Ein globaler Hitzesommer, der zahlreiche Rekorde gebrochen hat, verdeutlicht: Der Klimawandel wird teuer, unter anderem für Hauseigentümer, Banken und Versicherungen. Eine Übersicht über Rekorde, Schäden und unbezahlte Rechnungen.
Die Welt erlebte die höchsten je gemessenen Juli-Temperaturen, den höchsten Wert seit 1850, wie Wissenschafter der US-Regierung vermeldeten. Mit diesem Juli-Rekord hat nun jeder der zurückliegenden 14 Monate einen neuen Hitze-Höchstwert aufgestellt.
Sorgen bereitet den Klimaforschern auch, dass an manchen Orten vorherige Hitzerekorde haushoch übertroffen wurden. Von einem unerwarteten Hitze-Extrem wurde beispielsweise das kanadische Dorf Lytton heimgesucht. Die Temperaturen stiegen im Jahr 2021 auf nahezu 50 Grad an, 5 Grad über dem vorherigen Rekord. Anschliessend kam es zu einem Waldbrand und das Dorf brannte teilweise ab.
Der ETH-Klimatologe Erich Fischer hat solche Extrem-Fälle untersucht und daraus Lehren für die Schweiz gezogen. Wie Fischer im Interview mit dem Schweizer Radio SRF erklärt, sei beispielsweise für die Stadt Zürich im kommenden Jahrzehnt nicht auszuschliessen, dass der heutige Hitzerekorde während 5 Tagen um 5 Grad übertroffen wird und es bis 43 oder 44 Grad heiss wird. Auf Nachfrage sagt Fischer:
Einher mit diesen Hitze-Rekorden gehen neue Rekorde bei den wirtschaftlichen Schäden. Die Rechnung nach Gewittern und Extremregen, Waldbränden und extremen Phasen von Trockenheit steigt und steigt.
In den USA beispielsweise zeigt sich ein klarer Anstieg in der Zahl der Stürme oder Waldbrände, welche Schäden von mindestens einer Milliarde Dollar angerichtet haben. Von 1980 bis 2023 gab es pro Jahr durchschnittlich erst 8,5 solcher Katastrophen. Von 2019 bis 2023 waren es 20,4 und 2023 dann gar 28. Und dieses Jahr könnte es ähnlich viele oder noch mehr solcher Ereignisse geben mit bisher 15 Milliarden-Dollar-Katastrophen.
Global zeigt sich ebenfalls eine klare Zunahme solch kostspieliger Katastrophen, angetrieben durch immer häufiger auftretende Stürme in den USA und in Europa. Wie die Beratungsfirma Aon in ihrem jährlichen Report festhält, gab es 2023 rekordhohe 66 solcher Naturkatastrophen mit Schäden von über 1 Milliarde Dollar.
Laut dem Rückversicherer Munich Re kam es 2023 in Nordamerika und Europa zu so vielen Gewitterschäden wie noch nie. Und 2024 wird nicht besser: Im ersten Halbjahr 2024 kam es laut Schätzung der Swiss Re zu versicherten Schäden von 60 Milliarden Dollar, was um 62 Prozent über dem zehnjährigen Durchschnitt liegt. Der Haupttreiber seien schwere Gewitter.
Längst stellt sich die Frage, wer die immer weiter steigenden Kosten in Zukunft tragen soll beziehungsweise überhaupt tragen kann. Die Hauseigentümer? Die Versicherungen? Oder die Banken, welche gefährdete Immobilien als Sicherheiten für ihre Hypotheken in den Büchern haben? Oder wie so oft die Staaten und damit die Steuerzahler?
Den Versicherungen könnte die Sache zu riskant werden, warnte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in einer Studie mit dem Titel «Zu heiss für die Versicherung».
Wenn nicht Versicherungen, Behörden und Regierungen bald gemeinsam Massnahmen ergreifen, würden die steigenden Klimawandel-Kosten dazu führen, dass private Versicherungen gegen Klimarisiken immer weniger erschwinglich und immer seltener verfügbar sein werden.
Irgendwann werde gar ein «Wendepunkt der Versicherbarkeit» überschritten und Klimarisiken werden laut BIZ-Studie überhaupt nicht mehr privat versicherbar sein. Der Staat müsse dann einspringen - und damit letztlich der Steuerzahler. In einigen Regionen der Welt hat dieser Trend bereits eingesetzt, wie die Nachrichtenagentur «Bloomberg» berichtet. Aus Kalifornien oder Florida fliehen die Versicherungen bereits in Scharen und lassen die Hausbesitzer und staatliche Versicherer allein zurück.
Heute schon ist der Versicherungsschutz in den USA viel zu gering. Rund 40 Millionen Haushalte – fast die Hälfte aller Einfamilienhäuser im Land – sind laut einem Forschungsunternehmen nicht genügend versichert gegen Naturkatastrophen, schreibt «Bloomberg». Der Investor David Burt, reich geworden in der US-Immobilienkrise von 2008, warnt deshalb vor der nächsten solchen Krise, dieses Mal ausgehend vom Klimawandel und unterversicherten Hausbesitzern.
Zu viele Häuser seien ungenügend versichert gegen Waldbrände und Überschwemmungen – 17 Millionen Häuser sind es Burt zufolge. Sie seien ungeschützt der Gefahr eines hohen Wertverlusts ausgesetzt, der total über 1000 Milliarden ausmachen könne. Der «Bloomberg»-Analyst und Klimawandel-Experte Mark Gongloff betitelte darum einen Aufsehen erregenden Artikel so: «Auf dem Wohnungsmarkt tickt eine Zeitbombe von 1000 Milliarden Dollar.» (aargauerzeitung.ch)
Das schlimme ist, dass die Diskussion mit Klimawandelleugnern so ermüdend ist, dass man die Diskussion schon gar nicht mehr führen will. Sie sind am gewinnen. Und in 20 Jahren sind sie dann Wutbürger, welche der Regierung vorwerfen sie seien inkompetent, weil sie das nicht vorhergesehen hätten.