Schweiz
Wirtschaft

Unternehmer warnen vor negativen Folgen eines Vaterschaftsurlaubs

Unternehmer warnen vor negativen Folgen eines Vaterschaftsurlaubs

18.08.2020, 11:1218.08.2020, 15:58
Mehr «Schweiz»
Arbeitende Väter in der Schweiz erhalten künftig einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Ein vierwöchiger Urlaub ist erst einmal vom Tisch, nachdem die Initianten ihr Volksbegehren zurückgezogen haben. ...
Vaterschaftsurlaub: Die Gegner erklären sich.Bild: KEYSTONE

Steigende Arbeitslosigkeit, Pleiten, Konkurse: Die Corona-Krise ist für viele Unternehmen ein Härtetest. Einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub könne sich die Schweiz deshalb nicht leisten, argumentieren bürgerliche Politiker sowie das Gewerbe.

Vertreter von SVP, FDP und CVP sowie Gastrosuisse und der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) haben ein überparteiliches Komitee gegründet, um die vom Parlament verabschiedete Änderung des Erwerbsersatzgesetzes zu bekämpfen. Das Volk stimmt am 27. September über die Vorlage ab, mit welcher der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub geregelt würde.

Die Gegner bezeichnen die Befürworter als «Lohndiebe». Diese wollten allen Arbeitnehmerinnen und allen Arbeitnehmern ins Portemonnaie greifen, sagte die Thurgauer SVP-Nationalrätin Diana Gutjahr am Dienstag vor den Bundeshausmedien. Alle Arbeitnehmende müssten mehr von ihrem Lohn abgeben - «für Ferientage für einige wenige».

«Unflexible Einheitslösung»

Die Lohnabzüge für die Erwerbsersatzordnung müssten in der Folge um 0.05 Prozent erhöht werden. «Diese Erhöhung ist nicht mehr verkraftbar», sagte Ständerat Josef Dittli (FDP/UR). Er sprach von einer «unflexiblen, staatlich verordneten Einheitslösung».

Es sei keine Option, den Sozialstaat «weiter aufzublähen», sagte SGV-Direktor Hans-Ulrich Bigler. Neben den direkten Kosten von 230 Millionen Franken verursache der Vaterschaftsurlaub in den Betrieben indirekte Mehrkosten zwischen 500 bis 900 Millionen Franken. Viele kleine Unternehmen seien dadurch in ihrer Existenz bedroht.

Kein Spielraum im Gastgewerbe

Besonders hart träfe der Vaterschaftsurlaub das Gastgewerbe, führte Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer aus. Seine Branche könne einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub nicht stemmen. Die Umsätze seien während der Corona-Krise stark eingebrochen. «Rund ein Drittel des Jahresumsatzes ist verloren.» Das Ziel sei es nun, die Arbeitsplätze zu erhalten. Jeder weitere Anstieg der Sozialkosten trage aber zum Abbau von Arbeitsplätzen bei.

Was hältst du von Vaterschaftsurlaub?

Ein staatlich verordneter Vaterschaftsurlaub schwäche auch die Sozialpartnerschaft, sagte Platzer. Der Spielraum für Verhandlungen verkleinere sich, bestehende Bestimmungen in Gesamtarbeitsverträgen würden ausgehebelt.

Video: sda/SDA

«Naturgesetze akzeptieren»

Die Gegner eines zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub führen zudem ins Feld, dass der Staat die Familien schon heute grosszügig finanziell unterstütze. «Es gibt keine andere Bevölkerungsgruppe, die mehr Zuwendung vom Staat erhält», sagte Peter Schilliger, designierter Luzerner FDP-Nationalrat. Sie erhalte Subventionen, Steuererleichterungen oder Sozialversicherungsleistungen.

Schliesslich sei die Vorlage auch gesellschaftspolitisch wenig durchdacht, argumentieren die Gegner. Laut dem Tessiner Unternehmer und CVP-Politiker Michele Moor braucht ein Neugeborenes in den ersten Lebensmonaten normalerweise seine Mutter, wenn es wach ist. «Diese Naturgesetze sind zu akzeptieren.»

Beim Vater verursache die Geburt eines Kindes keine existenzielle Notlage, sondern bedeute eine grosse Freude, doppelte die Zürcher SVP-Gemeinderätin Susanne Brunner nach. «Da kann man wohl erwarten, dass der Vater zwei Wochen seiner eigenen Ferien bezieht, um bei der Familie zu sein.» (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Vaterschaftsurlaub: So sieht es in den Nachbarländern aus
1 / 10
Vaterschaftsurlaub: So sieht es in den Nachbarländern aus
Frankreich: Den Vätern stehen 28 Wochen Urlaub zu. Allerdings werden bloss die ersten elf Tage, nicht aber die gesamte Auszeit finanziert. Im Zuge der Gleichstellung steht dem Mann dieselbe Anzahl Tage wie der Frau zu: Die Eltern sollen sich die Arbeit während eines Jahres teilen. Die Mutter erhält die ersten 16 Wochen vergütet.
Quelle: «Nordwestschweiz»
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Bald 20 Tage bezahlten Vaterschaftsurlaub?
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
270 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Pi ist genau Drei!
18.08.2020 11:38registriert Februar 2017
Irgendwie komisch dass dann auf der anderen Seite eine Militärkarriere, was mit noch vielmehr Abwesenheit einhergeht, in vielen Betrieben immer noch eine gerne gesehen Eigenschaft ist. Passt dann irgenwie nicht so zusammen?
137989
Melden
Zum Kommentar
avatar
Sveitsi
18.08.2020 11:43registriert Januar 2015
Unglaublich, wie hinterwäldlerisch da argumentiert wird. In ganz Europa funktionieren Vaterschafts- oder Elternurlaube, nur in der Schweiz soll das nicht gehen? Was für ein Quatsch.
115289
Melden
Zum Kommentar
avatar
insert_brain_here
18.08.2020 12:32registriert Oktober 2019
"Die wollen euch ans Portemonnaie" sagen exakt die Leute die nicht anderes machen als ihr eigenes Portemonnaie auf Kosten anderer zu füllen.
29611
Melden
Zum Kommentar
270
Neue Pendler-Statistik zeigt, welche Verkehrsmittel in der Schweiz am beliebtesten sind
Die Schweiz ist ein Pendler-Land – das zeigt die neue Publikation vom Bundesamt für Statistik: 2022 waren rund 3,6 Millionen Arbeitspendlerinnen und Arbeitspendler in der Schweiz unterwegs. Welches Verkehrsmittel das beliebteste ist und weitere Pendler-Fakten.

Um von A nach B zu gelangen, verbringen viele Schweizerinnen und Schweizer ihre Zeit mit Pendeln. Diese Woche hat das Bundesamt für Statistik die neue Publikation zur Pendlermobilität in der Schweiz 2022 veröffentlicht. Wir haben die wichtigsten Zahlen und Fakten für dich zusammengefasst.

Zur Story