Fast 30 Jahre nach der Tat hat die Bundesanwaltschaft Anklage im Zusammenhang mit der Ermordung eines ägyptischen Diplomaten eingereicht. Der Mann war 1995 in Genf erschossen worden. Im Visier stehen ein 54-jähriger Mann und eine 49-jährige Frau.
Der Diplomat war Mitte November 1995 mit sechs Schüssen aus einer halbautomatischen Pistole in der Parkgarage seines Wohnhauses getötet worden. Dies teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag mit. Der damals 42-Jährige war stellvertretender Leiter des Handelsbüros der ägyptischen Mission in Genf.
Die Bundesanwaltschaft hatte bereits früher ein Strafverfahren eröffnet. Dieses musste jedoch 2009 sistiert werden, da die Täter nicht ermittelt werden konnten. In der Zwischenzeit sind neue Erkenntnisse aufgetaucht, sodass das Verfahren im Jahr 2018 wieder aufgenommen wurde.
Insbesondere Fortschritte bei der Analyse von DNA-Spuren sowie technologische Fortschritte beim Fingerabdruck-Identifikationssystem führten zum Erfolg. Die Täterschaft hatte in der Garage den Schalldämpfer der Pistole zurückgelassen - eine von Hand angefertigte Vorrichtung, die aus Schaumstoff von Autokopfstützen gewonnen und mit Klebeband zusammengehalten wurde.
Die Spuren darauf führten schliesslich zu einem 54-jährigen ivorisch-italienischen Doppelbürger und einer 49-jährigen schweizerisch-italienischen Doppelbürgerin. Gegen beide hat die Bundesanwaltschaft in Bellinzona Anklage eingereicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Der Mann wird wegen Mordes angeklagt. Er war in den vergangenen Jahren bereits in Haft und wurde entlassen, bevor er Ende 2021 wegen eines anderen Delikts in Untersuchungshaft gesetzt wurde, die seither andauerte. Die Bundesanwaltschaft hat nun mit dem Einreichen der Anklage Sicherheitshaft für ihn beantragt.
Die Frau ist wegen Gehilfenschaft zum Mord angeklagt. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr vor, den Schalldämpfer gemeinsam mit dem Mann hergestellt zu haben. Sie wurde im November 2018 verhaftet und war bis Ende Dezember 2018 in Untersuchungshaft. (dab/sda)