Schweiz
Grüne

SVP-Kantonsrat Hürlimann äussert sich zur «Zuger Sexaffäre»

«Wäre schon viel früher hingestanden und hätte Tacheles geredet»: Jetzt spricht Markus Hürlimann über die «Zuger Sexaffäre»

27.09.2015, 03:3027.09.2015, 08:34

Die «Zuger Sexaffäre» ist um ein Kapitel (umfang)reicher: In der SonntagsZeitung äussert sich SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann über die Nacht, die sein Leben veränderte, über Parteikollegen und seinen Rat an Jolanda Spiess-Hegglin.

«Ganz viele falsche Dinge»: Hürlimann kritisiert «Vice»-Artikel.
«Ganz viele falsche Dinge»: Hürlimann kritisiert «Vice»-Artikel.
Bild: KEYSTONE

Mit dem jüngsten Artikel im Online-Magazin «Vice» sei eine Grenze überschritten worden, sagte Hürlimann in einem Interview mit der «SonntagsZeitung»: Darin hätten «nachweislich ganz viele falsche Dinge» gestanden. Daher habe er durch seinen Anwalt Dokumente aus dem Strafverfahren veröffentlichen lassen, die intime Details über Spiess-Hegglins Sexualleben enthielten.

«Ich wurde dadurch fast vernichtet, auf allen Ebenen. Ich kann doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.»
Markus Hürlimann

Warum er erst jetzt spricht:

«Ich habe auf mein Umfeld gehört. Man riet mir, erst etwas zu sagen, wenn das Verfahren abgeschlossen ist. ‹Am Schluss, am Schluss!›, habe ich mir immer gedacht. Bloss wusste ich nicht, dass der Schluss so spät kommt.» Es sei hart gewesen, zu schweigen, während die Gegenseite «Dinge der Presse sagte, die nicht stimmten», und man sich einfach nicht wehren könne, weil man sonst die Untersuchungen behindern würde.

«Enttäuscht von Exponenten dieser Partei»: SVP-Kantonsrat Hürlimann.
«Enttäuscht von Exponenten dieser Partei»: SVP-Kantonsrat Hürlimann.
Bild: KEYSTONE

Was aus seiner Sicht in jener Nacht geschehen ist:

«In der Captains Lounge ist es zu einer intimen Annäherung gekommen. Danach endete der Abend. Die anderen Gäste haben das Schiff verlassen, wir beide ein paar Minuten später auch.»

Wieso er Anzeige erstattet hat:

«Ich wollte, dass alles so schnell wie möglich vorbeigeht. Ich wollte es einfach nur überstehen. Aber das, was Frau Spiess-Hegglin gemacht hat, geht einfach nicht: Sie hat mich bewusst als Vergewaltiger und Schänder hingestellt. Ihre Darstellung hiesse ja: Ich wäre mit K.o.-Tropfen an die Feier gegangen, weil ich ein weibliches Opfer gesucht hätte. Ich wurde dadurch fast vernichtet, auf allen Ebenen. Ich kann doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.»

Wie sich die SVP in der Sache verhielt:

«Man kann es nicht oft genug sagen: Ich bin unschuldig und wusste es vom ersten Tag an.»
Markus Hürlimann, Zuger SVP-Politiker

Er sei enttäuscht – nicht von der Partei – aber von einzelnen Menschen, «von Exponenten dieser Partei, das ist richtig». Rechenschaft ablegen müsse er einzig vor seiner Frau – ihr gegenüber sei ihm das «peinlich».

Was er von der Schweizer Justiz hält:

«Ich habe mir einen Rechtsstaat nicht so vorgestellt, dass eine blosse Vermutung Derartiges auslösen kann.»

Was er Spiess-Hegglin wünscht:

«Damit abschliessen»: Jolanda Spiess-Hegglin.
«Damit abschliessen»: Jolanda Spiess-Hegglin.
Bild: KEYSTONE

«Man hofft immer, dass es irgendwann vorbei ist. Und dass Frau Spiess damit abschliessen kann. Dass sie akzeptiert, dass sie kein Opfer ist. Und vor allem, dass ich ihr nichts angetan habe. Dass ich kein Täter bin.»

Was er im Nachhinein anders machen würde:

«Ich würde nicht an die Feier gehen. Oder früher nach Hause.»

Was am schwierigsten war:

«Wenn ich gewusst hätte, dass sich das Verfahren so lange hinzieht, wäre ich schon viel früher hingestanden und hätte Tacheles geredet. Weil mich ja alle Zeugen von Anfang an entlastet haben. Man kann es nicht oft genug sagen: Ich bin unschuldig und wusste es vom ersten Tag an.»

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