Schweiz
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Rauchen Spielplatz

Der Sandkasten soll kein Aschenbecher mehr sein.

Schweizweite Umfrage zeigt: Immer mehr Spielplätze sollen zur rauchfreien Zone werden

Achtung, mein Kind könnte zwischen Schaukel und Rutschbahn einen Zigarettenstummel verschlucken: Solche Sorgen müssen sich immer weniger Eltern machen, weil die Zahl der Rauchverbote bei öffentlichen Spielplätzen steigt. Befürworter finden sich von links bis rechts – Gegner allerdings auch.

kari kälin / ch media



Die jüngste Erfolgsmeldung für die Verfechter rauchfreier Spielplätze stammt aus Locarno. Anfang März hat der Stadtrat eine Motion von Marko Antunovic angenommen. Der Vater zweier Kleinkinder spricht aus eigener Erfahrung. «Zwischen Schaukel, Sandkasten und Rutschbahn liegen viel zu viele Zigarettenstummel herum.» Man müsse ständig aufpassen, dass Kinder den giftigen Abfall nicht in den Mund nähmen. Er will sie vor Passivrauch schützen und verhindern, dass sie schlechte Manieren – sprich Littering – kopieren. Es ist gut möglich, dass bald weitere Gemeinden den blauen Dunst von den öffentlichen Spielplätzen verbannen. Dies zeigt eine Umfrage unserer Zeitung bei allen Kantonen. Wir präsentieren die Ergebnisse in 8 Punkten.

1. In wie vielen Gemeinden gilt es ein Rauchverbot?

Dazu gibt es keine Übersicht. Klar ist: Es werden immer mehr. Die Pionierrolle gebührt der Stadt Chur, die 2008 ein Verbot installierte. In Lugano sind die öffentlichen Spielplätze seit Ende 2015 rauchfrei. Diverse andere Tessiner Gemeinden wie etwa Losone zogen nach. In Dietikon ZH hat das Rauchverbot sämtliche politische Hürden überwunden, voraussichtlich tritt es im nächsten Jahr in Kraft. Im Kanton Aargau sind rauchfreie Spielplätze Teil des Tabakpräventionsprogramms. Seit 2016 sind in neun Gemeinden Spielplätze rauchfrei – oder werden es bald. Im Kanton St.Gallen haben letztes Jahr die Stadt Wil und die Gemeinde Lütisburg die Spielplätze zu rauchfreien Zonen erklärt, in diesem Jahr folgen Rapperswil-Jona und Gaiserwald. Im Thurgauischen Erlen ist dieser Schritt bereits erfolgt. Im Kanton Basel-Landschaft gilt in 37 Gemeinden ein Rauchverbot.

2. Gibt es bald noch mehr rauchfreie Spielplätze?

Vermutlich ja. Im Kanton Bern hat der Grosse Rat im März einen entsprechenden Vorstoss überwiesen. Die Kantonsregierung stützte das Anliegen. Sie muss nun Massnahmen einleiten, damit Sandkästen nicht mehr zu Aschenbechern verkommen. Voraussichtlich im Juni stimmt das Basler Kantonsparlament über einen ähnlichen Vorstoss von Christian Griss ab. Der CVP-Grossrat rechnet mit einem knappen Ausgang. Ein kantonales Verbot verlangt auch die Baselbieter SP-Landrätin Miriam Locher.

Spielplatz rauchfrei

Sollen für die Befürworter zur Norm werden: Rauchfreie Spielplätze.

3. Welche Kantone spielen eine aktive Rolle?

Im Kanton Graubünden hat das Parlament im September 2016 das Gesundheitsgesetz revidiert und damit ein flächendeckendes Rauchverbot installiert. Aargau, Basel-Landschaft, Zürich und St.Gallen fördern rauchfreie Spielplätze via Tabakpräventionsprogramm. Bern hat den Vorstoss für ein kantonsweites Rauchverbot zur Annahme empfohlen. Die Tessiner Regierung und das Parlament haben dasselbe Anliegen mit Verweis auf die Gemeindeautonomie zwar abgelehnt. Gesundheitsdirektor Raffaele de Rosa sicherte aber gleichzeitig Gemeinden Support zur Tabakprävention zu.

4. Gibt es einen Röstigraben?

Ja. Gemäss unseren Recherchen gibt es in der Romandie keine Gemeinden mit rauchfreien Spielplätzen, und die Kantone halten sich zurück. Einzig Freiburg prüft, eine solche Massnahme im Tabakpräventionsprogramm zu verankern. Die Ausnahme bildet Lausanne. Der Stadtrat muss ein Projekt ausarbeiten, nachdem das Parlament einen Vorstoss von Illias Panchard und Sara Gnoni (beide Grüne) gutgeheissen hat. Allerdings: Auch die meisten Deutschschweizer Kantone verzichten auf Initiativen für rauchfreie Spielplätze.

