Schweiz
International

Neue Studie: Die Hälfte aller Menschen lebt ohne sicheres Trinkwasser

epa11455951 A child holds a container as displaced Palestinians collect drinking water from a water tanker at a makeshift camp in the Khan Yunis refugee camp in the southern Gaza Strip, 03 July 2024.  ...
Ein Kind im Gazastreifen trinkt Wasser aus einem bereitgestellten Tank.Bild: keystone

Hälfte aller Menschen hat kein sicheres Trinkwasser – deutlich mehr, als bisher angenommen

15.08.2024, 20:0016.08.2024, 08:21

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. In einer neuen Studie schätzen Forschende der Eidgenössischen Wasserforschungsanstalt Eawag die Zahl von Menschen ohne angemessene Trinkwasserversorgung auf 4,4 Milliarden.

«Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist ein Menschenrecht», betonte Studienerstautorin Esther Greenwood von der Eawag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Es sei daher wichtig, Schätzungen dazu zu haben, bei wie vielen Personen dieses Recht verletzt werde, die am Donnerstag in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht wurde.

Anteil der Bevölkerung, die nicht über eine sichere Trinkwasserversorgung verfügen, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.
Anteil der Bevölkerung, die nicht über eine sichere Trinkwasserversorgung verfügen, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.karte: E. E. Greenwood et al., Science 385:784, doi: 10.1126/science.adh9578 (2024))

Im Vergleich zu den am Donnerstag in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlichten Zahl scheinen bisherige Berechnungen das Problem deutlich unterschätzt zu haben: Eine Schätzung des gemeinsamen Monitoring-Programms (Joint Monitoring Programm, JMP) der Weltgesundheitsorganisation WHO und des Kinderhilfswerks Unicef vom Jahr 2020 fiel nur halb so hoch aus. Sie schätzten, dass rund zwei Milliarden Menschen weltweit keine sichere Trinkwasserversorgung hatten. Grund für die bisherige Unterschätzung ist laut Greenwood, dass es an Daten mangelt. «Auch unsere Zahl könnte noch eine Unterschätzung sein», so die Forscherin.

Künstliche Intelligenz hilft beim Schätzen

Um trotz der mangelhaften Datenlage eine aussagekräftige Schätzung machen zu können, griffen die Forschenden für ihre Studie auf Künstliche Intelligenz (KI) zurück. Sie trainierten ein Computermodell mit maschinellem Lernen mit vorhandenen Datensätzen aus Haushaltsbefragungen aus 27 Ländern und Daten aus Erdbeobachtungen. Dieses Modell wurde dann auf jene Orte angewandt, für die es keine entsprechenden Daten gibt. Insgesamt schätzten die Forschenden so die Anzahl an Personen ohne sichere Trinkwasserversorgung in 135 Ländern.

Dieser Ansatz ist laut Greenwood für dieses Fachgebiet neu. Länder mit hohem Einkommen wurden in der Studie nicht betrachtet, weil sie im Trainingsdatensatz nicht vertreten waren. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass auch einige Bevölkerungsgruppen in Ländern mit hohem Einkommen unzureichenden Zugang zu sicherem Trinkwasser haben, wie die Forschenden in der Studie schrieben.

Verschmutzung als grösstes Problem

In den 135 untersuchten Ländern hat demnach nur eine von drei Personen Zugang zu sicherem Trinkwasser. In den meisten Fällen scheiterte es laut der Studie dabei an der Sauberkeit: Das Trinkwasser von fast der Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner der untersuchten Länder war mit Fäkalien verschmutzt.

Regionen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen fäkale Verunreinigungen, mangelnde Zugangsmöglichkeiten und Wasserknappheit die sichere Trinkwasserversorgung einschränken.
Regionen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen fäkale Verunreinigungen, mangelnde Zugangsmöglichkeiten und Wasserknappheit die sichere Trinkwasserversorgung einschränken.karte: E. E. Greenwood et al., Science 385:784, doi: 10.1126/science.adh9578 (2024))

Andere Trinkwasserversorgungsstellen gelten als unsicher, weil sie sich nicht im Haus oder auf dem Grundstück der Bezügerinnen und Bezüger befinden, oder weil sie nicht ausreichend Wasser liefern.

«Weit vom Ziel entfernt»

«Unsere Studie zeigt, dass wir weit vom Ziel einer sicheren Trinkwasserversorgung für alle Menschen entfernt sind», sagte Greenwood. Sie hofft, dass die Studie dazu beiträgt, die Lage zu verbessern.

Besonders betroffen waren dabei ländliche Gebiete einkommensschwacher Länder mit hohen Temperaturen und starken saisonalen Niederschlagsschwankungen. In mehreren afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind es weniger als zehn Prozent der Bevölkerung, die Zugriff auf sauberes Trinkwasser haben.

An der Studie beteiligt waren neben der Eawag auch die ETH Zürich, Unicef, die WHO, das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut und die Universität Basel. (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
World Water Day: 20 Bilder zeigen, wie kostbar Wasser ist
1 / 22
World Water Day: 20 Bilder zeigen, wie kostbar Wasser ist
Der Weltwassertag wird seit 1993 jährlich am 22. März begangen.
quelle: x02594 / soe zeya tun
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So gelangen Krankheitserreger ins Trinkwasser
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
AHV- und IV-Renten steigen um rund 1,6 Prozent
Der Bundesrat hat eine Erhöhung der AHV- und IV-Renten um durchschnittlich 1,59 Prozent beschlossen. Ab Januar 2027 steigt die maximale Altersrente bei voller Beitragsdauer auf 2560 Franken. Mit dem Entscheid ändern sich auch die Parameter in der beruflichen Vorsorge.
Die Eidgenössische AHV/IV-Kommission hatte die Erhöhung empfohlen. Die minimale AHV- und IV-Rente für eine Einzelperson mit voller Beitragsdauer steigt von 1260 auf 1280 Franken pro Monat. Die Maximalrente erhöht sich von 2520 auf 2560 Franken.
Zur Story