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«Der Ultraschall-Untersuch wird zum Event» – Frauenärzte nerven sich ob Handyplage

Die Schwangerschaftsuntersuchung dient eigentlich der medizinischen Abklärungen. Doch manchen werdenden Eltern geht es nur darum, möglichst viele Bilder und Videos zu machen. Die Frauenärzte nerven sich und verhängen sogar Filmverbote.



In Zukunft wird die Frage nicht mehr sein: Hast du ein Instagram-Profil? Sondern: Seit wann hast du ein Instagram-Profil, vor oder nach deiner Geburt?

Klingt nach einem Witz? Hier der Beweis, dass es keiner ist: Halston Blake Fisher hatte bereits vor ihrer Geburt ein Instagram-Profil und wurde dort schon vor dem Erblicken des Weltlichts angekündigt.

Noch bevor das Baby auf der Welt ist, wird es bereits auf seinem Instagram-Kanal angekündigt. instagram

Mittlerweile hat das achtmonatige Mädchen über eine halbe Million Follower. Doch bereits im Bauch der Mutter wurde es zum Filmstar. Denn die Eltern filmten den Ultraschall-Untersuch und stellten das Video auf YouTube. Über 600'000 Mal wurde es angeschaut.

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Das Influencer-Paar nimmt die ganze Ultraschall-Untersuchung auf Video auf. bild: screenshot youtube.com

Was ein amerikanisches Influencer-Paar tut, ist auch in der Schweiz keine Ausnahme mehr. In einer Episode des Schweizer Podcasts «Kafi am Freitag» diskutierten die beiden Hosts über den Umgang von werdenden Eltern mit dem Teilen von Babybildern- und Videos. Daraufhin meldete sich eine Frauenärztin bei ihnen und berichtete über die Handyplage in ihrem Praxiszimmer während den Ultraschall-Untersuchungen.

«Es geht einigen Eltern oft auch darum, das perfekte Bild zu machen. Sie konzentrieren sich gar nicht mehr auf das werdende Kind.»

Simone Kobler, Gynäkologin

Nun spricht die Gynäkologin mit watson über ihren Ärger. «Dass Paare den ganzen Ultraschall filmen wollen, nimmt deutlich zu. Social Media hat Einzug genommen in die Praxiszimmer», sagt die Frauenärztin Simone Kobler. Die Ultraschall-Untersuchung sei immer mehr zum Event geworden. «Es geht einigen Eltern oft auch darum, das perfekte Bild zu machen. Sie konzentrieren sich gar nicht mehr auf das werdende Kind.»

Kürzlich habe ein Mann derart penetrant gefilmt, dass sie ihm ein Filmverbot erteilt habe. Doch bei der nächsten Untersuchung habe er wieder gefilmt – heimlich. «Mich stört die Filmerei sehr. Es geht dabei manchmal vergessen, dass ich eigentlich eine Untersuchung machen will und schauen muss, ob das Kind gesund ist oder nicht. Man stelle sich vor, ich würde beim Ungeborenen etwas finden, das nicht stimmt.»

Ohne, dass sie es kontrollieren könne, sei das Video irgendwo hochgeladen. «Es geht auch um mein Persönlichkeitsrecht. Ich möchte nicht auf zig Videos zu sehen sein, ohne, dass ich weiss, wo diese landen.»

«Es wird in Zukunft vermutlich noch zunehmen und wir wissen noch nicht genau, wie wir am besten damit umgehen sollen.»

Simone Kobler, Gynäkologin

Wollten die Eltern schon Bilder und Videos vom ungeborenen Kind, hätten sie in ausgewählten Praxen oder Spitälern die Möglichkeit, einen kostenpflichtigen 3D-Ultraschall durchzuführen. «Er dient in diesen Situationen nicht zur medizinischen Untersuchung, sondern nur zum sogenannten Babywatching», sagt Kobler.

Grundsätzlich sei es aber so, dass man sich mit den Eltern mitfreue und ihnen die Freude nicht verderben wolle. «Wir drucken auf Wunsch auch zusätzliche Ultraschall-Bilder aus und geben uns viel Mühe, hübsche Fotos zu erstellen, die sie dann Ihren Angehörigen zeigen können.»

Beim Gynäkologen-Verband sieht man die Situation entspannter. Der Generalsekretär Thomas Eggimann sagt: «Ich gehe damit sehr locker um und interveniere nicht. Selbstverständlich könnte ein solches Video schlimmstenfalls gegen die Ärzte in Haftpflichtfällen verwendet werden, da aber sowieso eine lückenlose Dokumentationspfllicht mittels Standbildern besteht, sollte das keinen negativen Einfluss haben.»

In Koblers Berufsumfeld sieht das anders aus: Auch ihre Berufskolleginnen würden sich über die Handyplage in den Frauenarzt-Praxiszimmern beklagen. «Es wird in Zukunft vermutlich noch zunehmen und wir wissen noch nicht genau, wie wir am besten damit umgehen sollen», sagt die Gynäkologin.

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