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Parlamentskommission für Eizellenspenden
Ein 20 Wochen altes Embryo.
Ein 20 Wochen altes Embryo.
Bild: KEYSTONE

Hoffnung für unfruchtbare Frauen: «Sperma ja, Eizelle nein» könnte bald vorbei sein

Jährlich reisen hunderte Paare ins Ausland, um sich fremde Eizellen einpflanzen zu lassen. Denn in der Schweiz ist das verboten. Noch. Eine parlamentarische Initiative will dies ändern. 
11.04.2014, 20:4412.04.2014, 11:19

Sperma ja, Eizelle nein: Heute dürfen verheiratete Paare in der Schweiz auf eine Samenspende zurückgreifen, wenn der Mann unfruchtbar ist. Ist die Frau unfruchtbar, ist die Lage eine andere: Bringen weder Hormonbehandlungen noch In-Vitro-Befruchtungen (Zeugungen im Reagenzglas) eine erhoffte Schwangerschaft, bleibt nur die Eizellenspende.

Jetzt ist die gesetzliche Wende in Sicht: Am Freitag hat die Wissenschaftskommission von National- und Ständerat eine parlamentarische Initiative abgesegnet, die auch die Eizellenspende erlauben soll. Nun kann die Nationalratskommission einen Gesetzesentwurf ausarbeiten. 

Offene Fragen
Kritiker befürchten, dass die Aufhebung des Verbots zu einer Kommerzialisierung führt. Nötig sind deshalb Vorkehrungen, damit Frauen Eizellen nicht aus sozialer Not spenden. Im Ausland erhält eine Spenderin gemäss Beobachter pro Entnahmezyklus 700 Euro. Denn anders als der Mann bei der Samenspende muss die Eizellenspenderin einen medizinischen Eingriff auf sich nehmen. Auch das Alter gibt Anlass zur Diskussion: Richtig medikamentös eingestellt könnten bei einer Eizellenspende auch Frauen in hohem Alter schwanger werden. Mediziner plädieren deshalb für eine Altersbegrenzung von 45 Jahren für Empfängerinnen. 

Bruno Imthurn, Direktor der Klinik für Reproduktions-Endokrinologie befürwortet diesen Entscheid gegenüber watson. Denn: «Die Eizellspende ist eine Realität in Europa», sagt Imthurn. Dass sie in der Schweiz verboten ist, sei diskriminierend und treibe kinderlose Paare in der Hoffnung auf Familienzuwachs ins Ausland. Imthurn schätzt, dass mehrere hundert Paare jährlich deswegen in eines der 23 EU-Länder reisen, in denen Eizellenspenden erlaubt sind. Dort lassen sich die Frauen Eizellen, befruchtet von Spermien des eigenen Partners, einpflanzen. 

In-Vitro-Befruchtungen sind in der Schweiz erlaubt (hier: Universitätsfrauenklinik in Bern), Eizellenspenden (noch) nicht.
In-Vitro-Befruchtungen sind in der Schweiz erlaubt (hier: Universitätsfrauenklinik in Bern), Eizellenspenden (noch) nicht.
Bild: KEYSTONE

Der Fortpflanzungstourismus birgt Gefahren

Dazu müssen sie nur wenige Untersuchungen durchführen. Sobald eine passende Spenderin gefunden ist, wird diese mit Hormonen stimuliert, damit möglichst viele Eizellen zugleich heranwachsen. Die Empfängerin erhält Präparate, die ihre Gebärmutter darauf vorbereiten, dass sich ein fremder Embryo einnisten kann. Betroffene müssen allerdings tief in die Tasche greifen: Ein Behandlungszyklus kostet für Paare rund 11’000 Franken. Die Chancen auf Erfolg lassen sich kaum einschätzen.

Der Fortpflanzungstourismus birgt jedoch auch Gefahren: «Es gibt im Ausland seriöse und weniger seriöse Zentren», sagt Imthurn. «Viele Frauen kehren mit Frühgeburten oder Mehrlingsgeburten zurück.» Neben den tragischen Frühgeburten hätte das enorme Kosten für das Gesundheitssystem zur Folge. Gemäss Beobachter reisen die meisten Schweizer nach Tschechien oder Spanien. Die spanische Klinikgruppe IVI zählte im Jahr 2012 über 280 Schweizer Paare zu ihren Kunden – Tendenz steigend. 

Auch das Prager Kinderwunschzentrum IVF profitiert vom Verbot in der Schweiz. Auf Anfrage von watson bestätigt das Zentrum: «Wir haben zwar nicht massenhaft Schweizer Kunden, aber doch immer wieder welche. Zwei Paare pro Monat sind es mindestens.»

Jedes sechste Paar betroffen

Enttäuschungen, gesundheitliche Risiken, seelische Strapazen: Der Fortpflanzungstourismus zeigt, wie weit Paare bereit sind zu gehen, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Und wie viele mittlerweile auf eine künstliche Befruchtung angewiesen sind. Laut Schätzungen leidet in der Schweiz jedes sechste Paar unter Fertilitätsproblemen. 

Allein 2012 liessen sich über 6000 Frauen in über 10’000 Behandlungszyklen künstlich befruchten, wie die Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen. Mehr als 2000 ausserhalb des Mutterleibs gezeugte Babys kamen zur Welt. Damit haben sich die Zahlen zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung in der Schweiz in nur zehn Jahren verdoppelt. 

Gemäss Imthurn sind es typischerweise Frauen nach einer Krebsbehandlung, die auf fremde Eizellen angewiesen sind. Aber auch die Sterilität des Mannes oder die abnehmende Fruchtbarkeit der Frau mit zunehmendem Alter kann für eine ausbleibende Schwangerschaft verantwortlich sein. 

Die Anzahl der Frauen, die immer später ihr erstes Kind bekommen, steigt. Laut dem Bundesamt für Statistik liegt das Durchschnittsalter der Frauen, die zum ersten Mal gebären, heute bei 31,2 Jahren. 35-jährige und ältere Frauen bekommen verhältnismässig mehr Kinder als Mittzwanzigerinnen. (dwi/sda)

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