Schweiz
Gesellschaft & Politik

Swiss-Tickets könnten 2027 deutlich teurer werden – die Sonntagsnews

Ethos empfahl wiederholt Abwahl von Céline Amaudruz – die Sonntagsnews

Der Bund hat wegen eines Missbrauchsskandals 1,25 Millionen Franken für Ärzte ohne Grenzen zurückgehalten. Zudem schliesst Lindt-Präsident Ernst Tanner einen Rücktritt vorerst aus. Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen.
25.10.2026, 05:5025.10.2026, 06:13

Bund hält 1,25 Millionen Franken für Ärzte ohne Grenzen zurück

Der Bund hat laut der «NZZ am Sonntag» wegen eines Missbrauchsskandals in Tschad eine Zahlung von 1,25 Millionen Franken an Ärzte ohne Grenzen zurückgehalten. Das Hilfswerk habe die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) nicht rechtzeitig über das Ausmass der sexuellen Ausbeutung geflüchteter Frauen und Mädchen durch eigene Mitarbeiter informiert. Eine interne Untersuchung habe 59 Vorwürfe ergeben und zur Entlassung von 18 Mitarbeitern geführt. Sechs davon seien bei der Schweizer Sektion angestellt gewesen. Obwohl die Deza bereits im November 2024 erste Hinweise erhalten habe, sei ihr das volle Ausmass erst durch Medienberichte im Juni 2026 bekannt geworden. Ärzte ohne Grenzen habe damit laut dem Aussendepartement seine vertragliche Meldepflicht verletzt. Die NGO räume ein, die Erkenntnisse nicht früh genug offengelegt zu haben. Der Bund prüfe weitere Sanktionen und eine externe Untersuchung. Ab 2027 würden zudem die Meldepflichten für sämtliche Schweizer NGO-Partner verschärft.

Ethos empfahl wiederholt Abwahl von Céline Amaudruz

Die Stiftung Ethos hat laut der «SonntagsZeitung» die SVP-Bundesratskandidatin Céline Amaudruz wiederholt zur Abwahl als Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Minoteries empfohlen. Ethos-Direktor Vincent Kaufmann kritisierte im Interview mit der Zeitung die mangelnde Unabhängigkeit und die Zusammensetzung des Verwaltungsrats. Amaudruz und ihre Familie hielten eine bedeutende Beteiligung am börsenkotierten Unternehmen. Zudem habe die Nationalrätin zu viele berufliche Mandate. Ethos bezweifle deshalb, dass sie allen Aufgaben genügend Zeit widmen könne. Kaufmann sehe überdies mögliche Interessenkonflikte wegen parlamentarischer Vorstösse von Amaudruz zur Schwächung der Finanzmarktaufsicht Finma. Diese habe zuvor Missstände bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin, der Bank Reyl, beanstandet. Hinweise auf eine Beteiligung von Amaudruz an den beanstandeten Geschäften lägen Ethos allerdings nicht vor. Amaudruz habe eine Anfrage der Zeitung bis Redaktionsschluss nicht beantworten können.

Amaudruz sitzt auch im Verwaltungsrat von umstrittener Spitalfirma

Die SVP-Bundesratskandidatin Céline Amaudruz ist laut der «NZZ am Sonntag» seit März dieses Jahres Verwaltungsrätin der umstrittenen Spitalimmobiliengesellschaft Infracore. Diese gehöre zum Firmenimperium des Walliser Investors Antoine Hubert, der die zweitgrösste Schweizer Privatklinikgruppe aufgebaut habe. Dem Investor seien in der Vergangenheit Bilanzmanipulationen und aufgeblähte Erträge vorgeworfen worden. Seine Firmengruppe bestreite dies. Amaudruz erklärte auf Anfrage der Zeitung, sie habe die Vorwürfe vor Annahme des Mandats geprüft und sei von den Antworten überzeugt worden. Ende September habe sie zudem ihre Tätigkeit bei der umstrittenen Privatbank Reyl beendet – zwei Tage vor der Rücktrittsankündigung von Bundesrat Guy Parmelin. Auch Bundesratskandidat Pierre-Alain Schnegg unterhalte geschäftliche Verbindungen zu Hubert. Der Berner Gesundheitsdirektor habe mit ihm und der Krankenkasse Visana ein umstrittenes Gesundheitsmodell lanciert.

Tatverdächtiger von Tuggen soll zu Blood and Honour gehören

Der nach einer tödlichen Schlägerei in Tuggen SZ verhaftete 42-jährige Schweizer ist laut Recherchen des «SonntagsBlick» ein langjähriges Mitglied des Neonazi-Netzwerks Blood and Honour. Mehrere Quellen hätten der Zeitung die Zugehörigkeit des Mannes bestätigt. Er steht im Verdacht, nach einem Konzert einen 27-jährigen Deutschen mit einem Faustschlag getötet zu haben. Das Opfer sei gemäss Informationen der Zeitung mit seiner Mutter und zwei Freundinnen am Konzert gewesen. Zudem sei an jenem Abend offenbar auch ein ehemaliger Informant des deutschen Verfassungsschutzes vor Ort gewesen, der enge Verbindungen zur rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gepflegt habe. Der Mann lebe heute im Sarganserland und sei ebenfalls Teil des Blood-and-Honour-Netzwerks gewesen. Das betroffene Ausgehlokal Bandits gelte laut mehreren Personen aus der Region seit Jahren als Treffpunkt von Rechtsextremisten.

