Schweiz
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Bundesgericht hebt lebenslängliche Verwahrung gegen mehrmals rückfälligen Basler Sexualstraftäter auf



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Mehrfach rückfällig: Basler Vergewaltiger bekommt vor dem Bundesgericht Recht.
Bild: Keystone

Das Bundesgericht hat die Anordnung zu einer lebenslänglichen Verwahrung eines mehrfachen Sexualstraftäters aufgehoben. Die gesetzlichen Voraussetzungen dafür sind nicht erfüllt, da die Beeinträchtigung bei den letzten beiden Opfern nicht schwer sind, wie die Lausanner Richter festhalten.

Im Oktober 2011 und Februar 2012 hatte der mehrmals rückfällige Sexualstraftäter in seiner Wohnung in Basel zwei Frauen mit chemischen Substanzen sediert und sie in ihrem widerstandsunfähigen Zustand sexuell genötigt.

Das Strafgericht Basel-Stadt verurteilte den Mann im Juli 2013 wegen mehrfacher sexueller Nötigung und einfacher Körperverletzung zu viereinhalb Jahren Freiheitsentzug mit anschliessender lebenslänglicher Verwahrung. Das Appellationsgericht bestätigte das Urteil im Dezember vergangenen Jahres.

Das Bundesgericht hat eine Beschwerde des Mannes in einem am Montag publizierten Urteil teilweise gutgeheissen und den Entscheid der Vorinstanz aufgehoben. Das Appellationsgericht wird nun nochmals über den Fall befinden müssen.

Schwere ist entscheidend

Die Lausanner Richter halten in ihrem Urteil fest, dass für eine lebenslängliche Verwahrung der Täter mit seinem Verbrechen die physische, psychische oder sexuelle Integrität des Opfers «besonders schwer» beeinträchtigt haben muss. Oder er muss zumindest die Absicht haben, dies zu tun.

Diese Bedingung sei – entgegen der Feststellung des Appellationsgerichts – nicht erfüllt. Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid damit, dass die beiden Opfer wegen der Betäubung nicht bewusst miterlebt hätten, was ihnen widerfahren sei. Deshalb könnten sie das Geschehene ein Leben lang nicht verarbeiten.

Das Kriterium, dass ein Opfer nach der Tat nicht weiss, was geschehen ist, trifft auch bei der Schändung zu. Bei diesem Delikt nimmt ein Täter an einer widerstandsunfähigen Person sexuelle Handlungen vor. Dieser Straftatbestand gehört jedoch nicht zu den im entsprechenden Artikel des Strafgesetzbuches genannten Straftaten, die zu einer lebenslänglichen Verwahrung führen können.

Gemäss Bundesgericht kann deshalb im vorliegenden Fall nicht mit der Betäubung argumentiert werden. Auch seien die konkret ausgeführten Tathandlungen nicht als schwer zu bezeichnen. Der Mann wurde bei einem möglichen Strafmaximum von 15 Jahren mit viereinhalb Jahren bestraft.

Nicht zu entscheiden hatte das Bundesgericht vorliegend, ob der Täter die Voraussetzungen für eine ordentliche Verwahrung erfüllt, die bei andauernder Gefährlichkeit zeitlich ebenfalls uneingeschränkt ist.

(Urteil 6B_217/2015 vom 05.11.2015) (sda)

