DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Zwei Wochen mehr für den Vater? 16 Wochen für die Eltern? Oder doch einfach besser Ferien nehmen? Die FDP findet sich nicht, wenn es um den Vaterschaftsurlaub geht.
Zwei Wochen mehr für den Vater? 16 Wochen für die Eltern? Oder doch einfach besser Ferien nehmen? Die FDP findet sich nicht, wenn es um den Vaterschaftsurlaub geht.Bild: KEYSTONE

Eine Partei, 3 Positionen: So gespalten ist die FDP beim Vaterschaftsurlaub

Der Entscheid für die Nein-Parole fiel hauchdünn aus. Keine Partei ist sich beim Vaterschaftsurlaub so uneinig wie die FDP.
01.09.2020, 05:4901.09.2020, 12:38

Hauchdünn war der Entscheid bei der Delegiertenversammlung der FDP über die Vorlage zum Vaterschaftsurlaub. 134 Parteivertreter sprachen sich dagegen aus, 133 dafür. Damit war der Entscheid für die Nein-Parole mit einer Stimme Unterschied gefasst. Doch innerhalb der Partei ist man sich weiter uneinig. Die Fronten verlaufen dabei weder zwischen den Geschlechtern, noch zwischen Jung und Alt. Es gibt Finanzpolitiker, die der Vorlage zustimmen, und Unternehmerinnen, die sie ablehnen. Auszumachen sind insgesamt drei Lager, in welche die FDP gespalten ist.

Das Lager «Ja, aber...»

Entgegen der Parteiparole gibt es innerhalb der FDP auch Exponenten, die den Vaterschaftsurlaub unterstützen. Darunter Fraktionspräsident Beat Walti. Er sagt: «Die zweiwöchige Lösung ist nicht meine präferierte Version, aber es ist ein Kompromiss, der besser ist als nichts.» Lieber wäre ihm das Vorhaben, das die Liberalen bereits vor zwei Jahren einbrachten: Eine 16-wöchige Elternzeit. Die ersten acht Wochen hätte die Mutter beziehen können, die restlichen acht hätten die Eltern nach Wunsch aufteilen können. Doch der Vorschlag wurde damals vom Parlament abgelehnt.

Nichtsdestotrotz findet Walti den Vaterschaftsurlaub unterstützenswert: «Weil mir wichtig ist, dass wir mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorwärts kommen, will ich die laufenden Diskussionen nicht blockieren.»

Viele Anhängerinnen findet der Vaterschaftsurlaub auch bei den liberalen Frauen. Die Aargauer Nationalrätin Maja Riniker spricht sich für den Vaterschaftsurlaub aus, weil es jetzt ein erster Schritt in die richtige Richtung bedeute. «Es gibt Parteikollegen, die eine Elternzeit lieber gesehen hätten. Doch bis dieses Anliegen durchkommt, könnte es noch eine Weile dauern», sagt sie. Die Frauensektion der Partei hat die Ja-Parole beschlossen.

Die FDP-Nationalrätin Maja Riniker unterstützt den Vaterschaftsurlaub.
Die FDP-Nationalrätin Maja Riniker unterstützt den Vaterschaftsurlaub. Bild: keystone

Das Lager «Nein, aber...»

Im «Nein-Komitee» engagieren sich auch einige prominente FDP-Politiker gegen den Vaterschaftsurlaub. Dezidiert dagegen stellt sich der Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler und Ständerat Josef Dittli. Letzterer sagt: «Die Vorlage, wie sie jetzt an die Urne kommt, lehne ich ab. Meiner Ansicht nach betreibt die Linke mit diesem Vorschlag eine Salamitaktik. Zuerst kommen die zwei Wochen Vaterschaftsurlaub und später sind 29 bis 30 Wochen Elternzeit geplant.» Hingegen habe er den Vorschlag einer 16-wöchigen Elternzeit damals im Ständerat unterstützt und sei nach wie vor der Meinung, dass dies das beste Modell wäre.

Das findet auch FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt und stellt sich gegen den Vaterschaftsurlaub.

Ebenfalls für eine Elternzeit, aber gegen den Vaterschaftsurlaub kämpfen die Jungfreisinnigen. «Wir dürfen nicht Hand bieten zu einem faulen Kompromiss von zwei Wochen», sagt deren Präsident Matthias Müller gegenüber dem «Blick».

Das Lager «Nein, weil...»