5. Wer tritt für ein Rauchverbot ein?

Im Mai vor zehn Jahren trat das Gesetz zum Schutz vor Passivrauch in Kraft. Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz nimmt das Jubiläum zum Anlass, ein Rauchverbot bei öffentlichen Spielplätzen zu fordern. Auch der Schweizerische Gemeindeverband steht dem Ansinnen positiv gegenüber. Die Unterstützung lässt sich nicht in ein parteipolitisches Schema pressen. In Bern, Dietikon und Locarno zum Beispiel fand das Verbot von links (Grüne, SP) bis rechts (SVP, Lega) Zuspruch.

6. Welche Erfahrungen gibt es mit dem Rauchverbot?

Es werde respektiert und sei völlig unumstritten, berichten Chur und Lugano. Der zuständige Churer Stadtrat Tom Leibundgut kann sich nicht erinnern, dass unter seiner Ägide (seit 2013) je eine Busse verhängt worden wäre. Das sei auch nicht das Ziel in Lugano, sagt Stadtrat Michele Bertini. Man vertraue auf die Eigenverantwortung.

7. Welche Argumente führen die Gegner ins Feld?

Wie die Befürworter stammen auch sie aus allen politischen Lagern. Sie zweifeln an der Durchsetzbarkeit des Verbots und setzen auf Sensibilisierung. Erst kürzlich verwarfen das Luzerner und Thuner Stadtparlament Vorstösse für rauchfreie Spielplätze. Für die Thuner Stadträtin Alice Kropf (SP) etwa wäre es eine «Horrorvorstellung», wenn «Hundesecurity» Raucher von den Spielplätzen vertreiben und ihnen Bussen androhen würden.

8. Kommen Kinder wegen Zigaretten oft ins Spital?

Das Kinderspital Zürich behandelt extrem selten Kinder, die Zigaretten oder Zigarettenstummel verschluckt haben. «Das sehen wir vielleicht drei- oder viermal vor pro Jahr», sagt Georg Staubli, Chefarzt der Notfallstation. Schwere Vergiftungen sind laut Tox Info Suisse, der offiziellen Informationsstelle der Schweiz für alle Fragen rund um Vergiftungen, nach sechs verschluckten Stummeln oder zwei verschluckten ganzen Zigaretten zu erwarten. «Wenn ein Kind also weniger als zwei Zigaretten eingenommen hat und keine Symptome vorhanden sind, kann abgewartet werden», schreibt Tox Suisse. Oft führt die Einnahme von Tabak auch in geringeren Mengen zu Erbrechen. Wegen Zigarettenunfällen erhielt Tox Suisse im letzten Jahr 261 Anfragen von Eltern von Kindern unter sechs Jahren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rethinking 18.05.2020 15:20
    Highlight Highlight Rauchen auf Kinderspielplätzen zu verbieten ist zu kurz gegriffen...

    Zum einen müssen wir nicht nur unsere Kinder sondern alle Lebewesen und die Natur vor Zigarettenstummel schützen...

    Zum anderen können solche Stummel von irgendwo hingeweht werden...