Lindt-Präsident Tanner schliesst Rücktritt vorerst aus

Lindt-&-Sprüngli-Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner hat im Interview mit der «NZZ am Sonntag» einen Rücktritt in der gegenwärtig schwierigen Lage ausgeschlossen. «Ich bin überzeugt, dass ich einen wesentlichen Beitrag leisten kann, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen», sagte er der Zeitung. Sobald dies gelungen sei, wolle er sich dem nächsten Lebensabschnitt zuwenden. Tanner räumte ein, dass Lindt die Reaktion der Kundschaft auf die massiven Preiserhöhungen unterschätzt habe. Besonders in Deutschland und der Schweiz seien die Produkte für viele Konsumenten zu teuer geworden. «Es tut mir weh, unsere Produkte im Ausverkauf zu sehen», sagte Tanner. Rabattaktionen seien derzeit aber nötig, um die Kundschaft auf Preissenkungen aufmerksam zu machen. Im kommenden Jahr müsse das Absatzvolumen wieder wachsen. Einen konzernweiten Stellenabbau schliesse er aus. In ein bis zwei Jahren werde Lindt eher mehr Mitarbeitende beschäftigen als die derzeit rund 15'000.

Deutlich mehr Meldungen über Verletzungen von Datensicherheit

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (Edöb) hat laut «SonntagsBlick» im laufenden Jahr eine deutliche Zunahme von Datensicherheitsverletzungen in der Schweiz festgestellt. Im laufenden Jahr 2026 hätten sie bereits 455 Meldungen über Datensicherheitsverletzungen erhalten, sagte Adrian Lobsiger im Interview mit der Zeitung. Im gesamten Vorjahr 2025 seien es insgesamt 343 Meldungen gewesen. Die tatsächliche Zahl der Vorfälle liege noch deutlich höher, da eine hohe Dunkelziffer bestehe. Nach dem Cyberangriff auf einen Softwarelieferanten mehrerer Schweizer Pensionskassen hatte der Edöb vergangene Woche eine formelle Untersuchung eingeleitet. Diese richte sich derzeit gegen den externen IT-Anbieter. Lobsiger schloss jedoch nicht aus, das Verfahren später auf Bundesorgane wie Pensionskassen auszuweiten.

Swiss-Tickets könnten 2027 deutlich teurer werden

Flugpassagiere müssen laut der «SonntagsZeitung» ab 2027 mit deutlich höheren Ticketpreisen bei der Swiss rechnen. Die Lufthansa-Gruppe habe 86 Prozent ihres Kerosinbedarfs für den Rest des laufenden Jahres zu Preisen unter dem heutigen Marktniveau abgesichert, teilte ein Lufthansa-Sprecher auf Anfrage der Zeitung mit. Für 2027 dürfte die Absicherung laut Schätzungen der Ratingagentur Morningstar DBRS hingegen nur noch bei rund 50 Prozent liegen. Wegen des Kriegs im Nahen Osten habe sich laut Bericht der Kerosinpreis etwa verdoppelt. Ryanair-Chef Michael O’Leary rechne deshalb in Europa mit einem Anstieg der Flugpreise um bis zu 20 Prozent. Die Lufthansa bestätige höhere Ticketpreise für das kommende Jahr allerdings nicht. «Höhere Kerosinpreise können in die Preisgestaltung einfliessen», sagte der Sprecher lediglich. Neben den Treibstoffkosten könnten auch Lieferprobleme bei Flugzeugen und längere Flugrouten die Preise in die Höhe treiben.

Ketaminabhängigkeit nimmt in der Westschweiz zu

Die Zahl der Behandlungen wegen Ketaminabhängigkeit ist in der Westschweiz laut «Le Matin Dimanche» stark gestiegen. Besonders betroffen seien junge Menschen um die 20 Jahre, die häufig innerhalb kurzer Zeit eine schwere Abhängigkeit entwickelten, sagte Sylvie Vuez von der Klinik La Métairie. Ketamin mache schnell abhängig und sei deutlich günstiger als beispielsweise Kokain. Auch die Suchtberatungsstelle Addiction Valais verzeichne einen deutlichen Anstieg. Während 2023 noch 20 Personen wegen Ketaminkonsums betreut worden seien, seien es 2025 bereits 46 gewesen, sagte Direktor Thomas Urben. Die Entwicklung habe sich in den vergangenen Jahren beschleunigt und entspreche den nationalen und europäischen Daten. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Demos in Albanien vom 24. Oktober 2026
1 / 32
Demos in Albanien vom 24. Oktober 2026
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Proteste in Frankreich: Polizei setzt Tränengas ein
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nächster Sturm in Anmarsch: Am Sonntag wird es ungemütlich
Nach dem Sturm «Austen», der gestern Abend im Flachland Böen von bis zu 100 km/h und in den Alpen über 120 km/h brachte, kehrte heute etwas Ruhe ein.
Zur Story