Ebenfalls eine populäre Meinung innerhalb der FDP ist jene derjenigen, die sich für mehr Eigenverantwortung und gegen einen Ausbau des Sozialstaats stellen. So begrüsst es FDP-Ständerat Andrea Caroni zwar sehr, wenn sich Väter von Anfang an gleichermassen um die Kinder kümmern. Ein Vaterschaftsurlaub könne hier den Einstieg erleichtern. «Doch dafür muss man nicht bei der Allgemeinheit die hohle Hand machen. Sozialversicherungen sollen Risiken absichern, welche die Kraft des Einzelnen übersteigen», sagt er.

Bei der Geburt gehe es aber um ein freudiges und planbares Ereignis, wo Väter unzählige Möglichkeiten haben, sich selbst zu organisieren. «Insbesondere hat jeder Arbeitnehmer von Gesetzes wegen vier Wochen Ferien pro Jahr, die er um die Geburt seines Kindes nehmen kann.»

FDP-Ständerat Andrea Caroni wünscht sich mehr Eigenverantwortung – auch beim Vaterschaftsurlaub.
FDP-Ständerat Andrea Caroni wünscht sich mehr Eigenverantwortung – auch beim Vaterschaftsurlaub.Bild: KEYSTONE

Caronis Vorzugslösung ist es darum, die Rechte der Arbeitnehmenden in Bezug auf die Ferienplanung zu stärken und die bestehenden 14 Wochen, die eine Mutter jetzt schon hat, zu flexibilisieren: Acht Wochen fix für die Mutter und sechs Wochen, welche die Eltern frei unter sich aufteilen können.

Ein Vorschlag, der auch bei Parteikollege Kurt Fluri gut ankommt. Gerade jetzt, da sich die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise noch nicht genau einschätzen lassen, rate er davon ab, den Sozialstaat weiter auszubauen. «Meine Präferenz wäre, dass sich frisch gebackene Väter Ferien nehmen. Das ist schliesslich ihr gutes Recht. Doch die Allgemeinheit soll nicht den Kinderwunsch von Eltern berappen müssen. Gerade nicht in so unsicheren Zeiten wie diesen», so Fluri.

In einer früheren Version des Artikels hiess es, dass sich auch FDP-Präsidentin Petra Gössi für den Vaterschaftsurlaub ausspricht. Nach dem knappen Entscheid der Delegierten engagiert sie sich allerdings nicht mehr aktiv für oder gegen die Vorlage. Wir entschuldigen uns für diesen Fehler.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

24 Cartoons über das Eltern-Dasein

1 / 26
24 Cartoons über das Eltern-Dasein
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Den Vaterschaftsurlaub braucht es unbedingt» – Ein junger Vater erzählt

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

77 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Dr Barista
01.09.2020 07:03registriert Juni 2016
Die fdp hätte es dich auch gerne, wenn das kind nach den 16 wochen mutterschaftsurlaub auch gleich arbeiten würde, wertschöpfung und so...
33049
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rön73
01.09.2020 06:44registriert April 2019
Bei „Nein, weil...“ fehlt das „Argument“, welches ich oft zu hören bekam: Weil wir es auch nicht hatten. Das Nein des Neides!
26352
Melden
Zum Kommentar
avatar
Kolo
01.09.2020 09:23registriert Juni 2020
Sind wir mal ehrlich. Die Regelung in der Schweiz ist einfach schwach. Arbeiten bis zum letzte Tag vor der Geburt? 14 Wochen zur physischen Erholung für die Frau und dann 2 Wochen Haushaltsfrei für den Papa? Führt faktisch zu krankschreibungen vor der Geburt und fast nicht brauchbaren Arbeitnehmern im Betrieb. Ich war froh keine schweren Maschinen führen zu müssen nach meinen 2 Wochen. Dauermüde und mit dem Kopf zuhause.
2 Wochen sind der müdeste aller Kompromisse. Elternzeit muss her. Die Wirtschaft soll einmal zurückstellen. Wir Menschen sind die Wirtschaftskraft. Nicht die Unternehmen!
9922
Melden
Zum Kommentar
77
SBB wollen Verbindungen zwischen Zürich und Bern streichen

Der Fahrplanentwurf 2023 der SBB sieht einen Ausbau beim Freizeitverkehr vor. Im Gegenzug sollen laut Mitteilung einzelne Verbindungen auf Pendlerstrecken weggespart werden, etwa auf der Linie Bern–Zürich.

Zur Story