    Warum verbietet man nicht einfach das Littering per se? Dies würde eher helfen...
  • Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club 18.05.2020 07:19
    Highlight Highlight Die Tabakkonzerne sollen den Rauchern Raucherboxen hinstellen. Dann darf nur noch dort drin geraucht werden. Dann hat die ganze Gesellschaft Ruhe vor Rauchern, SecondHand- und ThirdHand-Smoke. Der Scheiss ist für alle schädlich, nicht nur Kinder. Abgesehen davon stinkt's derart penetrant, dass man den Rauchern am liebsten direkt auf die Schuhe 🤮 will.
  • Blitzesammler 18.05.2020 06:59
    Highlight Highlight Ich bin Raucher und bin absolut dafür!!
    Da die meisten Stummel von Jugendlichen sind, bräuchten die halt auch irgend einen Ort an dem sie gern gesehen sind. sollange es dies nicht gibt, gehen sie halt dorthin, wo sie sich auskennen und sich wohl fühlen. ,,Ihr,, ex-Spielplatz, ,,Ihr,, ex-Schuhlareal,, dieses Problem wird unterschetzt.
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 18.05.2020 02:35
    Highlight Highlight Eigentlich sollte es selbstverständlich sein dass man nicht in der nähe eines Kindes raucht.
    Da Kinder Kinder sich aber nicht wehren können, ist ein Verbot sinnvoll.
  • Locutus70 18.05.2020 00:54
    Highlight Highlight Ich frage mich überhaupt wer auf die Idee kommt auf dem Spielplatz zu rauchen ^^
  • Irene Adler 17.05.2020 22:43
    Highlight Highlight Ohne den ganzen Artikel zu lesen: ich habe bis jetzt gedacht, auf Spielplätzen gibt es Rauchverbot.
  • Abraham Colombo 17.05.2020 22:38
    Highlight Highlight Als Raucher bin ich gegen so ein Verbot, gibt doch nichts schöneres als mit den Kindern zu tollen und dabei schön eine zu pafen. Sorry aber für so etwas brauchts kein verbot einfach nur gesunden Menschenverstand Wehrmacht den sowas.
    • Imfall 18.05.2020 07:42
      Highlight Highlight von gesundem Menschenverstand reden, aber beim spielen mit den Kindern rauchen... da fehlen mir echt die Worte!
    • Abraham Colombo 18.05.2020 11:11
      Highlight Highlight @Imfall
      Really? Nach der Wehrmacht habe ich gedacht das jeder versteht das es Sarkasmus ist.
    • Imfall 18.05.2020 13:22
      Highlight Highlight Wehrmacht habe ich eher für einen auto Korrektur Fehler gehalten... ich bin beruhigt 😅
  • Be3 17.05.2020 22:35
    Highlight Highlight Wie bitte?
    Gewisse Dinge müssten doch einfach eine Selbstverständlichkeit sein, traurig wenn Verbote nötig sind!
    Ich war 30 Jahre Raucher und es wäre mir nie in den Sinn gekommen auf einem Spielplatz zu rauchen. Ich frage mich was für Idioten sogar Zigarettenstummel auf einem Spielplatz auf den Boden werfen.
    Mir fällt vor lauter Kopfschütteln schon fast der Kopf ab.
  • BVB 17.05.2020 22:30
    Highlight Highlight "Achtung, mein Kind könnte zwischen Schaukel und Rutschbahn einen Zigarettenstummel verschlucken"
    Wenn dann ist das Problem doch allfälliges Passivrauchen, oder liege ich falsch?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pumpido 17.05.2020 22:09
    Highlight Highlight Nur Asis rauchen auf einem Kinderspielplatz!
  • Donald 17.05.2020 22:07
    Highlight Highlight Gibt es tatsächlich jemand, der auf einem Spielplatz raucht? Solche Regelungen sollte es eigentlich gar nicht brauchen.
    • tannair 17.05.2020 22:35
      Highlight Highlight Leider ja, solche Eltern oder Personen gibt es die zwischen den Kindern rauchen und nicht etwas ins Abseits stehen. Ich habe schon Erwachsene mit mehreren Wasserpfeiffen direkt neben dem Spielplatz erlebt. Wieso macht man so etwas?
      Eigentlich ist es gesunder Menschenverstand dort nicht zu rauchen aber manchmal braucht es wohl einfach trotzdem ein Verbot.
    • Miicha 17.05.2020 22:37
      Highlight Highlight Ja Spielplätze sind auch Treffpunkte von Jugendlichen die da leider nicht nur Zigarettenstummel, sondern auch gerne Scherben hinterlassen. Darum ist ein Verbot absolut richtig.
    • Donald 18.05.2020 00:35
      Highlight Highlight War leider ein ironischer Kommentar von mir. Ich weiss, dass viele Leute gerne zeigen wie "normal" Rauchen ist. Meine Meinung ist, in der Sicht- und Geruchsweite von Kindern sollte rauchen unterlassen werden. Und da es viele nicht begreifen, verboten sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Basswow 17.05.2020 21:58
    Highlight Highlight Dafür wieder in Bars und Clubs (nicht Restaurants) einführen? 😊

    Rauche selber nicht mehr, aber das war saudoof...🤷🏽‍♂️
  • ingmarbergman 17.05.2020 21:57
    Highlight Highlight Die Raucher hätten es selber in der Hand, Littering zu vermeiden. Aber es ist wohl wie überall: Selbstverantwortung funktioniert nicht, darum braucht es Verbote und Bussen.
  • FACTS 17.05.2020 21:55
    Highlight Highlight Herrenlose Zigarettenstummel sind in Sandkästen und überall sonst ausserhalb eines Aschenbechers oder (in kleinen Mengen) eines Müllsacks verboten... alles andere nennt sich Littering und ist nicht nur verboten, sondern asozial!
  • Luca Regnipuzz 17.05.2020 21:51
    Highlight Highlight Ist wie in der Schule mit den Kaugummis: Wegen ein paar empathielosen Idioten muss es für alle verboten werden. Sehe aber auch keine bessere Lösung. Stummel auf dem Spielplatz regen mich extrem auf. Wie kann man bloss?!

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