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FILE - In this June 28, 2014 file photo veiled women attend a speech by preacher Pierre Vogel, in Offenbach, near Frankfurt, Germany. A law that forbids any kind of full-face covering, including Islamic veils such as the niqab or burqa, has come into force in Austria Sunday, Oct. 1, 2017. Only a small number of Muslim women in Austria wear full-face veils, but they have become a target for right-wing groups and political parties.  France and Belgium have similar laws and the nationalist Alternative for Germany party is calling for a burqa ban there too. (Boris Roessler/dpa via AP,file)

Eine Schweizerin muss sich in zwei Wochen vor dem Bundestrafgericht verantworten. Die Vorwürfe wiegen schwer. Bild: AP/dpa

Von Pierre Vogel radikalisiert: Schwere Vorwürfe gegen mutmassliche Dschihadreisende



Eine mutmassliche Schweizer Dschihadreisende muss sich in zwei Wochen vor dem Bundesstrafgericht verantworten. Aus der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft geht hervor, wie sehr sich die Frau mit dem «IS» identifizierte und wie sehr sie das Schweizer System ablehnte.

Die Vorwürfe gegen die 31-Jährige aus Winterthur wiegen schwer: So soll die Frau Ende 2015 in Ägypten, wo sie mit ihrem damals vierjährigen Sohn lebte, ihr ganzes Hab und Gut verkauft haben, um mit dem Erlös ihre Reise nach Rakka in Syrien zu finanzieren.

Allein für eine Schlepperfahrt von Marsa Matrouh in Ägypten nach Kreta habe sie 12'000 Franken hingeblättert. Von dort sei sie weiter nach Athen geflogen, um dann über die Türkei nach Syrien zu gelangen und sich in Rakka der Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) anzuschliessen.

Vorbild für Nachahmer

Am 2. Januar 2016 wurde die Frau dann aber an der Grenze zur Türkei festgenommen. Trotzdem habe sie zwei weitere Male versucht, nach Syrien zu gelangen, schreibt die Bundesanwaltschaft (BA) in der am Freitag veröffentlichten Anklageschrift. Sie sei aber jedes Mal wieder zurückgeschickt worden.

Mit dieser Aktion habe sie in Kauf genommen, dass ihre Reise in der ganzen Schweiz medial für grosse Aufmerksamkeit sorgen und sie «damit eine Vorbildfunktion für potenzielle Nachahmer einnehmen» würde. Mit ihrem gesamten Verhalten habe sie die «verbrecherische Tätigkeit und Existenz des «IS» gefördert».

Von Pierre Vogel radikalisiert

Aus der Anklageschrift geht auch hervor, wie die Frau der Ideologie des «IS» verfiel und wie stark sie sich mit der Terrororganisation identifizierte. Demnach war die Frau Ende 2009 zum Islam konvertiert und hatte sich in der Folge über das Internet, insbesondere über Filme des deutschen Islampredigers Pierre Vogel, stark radikalisiert.

epa04235449 Controversial Salafist preacher Pierre Vogel speaks in front of the train station in Bremen, Germany, 01 June 2014. Bremen city council banned the event, but they were forced to allow it after a court ruling. Several hundred people listened to the preachers who were under heavy police security.  EPA/INGO WAGNER

Pierre Vogel soll die Frau laut Anklageschrift radikalisiert haben. Bild: EPA/DPA

Sie sei seither davon überzeugt, dass jeder Muslim die Pflicht habe, zum «IS» zu gehen und diesen zu unterstützen. Sie liebe den «IS» und glaube, dass es am besten sei, nach den islamischen Gesetzen zu leben. Von den westlichen Werten habe sie sich losgesagt und sehe für sich kein Leben in der Schweiz. Denn das Land, sein Rechtssystem und seine Regierung lehne sie ab.

Anschlag auf Schweiz befürwortet

Weil sie von der Schweiz abgehalten worden sei, mit dem «IS» zu leben, sei sie ausserdem davon überzeugt, dass sich die Schweiz mit dem «IS» im Krieg befinde. Aus diesem Grund und weil die Schweiz Frankreich im Kampf gegen den «IS» unterstütze, befürworte sie auch einen Anschlag in der Schweiz.

Generell sei sie der Meinung, dass es richtig sei, wenn sich «Märtyrer» in einer westlichen Stadt in die Luft sprengten. Denn damit würden sie mit der höchsten Stufe im Paradies belohnt.

Deshalb sah die Frau für sich und ihren Sohn auch keine andere Option, als nach Syrien zu ziehen, den Islam zu studieren und ihren damals rund vierjährigen Sohn unter der Regierung des IS aufwachsen zu lassen. Sie selber wollte in Syrien für die Kinder zuständig sein und diese «auf den rechten Weg bringen».

Nach ihrer missglückten Ausreise wurde die Frau bei ihrer Einreise in die Schweiz am 11. Januar 2016 am Flughafen Zürich verhaftet. Bereits eine Tag später kam sie wieder auf freien Fuss, doch ihr Pass, ihre Identitätskarte und ihr Führerausweise wurden eingezogen. Seither muss sie sich einmal pro Woche bei der Kantonspolizei Zürich melden.

Offiziell muss sie sich am 15. Dezember wegen Verstössen gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen «Al Kaida» und «Islamischer Staat» vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten. Die Strafanträge werden an der Hauptverhandlung gestellt. (sda)

Jürgen Todenhöfer über den «Islamischen Staat»

Video: watson

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