Schweiz
FDP

Zürcher Kantonsrat: Klima-Allianz verliert Mehrheit wegen Parteiwechsel

GLP-Politikerin wechselt zur FDP: Klima-Allianz im ZH-Kantonsrat verliert Mehrheit

23.02.2023, 14:5123.02.2023, 15:52

Die GLP-Politikerin Isabel Garcia wechselt kurz nach den Kantonsratswahlen zur FDP: Damit verliert die Klima-Allianz im Hinblick auf die neue Legislatur doch noch ihre knappe Mehrheit – im Rat wird ein Patt herrschen.

Nach der Wahl habe sie eine vertiefte Standortbestimmung vorgenommen, hält Garcia gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA fest. «Ich bin zum Schluss gekommen, dass meine finanz- und wirtschaftspolitischen Werte bei der FDP besser aufgehoben sind.»

«Meine Positionen sind bekannt»

Dass der Parteiwechsel knapp zwei Wochen nach den Kantonsratswahlen erfolgt, sorgte am Donnerstag auf sozialen Netzwerken für Kritik – von «Etikettenschwindel» war etwa die Rede. Für einen Übertritt gebe es «keinen guten Zeitpunkt», entgegnet Garcia auf diese Kritik. «Meine Positionen sind bekannt, man hat mich so gewählt.»

Die FDP der Stadt Zürich, die sich über den Zuzug der Kantonsrätin und Stadtzürcher Gemeinderätin erfreut zeigt, schreibt von einem «gemeinsamen Streben nach einem zukunftsfähigen Zürich, ob in wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Fragen». Auch FDP-Präsident Thierry Burkart hiess Garcia auf Twitter bereits willkommen, löschte seinen Tweet kurz darauf allerdings wieder.

Die Grünliberalen nehmen den «persönlichen Entscheid» gemäss einer kurzen Medienmitteilung überrascht und mit Bedauern zu Kenntnis. «Wir werden mit Isabel Garcia das Gespräch suchen.»

Mit dem Parteiwechsel werden SVP, FDP, Mitte und EDU nun in der neuen Legislatur nicht mehr 89, sondern 90 Mitglieder stellen. Die sogenannte Klima-Allianz von SP, GLP, Grünen, EVP und AL kommt statt auf 91 nur noch auf 90 Stimmen.

Es kommt noch schlimmer für die
Klima-Allianz

Faktisch dürften sich die bürgerlichen Parteien bei Abstimmungen sogar häufig in der Mehrheit befinden. Grund dafür ist, dass die Ratspräsidentin oder der Ratspräsident nicht abstimmen darf, sondern nur bei einem Patt den Stichentscheid gibt.

Als derzeitige 1. Vizepräsidentin dürfte Sylvie Matter (SP, Zürich) an der ersten Sitzung der neuen Legislatur zur neuen Präsidentin des Kantonsrats gewählt werden. Ihre Stimme fehlt der Klima-Allianz bei den Abstimmungen dann ebenfalls.

Dadurch wären die bürgerlichen Parteien – falls es auf beiden Seiten keine Absenzen gibt – jeweils mit 90 zu 89 Stimmen in der Mehrheit.

Isabel Garcia relativiert deshalb auch die Bedeutung ihres Wechsels: «Die Stimmenverhältnisse sind so knapp, dass mein Übertritt keinen Einfluss hat.» Es gebe ja immer auch irgendwelche abwesende Politikerinnen und Politiker. (rbu/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nach PHP-Chaos: IT-Experten schlagen Alarm und fordern Massnahmen
Die Gefahr wegen «PHP2Shell» endet gemäss der Einschätzung von IT-Fachleuten nicht mit Sicherheits-Updates.
Nach der Entdeckung der kritischen PHP-Sicherheitslücken reicht das blosse Einspielen von «Patches» nach Einschätzung von Sicherheitsexperten bei weitem nicht aus.
Zur Story