Eizellen eingefroren, aber Frist verpasst: Nun entscheidet die Politik
Karriere, Krankheit oder Liebespech: Die Gründe, wieso Frauen ihre Eizellen einfrieren und aufbewahren, sind unterschiedlich. Und doch eint sie der Wunsch nach einer Familie.
Dieser Wunsch könnte sich für manche Frauen nun jäh zerschlagen: Das Gesetz sieht vor, dass eingefrorene Eizellen maximal zehn Jahre gelagert werden dürfen. Diese Frist ist für gewisse Frauen bald abgelaufen. Als 2017 das Gesetz die Kryokonservierung neu erlaubte, nutzten die ersten Frauen die Gelegenheit. Wer damals zu den Ersten gehörte, könnte nun das Nachsehen haben.
Die 10-Jahres-Frist soll durch eine neue Regel abgelöst werden. Eine Gesetzesreform wird in Kürze vom Bundesrat vorgestellt. Analog zum Ausland könnte die Aufbewahrung der Eizellen neu an das Alter der Frau oder an deren Gesundheit geknüpft werden, nach ärztlichem Ermessen.
Bloss kommt eine neue Regel für viele Frauen im Alter zwischen 35 und 45 zu spät. Bis sie in Kraft tritt, können noch Jahre verstreichen. Bis dahin gilt: Nach zehn Jahren werden die eingefrorenen Eizellen zerstört. Eine Ausnahme gilt nur für Frauen, die ihre Eizellen krankheitshalber einfrieren liessen. Frauen, die sich mit 30 auf ihre Karriere konzentrieren wollten oder dann gerade eine schwere Trennung durchmachten und ebenfalls Eizellen zur Aufbewahrung entnommen haben, müssen sich nun vom Kinderwunsch verabschieden.
Dramatische Situation für Frauen über 40
Nationalrätin Florence Brenzikofer (Grüne/BL) kämpft deswegen für eine Fristerstreckung: «Es geht mir nur darum, diese Lücke für betroffene Frauen zu schliessen.» Die Situation sei für viele emotional sehr belastend. Dem pflichtet auch Reproduktionsmediziner Gideon Sartorius bei: «Die Vernichtung der Eizellen ist für betroffene Frauen höchst dramatisch. Es könnte ihre einzige verbliebene Chance auf Nachwuchs sein.»
Frauen, die mit 40 oder 45 Jahren die Eizellen wegwerfen müssen, hätten deutlich geringere Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft. Das ist der Lauf der weiblichen Biologie: Die Zahl und Qualität der Eizellen nimmt mit dem Alter exponentiell ab. «Wer noch mit 30 oder 35 eine neue Eizelle gewinnt, kann den Kinderwunsch viel eher erfüllen», sagt Experte Sartorius dazu. Die Qualität der Eizelle sei entscheidend. Deshalb gebe es altersabhängig eine höhere Zahl an Aborten sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Krankheit beim Kind.
Für Sartorius, der im Alltag viele Paare und Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch begleitet, ist die Diskussion um die Fristverlängerung vor diesem Hintergrund eine «Absurdität», wie er sagt. «Für viele Frauen ist die Situation sehr belastend. Mit der Überbrückung der Frist könnte viel Leid verhindert werden.»
Schockgefrorene Eizellen mit hoher Qualität
Die sogenannte Kryokonservierung, bei der Eizellen dem Körper entnommen und schockgefroren werden, funktioniert heute so verlässlich, dass die Eizellen jahrelang gelagert werden können, ohne dass sie Schaden nehmen. Wobei auch der Reproduktionsmediziner kritisch ist. «Es ist richtig, die Eizellen nicht auf Ewigkeiten zu bunkern.» Nicht alles, was technisch möglich ist, sei auch sinnvoll. Das Parlament müsse hier eine neue Regel festlegen – etwa über das Alter der Frau beim Einsetzen des Embryos. «Aber die Limite bei zehn Jahren Lagerdauer ist nicht sinnvoll.»
Die Hilferufe wurden bisher im Ständerat nicht gehört. Er hat eine Übergangslösung bereits einmal abgelehnt. Im Nationalrat hingegen wurde der Antrag sehr breit getragen. Sagt die kleine Kammer ein zweites Mal Nein, ist es endgültig.
Dabei bleiben die Gegner wenig konkret. Die Ablehnung einer längeren Lagerungsfrist ist vor allem mit der Sorge verknüpft, dass auch weitere Bestimmungen der Fortpflanzungsmedizin gelockert würden. Allerdings steht diese Diskussion erst mit der Gesetzesreform an. Florence Brenzikofer will kurzfristig eine gescheite Lösung finden. «Ein weiteres Scheitern würde ich sehr bedauern. Es wäre für die Betroffenen gravierend.» (schweizheute.ch)
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Die Angebote richten sich an Betroffene sowie Angehörige und sind vertraulich.
