Schweiz
Gesellschaft & Politik

Bischof Bonnemain zeigt sich offen für Wandel in katholischen Kirche

Pressekonferenz zu Bericht: Sexueller Missbrauch im Umfeld der katholischen Kirche. Bischof Joseph Bonnemain, Historikerinnen Monika Dommann und Marietta Meier, Betroffene Vreni Peterer
«Kirchliche Strukturen müssen sich ständig verändern»: Bischof Bonnemain. Bild: watson

Nach Missbrauchsskandal: Bischof Bonnemain zeigt sich offen für Wandel in Kirche

Für den Churer Bischof Joseph Bonnemain braucht es jetzt nach der Veröffentlichung der Studie über sexuelle Missbräuche in der katholischen Kirche eine grundsätzliche Erneuerung der Kirche. Auch Strukturen müssten geändert werden.
16.09.2023, 12:5316.09.2023, 13:20

Die katholische Kirche müsse einen kulturellen Wandel vollziehen und zu ihrer Kernbotschaft zurückkehren, sagte Bonnemain in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF. Die Kirche müsse den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Das Wesen der katholischen Kirche unter anderem in Bezug auf das Verhältnis zwischen Leitenden und dem Volk Gottes und die Beziehung zwischen Mann und Frau sei von den Tätern und den Verantwortlichen falsch verstanden worden.

Kirchliche Strukturen müssten sich ständig verändern, damit solche Missbräuche nicht mehr geschehen würden. Die Kirche müsse sich durch diese Missbrauchsfälle wachrütteln lassen und umdenken.

Vertuschung statt Opfern beizustehen

Es habe «eine falsche, instinktive Reaktion zur Vertuschung» gegeben. Man habe Verantwortliche der Taten geschützt, satt für die Opfer da zu sein. Es sei um Ruf und Image gegangen. Diese Neigung, das, was zu einem gehört, zu schützen, gehöre zum Innenlegen von Organisationen und komme oft auch in Familien vor. Er empfinde grossen Schmerz und schäme sich zutiefst. Was geschehen sei, sei entsetzlich.

Bonnemain ist bei der Bischofskonferenz zuständig für die Aufarbeitung der sexuellen Missbräuche in der katholischen Kirche. Den Auftrag hat Bonnemain vom Papst erhalten. Den Opfern zuliebe und aus Verantwortungsgefühl habe er ihn angenommen, sagte der Churer Bischof. Eine externe Untersuchung ist laut Bonnemain nicht vorgesehen. Er würde sich wünschen, dass man ihm zugestehe, dass er ehrliche Absichten hege und es nicht um Vertuschung gehe.

Seit 2016 gibt es einen Genugtuungsfond der katholischen Kirche für Missbrauchsopfer. Laut Bonnemain wurde durch diesen bisher 2,5 Millionen Franken ausbezahlt. Für Bonnemain ist dies ein Zeichen, aber es müssten Massnahmen gegen solche Vorfälle ergriffen werden. «Die Opfer brauchen Gerechtigkeit. Wir sind bereit alles aufzudecken», so Bonnemain. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Patt bei der AHV, Kopf-an-Kopf beim Kriegsmaterial – das zeigt die neuste Umfrage
Nun ist auch die SRG-Trendumfrage den Abstimmungen vom 29. November da. Bei der AHV-Finanzierung und beim Kriegsmaterialgesetz wird es eng, eindeutig ist nur das Bild bei der Feuerwerksinitiative.
Sieben Wochen vor dem nächsten Abstimmungssonntag zeichnet sich vor allem eines ab: Die Feuerwerksinitiative dürfte durchkommen, bei den anderen drei Vorlagen ist noch vieles offen. Das zeigt die erste SRG-Trendumfrage des Forschungsinstituts gfs.bern. Dafür wurden knapp 15'000 Stimmberechtigte befragt.
Zur Story