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • R&B 30.11.2015 23:12
    Highlight Highlight Wow! Kaum einer der Kommentatoren hat den Artikel gelesen. Hauptsache bashen gegen Richter und Staat. Kommt mir vor wie bei 20 Minuten. Auffälligerweise wiederum ein typisches SVP-Thema und die üblichen Verdächtigen, die mit eloquentem Wissen den Sachverhalt verdrehen und aggressiv unterwegs sind...
  • Wilhelm Dingo 30.11.2015 15:10
    Highlight Highlight Nicht schön diesen Bericht zu lesen. Eine Grundsatzdiskussion steht an: Wollen wir einem wiederholten Sexualstraftäter nochmals eine Chance geben (sich erneut zu vergreifen)? Wollen wir einem wiederholten Pädokriminellen nochmals eine Chance geben (sich erneut zu vergreifen)? Wollen wir einem wiederholten Mörder nochmals eine Chance geben (erneut zu töten)?
  • Menel 30.11.2015 14:25
    Highlight Highlight Die Frage, die sich mir als Frau nun stellt ist, wie traumatisiert muss man als Frau nach einer Vergewaltigung sein, damit Mann härter bestraft wird als für Finanzdelikte?
  • SVRN5774 30.11.2015 14:15
    Highlight Highlight Es muss ja unbedingt etwas schreckliches passieren bis man etwas tut. Schade. Aber nicht wundern, wenn Menschen Selbstjustiz ausüben.
  • jane * 30.11.2015 14:08
    Highlight Highlight Liebes watson, eine Infobox zum Thema ordentliche vs. lebenslängliche Verwahrung wäre hier hilfreich... Viele Leser scheinen den Artikel nicht richtig zu Ende zu lesen oder übersehen die Aussage des letzten Abschnitts.
    Es ist ja nicht so, dass der Täter nun auf freien Fuss gesetzt würde, im Gegenteil - er kann immer noch ordentlich verwahrt werden.
    • Datsyuk * 30.11.2015 14:55
      Highlight Highlight Erklärung: Bei der ordentlichen Verwahrung muss erstmals nach 2 Jahren überprüft werden, ob die verwahrte Person keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit darstellt, also entlassen werden oder weiterhin verwahrt werden soll. Danach wird die ordentliche Verwahrung jährlich überprüft.
      Die ordentliche Verwahrung kann immer wieder verlängert werden, also auch bis zum Tod der verwahrten Person dauern.
  • Thomas Jakober 30.11.2015 13:54
    Highlight Highlight Selber schuld, dieser Straftäter. Hätte er als weitere zusätzliche Straftat Drogen genommen, wäre er wahrscheinlich straffrei gesprochen worden und könnte sich bei der nächsten Straftat noch morden dazu leisten.
  • R&B 30.11.2015 12:57
    Highlight Highlight Für alle Motzis; wer bis zum Schluss lesen kann, ist im Vorteil: "Nicht zu entscheiden hatte das Bundesgericht vorliegend, ob der Täter die Voraussetzungen für eine ordentliche Verwahrung erfüllt, die bei andauernder Gefährlichkeit zeitlich ebenfalls uneingeschränkt ist."
  • beatz 30.11.2015 12:30
    Highlight Highlight Man müsste wohl vermehrt Bundesrichter vergewaltigen, aber «nicht besonders schwer» …
    • Michael Mettler 30.11.2015 13:05
      Highlight Highlight Danke für diesen schlauen Kommentar, weiter so!
  • elivi 30.11.2015 12:25
    Highlight Highlight und dass das ein wiederholungstäter ist, wird dabei nicht berücksitigt? soll heissen, du darfst soviel sexuell belästigen solange die opfer nicht ganz total krank daran werden? soll heissen wenn man nach sowas nicht gleich selbstmord gefährdet ist, kanns ja gar nicht so schlimm gewesen sein?
  • Calvin Whatison 30.11.2015 12:21
    Highlight Highlight was haben wir für schwammige Gesetze, Richtlinien in diesem Land!!! Dieser Entscheid, ist ein Hohn für jede Frau, unterste Schublade, echt jetzt.
  • lilas 30.11.2015 12:11
    Highlight Highlight mir fehlen die Worte
  • Lowend 30.11.2015 12:11
    Highlight Highlight Das wird den Befürwortern der automatischen Lynchjustiz gar nicht gefallen, dass die Lausanner Richter den Rechtsstaat höher Gewichten, als die zwar verständliche, aber rechtsstaatlich völlig fahrlässige Rachsucht des Volkes!
    • Lowend 30.11.2015 12:59
      Highlight Highlight Wann fordern die Verfechter der Lynchjustiz ihren ersten vollautomatischen Verurteilungsroboter der mit einem ultranationalistischen Partei- und Empörungsprogramm, mit Mildheitsunterprogramm für Verbrechen von Nationalisten und Finanzverbrecher läuft und wenn es um den Schutz der Allgemeinheit geht, warum propagieren die Ultranationalisten dann nicht tiefere Geschwindigkeiten innerorts, oder ein sehr strenges Waffenrecht, oder ein absolut restriktives Waffenexportgesetz, oder...? Wann schreit der erste in's Mikrophon: "Wollt ihr die totale Sicherheit und wollt ihr sie totaler als sie je war?"
    • Lowend 30.11.2015 14:39
      Highlight Highlight Wenn die Forderungen nach der Automatisierung und der damit einhergehenden Entmachtung der Justiz aus einer demokratischen Partei kommen würden, würde ich ihnen voll zustimmen, Hitz. Leider sind wir mit solchen Entmachtungs-Forderungen gegen die Unabhängigkeit der Justiz schon sehr nach an dem, was in totalitären Regimes abläuft und daher glaube ich, dass ich ganz adäquat reagiere, auch wenn das den "Wir sind das Volk"-Schreiern nicht gefallen mag. Im Zweifel immer für den Rechtsstaat, der das Recht des Individuums, selbst dass von widerlichsten Verbrechern(!) vor die Rache des Volkes stellt.
    • Lowend 30.11.2015 17:09
      Highlight Highlight Bei der Begründung gehe ich mit Ihnen einig, aber dass ist halt das Juristendeutsch für die Verhältnismässigkeit, welche leider in letzter Zeit von einer ganz bestimmten Partei heftigst angegriffen wir, was mich als Historiker an all die finsteren Zeiten erinnert, wo das Recht von totalitären Regimes als Machtinstrument missbraucht wurde? Daher ist es begrüssenswert, dass sich das höchste Gericht nicht der Gesinnungsjustiz beugt, sondern die Verfassung und die Rechtsstaatlichkeit zu seinen Massstäben macht, auch wenn die Begründung aus Sicht der Opfer einer erneuten Schändung gleichkommt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sverige 30.11.2015 12:06
    Highlight Highlight Wieder mal ein Urteil dass die Allgemeinheit nur noch mitvdem Kopf schütteln kann. Was wäre wenn einem dieser Richter die Tochter missbraucht würde (was ich natürlich keinem Kind, Mädchen, Frau wünsche)? Käme das Gericht dann auch auf ein solches Urteil? Es soll Menschen geben die jeglichen Realitätssinn verloren haben!
    • Dewar 30.11.2015 20:32
      Highlight Highlight Die Aufgabe der Richter ist es, ihr Urteil basierend auf geltendem Recht zu fällen. Genau deswegen gibt es ja Gerichte, ansonsten hätten wir immer noch eine mittelalterliche Rachejustiz. In der Rechtssprechung haben Emotionen oder persönliches Befinden aber nichts zu suchen. Deswegen ist zu hoffen, dass das Urteil gleich ausfallen würde, unabhängig davon wer betroffen ist. Wenn Sie jemandem den Realitätssinn absprechen wollen, dann dem Volk, das die Gesetze macht/gutheisst. Aber die Richter haben einfach ihren Job gemacht, so hässlich das Resultat in diesem Fall auch scheinen mag.
  • BeniWidmer 30.11.2015 12:01
    Highlight Highlight schrecklich so öpis!

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