Schweiz
Häusliche Gewalt

Baume-Schneider will besseren Schutz vor K.o.-Tropfen

Häusliche Gewalt

Baume-Schneider will besseren Schutz vor K.o.-Tropfen

09.08.2026, 07:1509.08.2026, 07:15
Bundesraetin Elisabeth Baume-Schneider spricht an einer Medienkonferenz zur Aenderung des Sprachengesetzes, Eroeffnung des Vernehmlassungsverfahrens, am Freitag, 12. Juni 2026, in Bern. (KEYSTONE/Pete ...
Elisabeth Baume-Schneider will gegen chemische Unterwerfung vorgehen.Bild: keystone

Die Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider hat in einem Interview einen besseren Schutz vor sexueller Gewalt mittels chemischer Substanzen gefordert. «Wir müssen Prävention und Information verbessern», sagte Baume-Schneider zum «SonntagsBlick».

In der Öffentlichkeit sei bisher zu wenig bekannt gewesen, dass chemische Unterwerfung auch zu Hause passiere, sagte die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI) in dem am Sonntag zunächst online veröffentlichten Interview. Jüngst bekannt gewordene Fälle hätten dies aufgezeigt. Sie rechnet damit, dass noch mehr Fälle ans Licht kommen werden.

Zwar sei es laut Betäubungsmittelgesetz verboten, einer Person Substanzen zu verabreichen, um sie hilflos und fügsam zu machen. «Aber es gibt sicher noch Verbesserungspotenzial», sagte Baume-Schneider. Parlamentarische Vorstösse zielten darauf ab, Lücken zu schliessen, etwa bei der Verfügbarkeit von Medikamenten.

«Wir brauchen mehr Prävention durch Aufklärung, und es braucht Strafbehörden, die die Taten konsequent verfolgen», sagte Baume-Schneider. Betroffene sollten nicht zögern, Hilfe zu holen und sofort ein Spital aufzusuchen.

Frauen «haben grossen Mut bewiesen»

«Das Problem sind nicht sie, sondern der Täter», sagte die Innenministerin. «SonntagsBlick» sprach sie auf den kürzlich publik gewordenen Fall um den ehemaligen Aargauer SVP-Grossrat Patrick Frei an. Er soll mehrere Frauen und eine Minderjährige unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht haben. Das teilte die Staatsanwaltschaft Aargau Ende Juli mit. «Die beiden Frauen, die an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben grossen Mut bewiesen», sagte Baume-Schneider.

Gewalt gegen Frauen sei ein strukturelles Problem, das in der ganzen Gesellschaft vorkomme. «Chemische Unterwerfung und Vergewaltigungen können überall passieren – auch mit Schweizer Bürgern als Tätern», sagte die SP-Bundesrätin. Von einem gewählten Politiker erwarte sie ein noch vorbildlicheres Verhalten als von allen anderen.

Bereits im Februar hatte der Bund eine nationale Strategie gegen häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt angekündigt. Das Departement des Innern und das Justiz- und Polizeidepartement wollen das, was sie bisher gegen Gewalt unternommen haben, in der gemeinsamen Strategie zusammenführen. Die beiden Departemente wollen die Strategie im nächsten Jahr lancieren, wie Baume-Schneider sagte. (sda)

Video: watson/ sabeth vela
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