Schweiz
Homosexualität

«Demokratiefeindlich»: Facebook sperrt Petition gegen die Homo-Ehe

Facebook sperrt Petition gegen Homo-Ehe – zum Ärger der EDU

Eine Petition, die sich gegen die «Ehe für alle» in der Schweiz ausspricht, wurde von Facebook gesperrt. Die Petition verstosse gegen die Gemeinschaftsstandards der Plattform, so die Begründung. Das stösst der EDU sauer auf.
11.08.2020, 09:0011.08.2020, 09:09

Vergangenen Freitagabend sperrt Facebook einen Unterschriften-Aufruf der Schweizer Petition «Samenspende und Kinder-Adoption für Homosexuelle verhindern – Nein zur Homo-Pseudo-Ehe!». Der Grund: Der Beitrag habe gegen die Gemeinschaftsstandards zu Hassrede verstossen.

Screenshot des gesperrten Unterschriften-Aufrufs auf Facebook.
Screenshot des gesperrten Unterschriften-Aufrufs auf Facebook. edu-medienmitteilung

Das stösst einer Partei besonders schwer auf: Die EDU, bekannt für christliche und national-konservative Werte, sei zutiefst beunruhigt über diese «gesellschaftliche Entwicklung», schreibt die Partei in einer Mitteilung.

«Ein demokratiefeindlicher Akt.»
EDU-Parteipräsident Frischknecht

Parteipräsident Daniel Frischknecht führt aus: «Die Meinungsfreiheit ist ein elementarer Teil der schweizerischen Demokratie. Das Vorgehen von Facebook gegen die Petition ist ein demokratiefeindlicher Akt, eine Form der Zensur.»

«Kein Hass gegen Homosexualität»

Obwohl der Aufruf nicht von der Partei selbst stammt, stimme man bezüglich der Inhalte überein. «Wir haben nie Hass gegenüber Homosexualität geäussert», sagt Frischknecht. «Als Christen sind wir gegen diese Lebensart, aber wir haben nichts gegen homosexuelle Menschen. Für uns ist das einfach nicht natürlich.»

Wie Facebook Hassrede definiert:
Facebook definiert den Begriff der Hassrede wie folgt: «Direkter Angriff auf Personen aufgrund geschützter Eigenschaften: ethnische Zugehörigkeit, nationale Herkunft, religiöse Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung, Kaste, Geschlecht, Geschlechtsidentität, ernsthafte Erkrankung oder schwere Behinderung.»

Facebook definiert Angriff als gewalttätige oder menschenverachtende Sprache, Aussagen über Minderwertigkeit oder Aufrufe, Personen auszugrenzen oder zu isolieren.

In der Mitteilung wird auch auf das Recht des Kindes verwiesen, in einem idealerweise intakten Elternhaus aufzuwachsen – mit Mann und Frau, versteht sich. Das sei wichtig für die Identitätsentwicklung des Kindes, sagt Frischknecht. Es gebe – weder für hetero- noch homosexuelle Paare – ein Recht auf Kinder.

Am 11. Juni hat der Nationalrat beschlossen, dass gleichgeschlechtliche Paare in der Schweiz die Ehe eingehen sollen können. Gleichzeitig sprach sich die grosse Kammer für einen Zugang lesbischer Ehepaare zur Samenspende aus.

In der kommenden Herbstsession entscheidet nun auch der Ständerat über die «Ehe für alle». Falls dieser der Vorlage ebenfalls zustimmen sollte, will die EDU das Referendum ergreifen.

(adi)

Was ist Deine Meinung zur Reaktion der EDU auf Facebook?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1314 Personen teilgenommen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Liebe für alle! Die Welt feiert den US-Entscheid über die Homo-Ehe
1 / 20
Liebe für alle! Die Welt feiert den US-Entscheid über die Homo-Ehe
28. Juni 2015: Der amerikanische Supreme Court schreibt Geschichte: Die Homo-Ehe ist im ganzen Land für rechtens erklärt worden.
quelle: epa/epa / tannen maury
Auf Facebook teilenAuf X teilen
LGBT-Paar in Disney-Serie – Konservative drohen mit Boykott
Video: watson
Der Prämienrechner zeigt, wie viel du für deine Krankenkasse 2027 zahlen musst
Alle Jahre wieder: Die Krankenkassenprämien steigen. Im Jahr 2027 werden die Prämien im Durchschnitt 5,0 Prozent teurer. Seit der Einführung des Krankenkassenobligatoriums vor 30 Jahren haben sich die Prämien mehr als verdreifacht. Finde mit unserem Rechner heraus, ob du bei der Krankenkasse noch sparen kannst.
Am 1. Januar 1996 trat das Krankenversicherungsgesetz in Kraft. Es schreibt vor, dass alle in der Schweiz wohnhaften Personen eine Grundversicherung bei einer Krankenkasse abschliessen müssen. Während das Obligatorium gesetzlich vom Staat vorgeschrieben wird, sind Krankenkassen in der Schweiz private Unternehmen.
Zur Story