Schweiz
Hooligans

Renitente Fussballfans sollen wie Verkehrssünder gebüsst werden

Fans des FC Zürich werden von der Polizei eingekesselt.
Fans des FC Zürich werden von der Polizei eingekesselt.Bild: KEYSTONE

Renitente Fussballfans sollen wie Verkehrssünder gebüsst werden

Jetzt beginnt die politische Aufarbeitung des Aargauer Polizeieinsatzes gegen Fussballfans vor einer Woche. Morgen Dienstag sind im Kantonsparlament verschiedene Vorstösse geplant.
04.05.2015, 06:4304.05.2015, 10:06
Rolf Cavalli
Ein Artikel von
Aargauer Zeitung

Sicherheitsdirektor Urs Hofmann wird morgen Dienstag kritische Fragen zur Festnahme von Unbeteiligten entgegennehmen müssen. Der Grüne Daniel Hölzle will die Polizeiaktion mit einer Interpellation durchleuchten. 

Bestärkt wird der Grossrat aus Zofingen durch die Kritik von Rechtsanwalt Urs Oswald, der in der Aargauer Zeitung die Festnahme von Unbeteiligten als «Amtsmissbrauch» und «Freiheitsberaubung» brandmarkte. 

In den Fokus der Diskussion rückt nun aber auch wieder das Kernproblem des Polizeieinsatzes: Die Fussballfans, die sich als Störenfriede in Szene setzten und mit ihrem unerwünschten Aufmarsch in Aarau am vorletzten Samstag überhaupt ein derart massives Polizeiaufgebot provoziert und Kosten von über 300'000 Franken verursacht haben. Die rund 300 eingekesselten FCZ-Fans konnten zwar durch Kontrollen identifiziert werden, eine Strafe oder eine Busse haben sie nicht zu befürchten. Dafür fehlt die Gesetzesgrundlage.

Unbürokratisch und schnell büssen 

Das will CVP-Grossrätin Marianne Binder ändern. «Es sollen praxistaugliche gesetzliche Grundlagen geschaffen werden, damit Personen, welche die polizeilichen Anordnungen bei Kundgebungen oder Sportveranstaltungen nicht befolgen, schnell und unbürokratisch durch die Kantonspolizei gebüsst werden können.» Diese Forderung reicht Binder morgen in Form einer Motion und im Namen der CVP-Fraktion ein. 

«Verstösse sollen ähnlich zu einem Bussensystem, das im Strassenverkehr zur Anwendung kommt, geahndet werden», schlägt Marianne Binder vor. «Das würde die Polizeiarbeit vereinfachen und unterstützen», glaubt die CVP-Politikerin. «Wenn ich falsch parkiere oder zu schnell fahre, muss ich schliesslich auch bezahlen.» 

Bayern als Vorbild

Binder hat ihre Idee aus Bayern. Dort habe sich ein solches System im Einsatz gegen das Ärgernis des Hooliganismus und der Gewaltbekämpfung im Umfeld von Sportveranstaltungen bewährt. Tatsächlich sieht das Bayerische Versammlungsgesetz von 2008 vor, Geldbussen bis zu 5000 Euro auszusprechen, wenn jemand zum Beispiel eine untersagte Versammlung nicht unverzüglich verlässt, verbotene Gegenstände mit sich führt oder sich Beamten widersetzt. 

Ordnungsbussen für potenzielle Chaoten hat Binder bereits vor vier Jahren schon einmal gefordert. Damals auf nationaler Ebene als Kommunikationschefin der CVP Schweiz. Passiert ist damals nichts, die Probleme mit Fussballfans haben sich weiter verschärft. Nach den jüngsten Ereignissen in Aarau versucht es Binder deshalb als Grossrätin auf kantonaler Ebene. Nach dem AZ-Interview vom Samstag mit dem zuständigen Regierungsrat Urs Hofmann hegt Binder Hoffnung. Immerhin sagte der Sicherheitsdirektor, «ein unkompliziertes Vorgehen in Richtung Ordnungsbussen ist prüfenswert». 

Jetzt auf

Vermummungsverbot im Stadion 

Flankiert wird Binders Vorstoss durch eine Motion ihrer Fraktionskollegin Theres Lepori. Die CVP-Grossrätin will das Vermummungsverbot auf Stadien ausdehnen. Es könne nicht sein, dass innerhalb eines Stadions ein geschützter Raum für gewaltbereite Fans entstehe und diese durch Vermummung nicht identifiziert und damit nicht zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Auch sie fordert drakonische Strafen. 

Hohe Bussen für St.Galler 

Vor rund 7 Monaten kamen über 300 St.Gallen-Fans zum Match nach Aarau. Viele von ihnen prügelten sich mit Aarau-Fans vor einem Pub an der Bahnhofstrasse in Aarau. Laut «Schweiz am Sonntag» wurden jetzt gegen sechs St.Galler von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau Strafbefehle erlassen. Vier davon sind bereits rechtskräftig. Eine Rekordbusse beträgt 9900 Franken.

Fullkit Wankers – Diese Sportfans haben das ganze Jahr Fasnacht

1 / 52
Fullkit Wankers – Diese Sportfans haben das ganze Jahr Fasnacht
Der allgemein gültige Dress Code für Las Ramblas in Barcelona.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Parmelin-Rücktritt deutet sich an: Was die EU-Verträge damit zu tun haben
In letzter Zeit wird vermehrt über den baldigen Rücktritt von Guy Parmelin spekuliert. Eine wichtige Rolle beim Entscheid des SVP-Bundesrats könnte das EU-Vertragspaket spielen.
Diese Woche hatte Guy Parmelin einen grossen Auftritt in New York. Als amtierender Bundespräsident durfte der Waadtländer in der jährlichen Generaldebatte vor der UNO sprechen. Es war eine typische Parmelin-Rede: bedächtig, abwägend, nicht sonderlich inspiriert. Rhetorik-Talent oder gar Charisma hat ihm noch nie jemand bescheinigt.
Zur Story