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Auch Putin verzweifelt an der Babykrise – mehr Eigenheime würden helfen

Auch Putin verzweifelt an der Babykrise – mehr Eigenheime würden helfen

Der Staat zahlt in zig Ländern viel Geld für höhere Geburtenraten, hat aber wenig dafür vorzuweisen.
04.01.2026, 05:4604.01.2026, 05:46
Niklaus Vontobel / ch media

Familien haben mehr Kinder, wenn Eigenheime erschwinglich sind. Dieser Einfluss des Eigenheimtraums auf die Geburtenrate zeigt sich in verschiedenen Ländern und Studien. So zum Beispiel, als die USA in den 1930-Jahren ein zuvor weltweit nie dagewesenes Experiment wagten: Erstmals überhaupt machten sie Hypotheken für junge mittelständische Familien zugänglich.

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Das Eigenheim als Schlüssel zur Lösung der Fertilitätskrise: Wer ein Haus hat, produziert eher Nachwuchs. (Symbolbild)Bild: Shutterstock

Eine Studie der US-Notenbank Fed hat die Folgen ausgewertet: Gingen in einem US-Staat mehr Hypotheken an junge Paare, kamen im Jahr darauf deutlich mehr Babys zur Welt – pro 1000 Hypotheken ungefähr 300 zusätzliche Babys. Die Autoren schreiben deshalb:

«Die dramatischen Veränderungen in der Verfügbarkeit von Wohneigentum könnten den Weg für den damaligen Babyboom geebnet haben.»

Die Autoren schliessen aus dieser historischen Erfahrung, dass es bedeutende Folgen für die Geburtenrate haben könnte, wenn Länder jungen Paaren den Kauf von Wohneigentum erleichtern.

Andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen – wie jene aus Brasilien, wo die Gewinner von Hypotheken-Lotterien mehr Kinder haben als die Verlierer. Und eine weitere aus den USA zeigt, dass mit höheren Häuserpreisen die Geburtenraten bei Nicht-Eigentümern fallen. In Grossbritannien wurde festgestellt, dass Geburtenraten steigen, wenn die Hypothekarzinsen fallen.

Anders gesagt: Es gibt mehr Babys, wenn öfter Träume vom Eigenheim in Erfüllung gehen; weniger Babys, wenn mehr Eigenheim-Träume scheitern.

Lange Liste des krachenden Scheiterns

Dieser Zusammenhang ist umso erstaunlicher, wenn man sich all die erfolglosen und kostspieligen Versuche anschaut, mit denen viele Länder ihre Geburtenrate erhöhen wollen. Das britische Magazin «The Economist» hat kürzlich diese lange Reihe des krachenden Scheiterns beschrieben.

Die nordischen Länder Dänemark, Norwegen und Schweden sind mit Mutterschaftsurlaub und grosszügiger Kinderbetreuung gescheitert. Frankreich mit dem höchsten finanziellen Aufwand aller reichen Industrieländer, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Südkorea hat nichts erreicht mit Gesamtausgaben von 270 Milliarden Dollar seit 2006, mit denen unter anderem tiefere Steuern für Eltern finanziert wurden, Hilfen während der Schwangerschaft und gar einer Partnervermittlung.

Laut dem «Economist» werden auch neue Initiativen scheitern, die lediglich mehr vom Gleichen anbieten. In China sind es Kinderbetreuung und tiefere Steuern für Eltern mit drei Kindern. In Frankreich will Präsident Emmanuel Macron eine «demografische Wiederbewaffnung» herbeiführen und dafür unter anderem für Fruchtbarkeitstests und Mutterschaftsurlaube zahlen. Donald Trump verspricht «Babyprämien für einen neuen Babyboom».

Trotz all dieser Versuche: die Geburtenrate bewegt sich nicht nach oben, sondern im Gegenteil immer weiter nach unten. In der Schweiz lag sie 2024 so tief wie seit 1971 nicht mehr, seit Beginn der Aufzeichnungen. Weltweit leben schon zwei Drittel aller Menschen in Ländern mit zu tiefen Geburtenraten: Es werden zu wenige Babys geboren, um die Bevölkerung gleich hochzuhalten. Sprich: Ohne Zuwanderung sinkt die Einwohnerzahl.

Mutterschaft laut Putin wunderbare Bestimmung

Selbst Alleinherrscher wie der russische Präsident Wladimir Putin können diesen Abwärtstrend nicht stoppen, geschweige denn umkehren. Und Putin hat wirklich vieles probiert, damit die Russen so viele Kinder wie möglich bekommen, wie die «Washington Post» und die «Moscow Times» beschrieben haben. Für Putin ist dies «das übergeordnete Ziel unserer Staatspolitik».

Putin probiert es mit Appellen. Im Herbst 2023 erklärte er beispielsweise im Kremlpalast, viele russische Gross- und Urgrossmütter hätten noch sieben, acht oder noch mehr Kinder gehabt.

«Wir sollten diese wunderbaren Traditionen bewahren und wiederbeleben.»

2024 sagte er am Internationalen Frauentag: «Ihr, liebe Frauen, seid fähig, die Welt mit eurer Schönheit, Weisheit und spirituellen Grosszügigkeit zu verändern, vor allem aber dank der grössten Gabe, mit der euch die Natur ausgestattet hat – der Fähigkeit, Kinder zu gebären. Mutterschaft ist eine wunderbare Bestimmung für Frauen.»

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Wladimir Putin hat keine Antwort auf Russlands Geburtenkrise.Bild: keystone

Putin versucht es mit dem Orden der «heldenhaften Mutter» bei zehn oder mehr Kindern. Mit dem Wettbewerb «Kommt schon, Mädels!», bei dem junge Frauen um die Wette singen, tanzen, kochen und staubsaugen. Er hat es mit Mutterschaftsgeld versucht, also Einmalzahlungen für die Geburt des ersten und des zweiten Kindes, und mit zig verschiedenen Zulagen.

Er hat den Zugang zu Abtreibungen erschwert. Organisationen mehr Geld gegeben, die sich für sogenannte traditionelle Familienwerte und gegen Scheidungen einsetzen. Frauenrechte wurden abgebaut, verschiedene Formen von häuslicher Gewalt entkriminalisiert. Ein neues Gesetz sieht hohe Geldstrafen vor für die Förderung einer «kinderlosen Ideologie».

Geholfen hat es bisher alles nichts. 2023 wurden in Russland laut dem staatlichen Statistikamt Rosstat bloss 1,26 Millionen Babys geboren – 9,5 Prozent weniger als noch 2021 und so wenige wie seit 1999 nicht mehr. Und laut einer Umfrage wollen 72 Prozent aller Frauen nicht mehr als zwei Kinder haben. Die «Moscow Times» gelangt zu folgendem Fazit:

«Trotz kostspieliger Programme und einer verstärkten Kampagne für traditionelle Familienwerte bekommen russische Frauen nicht mehr Kinder.»

(aargauerzeitung.ch)

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