International
Frankreich

Von Paris bis Tirana: Europas Protest-Samstag in 6 Ländern

October 24, 2026, Barcelona, Spain: Demonstrators feed a burning barricade amid unrest in downtown Barcelona. Clashes between demonstrators and police, looting and widespread vandalism were reported a ...
Am Samstag kam es auch in Barcelona zu schweren Ausschreitungen.Bild: www.imago-images.de

Von Paris bis Tirana: Europas Protest-Samstag in 6 Ländern

Hunderttausende Menschen sind am Samstag in mehreren europäischen Ländern auf die Strasse gegangen. Die Gründe reichten von hohen Lebenshaltungskosten über Bildung und Wohnungsnot bis zu Renten und Korruption. In einigen Ländern kam es auch zu Zusammenstössen oder Ausschreitungen.
25.10.2026, 04:0025.10.2026, 04:36

Europa hat einen unruhigen Samstag erlebt. Am 24. Oktober fanden in mindestens sechs Ländern grössere Demonstrationen statt. Eine gemeinsame Bewegung steckt nicht dahinter: Die Proteste hatten je nach Land völlig unterschiedliche Auslöser. Eine Übersicht:

Frankreich: 410'000 auf der Strasse, fast 1000 Festnahmen

Frankreich erlebte mit Abstand die grössten Proteste. Nach Angaben des Innenministeriums gingen landesweit rund 410'000 Menschen auf die Strasse, davon etwa 110'000 in Paris. Gewerkschaften sprachen sogar von fast 800'000 Teilnehmenden. Im Zentrum standen unter anderem hohe Lebenshaltungskosten, Kürzungen und Probleme im Bildungssystem.

Während viele Demonstrationen friedlich verliefen, kam es in Paris und mehreren anderen Städten zu schweren Zusammenstössen. Vermummte warfen Gegenstände und Feuerwerkskörper auf Polizisten, die mit Tränengas und Wasserwerfern reagierten. Fast 1000 Menschen wurden festgenommen. Insgesamt waren 70'000 Polizisten im Einsatz.

Bilder aus Paris:

1 / 37
Demos in Paris vom 24. Oktober 2026
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Italien: Krawalle in mehreren Städten

Auch in Italien demonstrierten Tausende gegen steigende Lebenshaltungskosten, Aufrüstung und die Politik der Regierung von Giorgia Meloni. Proteste gab es unter anderem in Mailand, Rom, Turin, Bologna, Neapel und Florenz.

In Turin, Rom und Bologna kam es laut Reuters zu Zusammenstössen zwischen Demonstrierenden und Polizei. Flaschen, Steine und Feuerwerkskörper wurden geworfen. Mailand, wo nach den schweren Krawallen eine Woche zuvor zusätzlich 500 Soldaten stationiert worden waren, blieb dagegen weitgehend ruhig. Die Polizei meldete neun Festnahmen und 371 vorübergehend festgehaltene Personen, darunter 110 Minderjährige.

Bilder aus Turin und Mailand:

1 / 31
Demos in Turin und Mailand vom 24. Oktober 2026
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Spanien: Friedlicher Protest in Madrid – Krawalle in Barcelona

In Spanien zeigte sich am Samstag ein völlig unterschiedliches Bild. In Madrid gingen nach Behördenangaben rund 25'000 Menschen friedlich für eine Absicherung der staatlichen Renten auf die Strasse. Gefordert wurden unter anderem Rentenerhöhungen entsprechend der Inflation und Schutz vor einer Privatisierung des Systems.

Ganz anders verlief der Abend in Barcelona. Bei einer über soziale Medien organisierten «Anti-System»-Demonstration plünderten vermummte Gruppen Geschäfte und legten mehr als 30 Feuer. 14 Läden wurden beschädigt oder geplündert, 100 Menschen festgenommen. Rund ein Viertel der Festgenommenen waren minderjährig. Die Mobilisierung verwendete dabei auch den Namen «Institut Indignats», angelehnt an die französische Schülerbewegung.

Bilder aus Barcelona:

1 / 23
Demos in Barcelona vom 24. Oktober 2026
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Albanien: Tränengas und brennendes Regierungsgebäude

In Tirana eskalierten die seit Tagen andauernden Proteste gegen die Regierung von Ministerpräsident Edi Rama erneut. Tausende demonstrierten gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und Probleme im Bildungssystem. Teile der Bewegung fordern Ramas Rücktritt.

Demonstrierende warfen Steine auf Sicherheitskräfte und setzten den Eingang des Landwirtschaftsministeriums in Brand. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein. Die Proteste gehören zu den grössten Herausforderungen für Ramas Regierung seit Jahren.

Bilder aus Tirana:

1 / 32
Demos in Albanien vom 24. Oktober 2026
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Belgien: Zusammenstösse bei Bildungsprotesten

In Brüssel gingen mehrere Hundert vorwiegend junge Menschen auf die Strasse. Sie forderten mehr Geld für das Bildungssystem und warfen der Polizei übermässige Gewalt bei früheren Protesten vor.

Auch am Samstag kam es zu Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray ein. Demonstrierende warfen Strassenschilder und andere Gegenstände auf einen Haufen aus Mietvelos und E-Scootern und versuchten, diesen anzuzünden. Fünf Personen wurden vorübergehend wegen Störung der öffentlichen Ordnung festgehalten, vier weitere wegen verbotener Waffen beziehungsweise des Aufrufs zu Ausschreitungen. Die Polizei sprach dennoch von keinen grösseren Zwischenfällen.

Portugal: Tausende fordern bezahlbare Wohnungen

Deutlich friedlicher verliefen die Proteste in Portugal. Tausende Menschen zogen in Lissabon für bezahlbaren Wohnraum durch die Innenstadt. Auch in Porto sowie in Aveiro, Braga und Coimbra waren Protestaktionen und Versammlungen angekündigt.

Die Demonstrierenden verlangen unter anderem mehr öffentlichen Wohnraum, Mietpreisbegrenzungen, Einschränkungen beim Kauf von Wohnungen durch Immobilienfonds und Schutz vor Zwangsräumungen ohne alternative Unterkunft. Die Wohnkosten sind seit Wochen eines der dominierenden politischen Themen in Portugal. Von grösseren Ausschreitungen am Samstag wurde nicht berichtet.

Fazit:

Damit zeigte sich am Samstag zwar in mehreren Teilen Europas gleichzeitig grosser gesellschaftlicher Unmut – die Ursachen waren jedoch unterschiedlich. Während in Frankreich vor allem Lebenshaltungskosten und öffentliche Dienste im Zentrum standen, ging es in Italien zusätzlich um Krieg und Aufrüstung, in Spanien um Renten und Anti-System-Proteste, in Albanien um die Regierung und Korruption, in Belgien um Bildung und in Portugal vor allem um die Wohnungsnot. (mke)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Frankreich Studentenproteste 17. Oktober
1 / 46
Frankreich Studentenproteste 17. Oktober
quelle: www.imago-images.de / imago images
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Proteste in Frankreich: Polizei setzt Tränengas ein
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Ukraine und Russland einigen sich auf Waffenruhe um Oleschky – das wissen wir
Die Kriegsparteien haben nach einer entsprechenden US-Ankündigung eine lokal begrenzte Waffenruhe in der seit Monaten abgeriegelten Frontstadt ab Dienstag bestätigt.
Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow sagte dem US-Verteidigungsministerium zufolge, im Rahmen einer humanitären Operation im Bereich von Oleschky würden die russischen Streitkräfte das Feuer in der Richtung Cherson dann einstellen. Auch Kiew stimmte einer Waffenruhe zu.
Zur Story