:40

Das Wichtigste in Kürze:

  • Armeeangehörige sollen die Schweizer Messaging-App Threema für die dienstliche Kommunikation nutzen.
  • Alle anderen Messenger-Dienste wie WhatsApp, Signal und Telegram sind seit Jahresbeginn nicht mehr erlaubt.
  • Der Entscheid für Threema basiert gemäss Armeesprecher Daniel Reist auf dem Bedürfnis der Truppe nach einem sicheren digitalen Zusammenarbeitstool.
  • Ein grosser Vorteil von Threema sei, dass die Firma den Sitz in der Schweiz habe. Zudem könne Threema anonym genutzt werden.

Was ist passiert?

In der Schweizer Armee heisse es neu: «Threema für alle – Threema pour tous – Threema per tutti». Unter diesem Betreff habe der Armeestab Ende Dezember alle Kommandanten und Stabschefs angewiesen, die Messenger-App Threema fortan für die dienstliche Kommunikation mit privaten Smartphones einzusetzen, schreibt der «Tages-Anzeiger».

Der Threema-Dienstbefehl sei per E-Mail verschickt worden. Und offenbar ist darin auch ein klares WhatsApp-Verbot enthalten: «Alle anderen Dienste sind nicht mehr zugelassen», zitiert die Zeitung aus dem ihr vorliegenden Schreiben.

Somit verbiete die Armee künftig ihren Angehörigen, sich untereinander per WhatsApp, Signal oder Telegram auszutauschen und über diese Kanäle dienstliche Anweisungen zu verbreiten, konstatiert der «Tages-Anzeiger».

Für die Armeeangehörigen, die sich nicht an das Verbot ausländischer Messenger halten, sind laut Armee-Sprecher Daniel Reist keine Sanktionen vorgesehen. Die Armee gehe davon aus, dass Threema in ihren Reihen freiwillig gut genutzt werde. «Die Kader sollen es vorleben. Sie sind angehalten, konsequent über Threema zu kommunizieren.»

Warum tut die Armee das?

Threema habe die Schweizer Armee aus Datenschutzgründen überzeugt, erklärt der Armee-Sprecher. «Da die Firma den Sitz in der Schweiz hat, untersteht sie nicht wie amerikanische Firmen dem Cloud Act». Dieses US-Gesetz verpflichte amerikanische Techfirmen, den US-Behörden auch dann Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewährleisten, wenn die Speicherung nicht in den USA erfolge.

Rückerstattung der Kosten

Als weiteren Grund nannte der Armee-Sprecher die Tatsache, dass sich Threema anonym nutzen lasse und personenbezogene Daten nicht verarbeitet würden. Die App sei zudem konform mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und unterliege der hiesigen Rechtsprechung.

Fortan werde die gesamte Milizarmee Threema nutzen – und zwar nicht Threema Work, das in der Bundesverwaltung für dienstliche Zwecke eingesetzt wird, sondern die «private» Version. Damit möglichst viele den Wechsel auch tatsächlich mitmachen, gebe die Armee intern Anweisungen für die Inbetriebnahme und beschreibe, wie die Kosten rückerstattet werden. Bekanntlich kostet die App 4 Franken.

Genutzt werden solle Threema laut Bericht in der Regel für die dienstliche Kommunikation bis Stufe «intern», bei einigen Formationen bis Stufe «vertraulich». Der Armeesprecher habe zudem bestätigt, dass die anderen Kommunikationsmittel der Armee wie Funkgeräte oder abhörsichere Datenleitungen unabhängig davon weiterbetrieben werden.

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur Keystone-SDA

(dsc)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese 20 Ausdrücke werden alle Rekruten in der RS lernen
1 / 11
Diese 20 Ausdrücke werden alle Rekruten in der RS lernen
Zwipf = ZwischenverpflegungKüsche = Küchenchef/KochArschloch-Barriere = Armeeschokoladebild: watson/keystone
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Gleichstellung braucht es auch bei der Wehrpflicht» – So tickt Rekrutin Cécile Kienzi
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Ex-«South Park»-Autor stellt mutmassliche Cornell-Vergewaltiger an den Internet-Pranger
Toby Morton hat schon Trump ins Visier genommen, nun stellt der Ex-«South Park»-Autor die sieben mutmasslichen Cornell-Vergewaltiger bloss. Braucht es diese Online-Wut für Gerechtigkeit?
«Jetzt kommt der Teil, den sie nicht ignorieren können», schreibt Toby Morton auf Instagram. Der Ex-«South Park»-Autor hat die Website «TheCornell7.org» gegründet. Das Ziel: die sieben mutmasslichen Vergewaltiger der Cornell Universität anprangern.
Zur Story